Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post Oktober 2002.
Bearbeitungsstand: 12.9.2002
  Optionen zur Schienenanbindung des Münchner Flughafens
Mit der Bahn in die Luft

Das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen hat Anfang September ein Raumordnungsverfahren zur Schienenanbindung Ostbayerns an den Flughafen München eingeleitet. Begleitend dazu hat PRO BAHN ein Konzeptpapier erstellt, daß diese Anbindung und weitere Optionen für einen verbesserten Schienenverkehr zum Flughafen unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der unmittelbar betroffenen Flughafenregion behandelt.

Beim heutigen Ausbauzustand ist die beste Verbindung aus Richtung Regensburg / Oberpfalz sowie aus Richtung Passau / Niederbayern zum Flughafen durch Umsteigen in Freising in die MVV-Buslinie 635 gegeben. Das Fahrplanangebot dieser Buslinie hat inzwischen ein sehr gutes Niveau erreicht. Unmittelbare Verbesserungen sind nur noch durch bessere Fahrgastinformation in den Heimatregionen der anreisenden Fluggäste zu erreichen. Die Beseitigung der bestehenden Nachteile – Umsteigezwang, Abfahrt am Bahnhofsvorplatz, Abhängigkeit vom Individualverkehr – ist nur durch eine direkte Schienenverbindung zum Flughafen möglich. Im oben erwähnten Raumordnungsverfahren werden mit der "Marzlinger Spange", der "Pullinger Spange" und der "Neufahrner Kurve" drei Trassenvarianten für den erforderlichen Lückenschluß untersucht.

PRO BAHN hat sich bereits frühzeitig gegen eine Anbindung nördlich von Freising ("Marzlinger Spange") ausgesprochen. Strukturell ergäbe sich die Problematik, daß der Verkehr dann auf Freising und den Flughafen verteilt werden müßte. Dies ließe sich nur durch eine Taktverdichtung nördlich und südlich der Flughafenregion teilweise auffangen, die aber aufgrund von Bedarf und Streckenkapazität nicht zu erwarten ist. Wesentliches Argument ist zudem die Vermeidung einer neuen Isarquerung in einem sensiblen Bereich. Die zu erwartenden und berechtigten Proteste würden eine Lösung in die ferne Zukunft verschieben.

Der Bau einer Kurve von der Bahnstrecke Freising – Neufahrn zum Flughafen ermöglicht ebenso wie die "Marzlinger Spange" eine umsteigefreie Direktanbindung des Flughafens aus Richtung Landshut und Nordostbayern. Zusätzlich wird aber durch diese Maßnahme die Kreisstadt Freising über die Schiene mit dem zur Hälfte auf ihrem Stadtgebiet liegenden Flughafen verbunden. Die Verbindungskurve ("Neufahrner Kurve") kann durch einen von Regensburg kommenden "Ostbayern-Airport-Express" genutzt werden. Zur optimalen Trassenausnutzung und zur Herstellung fahrgastfreundlicher Umsteigbeziehungen kann dieser Zug als ein Teil eines aus Nordostbayern kommenden und zum Flughafen sowie nach München verkehrenden Flügelzugsystems betrieben werden.

Als zukünftige Option ist sinnvoll und wünschenswert, den "Ostbayern-Airport-Express" nicht am Flughafen enden zu lassen, sondern bis zum Münchner Ostbahnhof zu verlängern. Die kürzeste Verbindung vom Flughafen nach München-Ost führt über die Strecke der S-Bahnlinie S8. Eine solche Linienführung erfordert ein Kopfmachen im Flughafenbahnhof. Ist dies fahrplantechnisch nicht möglich, steht künftig auch die Strecke über Erding und Markt Schwaben zur Verfügung. Langfristig ist eine weitere Verlängerung ab München Ost über Holzkirchen nach Rosenheim denkbar.

Zusammen mit dem schon lange geplanten "Ringschluß" zwischen Erding und dem Flughafen erlaubt die "Neufahrner Kurve" eine Verlängerung der S-Bahnlinie S6 von Erding über den Flughafen nach Freising. Dadurch werden die beiden Flughafenstädte direkt mit dem Flughafen verbunden und vielen der dort beschäftigten Arbeitnehmer eine echte Alternative zum PKW geboten. Überdies bietet sich in Freising die Schaffung optimierter Umsteigeverbindungen zu den Zügen in bzw. aus Richtung Nürnberg und Passau an, die nicht direkt zum Flughafen verkehren. Den Mehrwert der Umsteigemöglichkeit zu allen Zügen Richtung Landshut sowie der besseren Erschließung des unmittelbaren Flughafenumfelds kann eine Spange nördlich von Freising nicht erbringen.

Die Wirkung einer Verlängerung der S6 bis Freising kommt nur bei einem Ausbau des Freisinger Bahnhofs voll zum Tragen. Ein bahnsteiggleiches Umsteigen in beide Richtungen ist entweder durch ein S-Bahn-Gleis realisierbar, das auf beiden Seiten Bahnsteigkanten hat, oder durch eine nördlich des Bahnhofs gelegene Wendeanlage. Für eine solche Wendeanlage ist jedoch kaum Platz vorhanden. In der Vergangenheit gab es Pläne, in Freising zwei weitere Haltepunkte einzurichten. Würde die S-Bahn nicht am Freisinger Bahnhof, sondern an einem Haltepunkt nordöstlich (ehemals "Neustift") enden, hätte dies die gleiche Wirkung wie eine Wendeanlage. Schon heute muß darauf geachtet werden, daß die für die genannten Optionen notwendigen Flächen für den Bahnbetrieb erhalten bleiben.

Bereits vor etlichen Jahren wurde der Bau einer autobahnparallelen Bahnstrecke entlang der Autobahn A92 von Feldmoching bis nördlich Neufahrn für die schnelle Anbindung des Flughafens aus Richtung München vorgeschlagen. Obwohl diese Idee damals von den offiziellen Stellen nicht aufgegriffen wurde, steht exakt diese Trasse für eine Transrapidstrecke zur Diskussion. Damit ist eine solche Lösung auch für die Eisenbahn wieder aktuell. Mit konventioneller Rad-Schiene-Technik lassen sich mittels dieser Neubaustrecke Fahrzeiten erzielen, die nur unwesentlich über denen eines Transrapids liegen. Zudem erhält man durch die bessere Integration in die bestehende Verkehrsstruktur zusätzliche Vorteile, die eine isolierte Magnetbahnstrecke nicht bietet.

Eine Schienentrasse parallel zur A92 würde von allen Zügen außer der S-Bahn genutzt, so daß auch eine weitere Verbesserung in der Relation München – Nordostbayern und zukünftig auch Richtung Mühldorf – Salzburg (siehe unten) erfolgt. Zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen kann ein "Airport-Shuttle" verkehren, das mit schnellen, modernen Zügen in einem dichten Takt betrieben wird. Die Fahrzeuge sind ebenso wie der "Ostbayern-Airport-Express" mit Inneneinrichtungen zu versehen, die einen Gepäcktransport stark erleichtern.

Auf der bisherigen Strecke München – Neufahrn verbleibt die S-Bahn zur Erschließung der Orte nördlich von München. Mittelfristig ist zum Flughafen und nach Freising jeweils eine eigenständige S-Bahnlinie vorzusehen. Bis Neufahrn ergibt sich dann ein 10-Minuten-Takt. Bei einer weiteren Taktverdichtung kann die zum Flughafen verkehrende S-Bahnlinie langfristig anstatt in die Münchner Innenstadt über eine neu zu bauende Kurve zum Fernbahnhof München-Pasing geführt werden und verbessert so unter anderem die Verkehrsrelation Augsburg / Allgäu – Flughafen.

Eine weitere Ausbaustufe schafft die Verbindung des Flughafens Richtung Mühldorf und Salzburg. Dadurch und durch die mittels der A92-Parallele zu schaffende Zusatzkapazität im Abschnitt bis Neufahrn ist eine Linienführung München – Flughafen – Mühldorf – Salzburg möglich. Außer dem Bau der Spange zwischen Erding und der Bahnstrecke nach Mühldorf ("Walpertskirchener Spange") muß hierfür die Strecke München – Mühldorf – Salzburg ausgebaut und elektrifiziert werden. Von einer solchen Maßnahme profitieren aufgrund der verbesserten Belastbarkeit des Gesamtsystems auch alle Reisenden zwischen den Strecken des Liniensterns Mühldorf und der Landeshauptstadt. Außerdem kann die Bahnstrecke München – Rosenheim – Salzburg von Teilen des Fernverkehrs entlastet werden und bietet so zusätzliche und notwendige Kapazität für den Regionalverkehr.

Insgesamt werden für den Infrastrukturausbau folgende Prioritäten vorgeschlagen:

  1. Verbesserte Verbindung zwischen München und Nordostbayern.
  2. Bau einer Verbindungskurve von der Strecke Freising – Neufahrn zum Flughafen ("Neufahrner Kurve") sowie des Erdinger Ringschlusses (Verlängerung der S6 zum Flughafen).
  3. Bahntrasse entlang der Autobahn A92 Feldmoching – Neufahrn und Ausbau des Bahnhofs Freising zur Optimierung der Umsteigebeziehungen.
  4. Spange Erding – Mühldorf ("Walpertskirchener Spange"); Ausbau / Elektrifizierung München – Mühldorf – Freilassing.

Skizze zukünftiger Schienenverbindungen zum Münchner Flughafen

 


Querverweise:

Fakten und Thesen zur Neufahrner Spange
 
Transrapid für München?
 
Optionen für eine verbesserte Bahnanbindung des Münchner Flughafens
 
Anbindung Nordostbayerns an München und den Flughafen / Ostbayernexpress
 
Wiesheu übernimmt Konzept von PRO BAHN
 
Ringen um das beste Konzept
 
Regionaler Planungsverband zur Flughafenanbindung (5.11.2002)
 
Raumordnungsverfahren Flughafenanbindung Ostbayern (Umweltministerium Bayern / 17.7.2003)
 


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