Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post Januar 2010.
Bearbeitungsstand: 21.12.2009

 
 

  Flughafengutachten ohne Akzeptanz in der Region

Im Dezember wurde eine Statistik veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die S1 die Münchner S-Bahn-Linie mit den meisten Störungen ist. Dies hatte PRO BAHN schon 2005 festgestellt (www.pro-bahn.de/oberbayern/s-bahn/takt10). Da aus den damaligen Ergebnissen keine für den Fahrgast spürbaren Konsequenzen gezogen wurden, sind solche auch jetzt kaum zu erwarten.

Stattdessen wurde im November ein Gutachten zum Flughafenanschluss veröffentlicht, dessen Umsetzung alles noch viel schlimmer machen wird. PRO BAHN hat in einer Pressemitteilung vom 23.11.2009 Nachbesserungen gefordert. Eine Ergänzung des Gutachtens wurde in einem CSU-internen Treffen bei Ministerpräsident Seehofer Ende November zwar vereinbart. Ob dabei aber für die Flughafenregion und die Pendler auf der stark belasteten Strecke München – Freising – Landshut etwas wirklich Positives herauskommt, wagt man nach den bisherigen Erfahrungen kaum zu hoffen.

In einer zweiten Pressemitteilung vom 15.12.2009 hat PRO BAHN klar zum Ausdruck gebracht, dass nur die sogenannte Westvariante oder der Nordtunnel die Strecke der S1 entlasten kann. Ohne eine solche Entlastung bestehen aber für den Bahnkorridor Richtung Landshut nur schlechte Zukunftsperspektiven. Das Verkehrswachstum nur der Straße zu überlassen ist angesichts der Klimadiskussionen nicht zeitgemäß.

In ein unzeitgemäßes Denken ist jedoch das Flughafengutachten zurückgefallen. Es wurde einmal mehr einseitig der Punkt-zu-Punkt-Verkehr zwischen München und dem Flughafen gegenüber allen anderen Interessen priorisiert. Selbst wenn eine Nachbesserung Ergebnisse erbringt, von denen die Bürger der Region mehr haben: der Schaden ist bereits jetzt angerichtet. Als Folge des Gutachtens wurden Konzepte wieder aus der Schublade geholt, die schon in der Vergangenheit Lösungen für die Bahnstrecke München – Freising blockiert haben. So fühlt sich die Initiative "Bahn im Tunnel" "regelrecht wiederbelebt", weil der Widerspruch, den das Flughafengutachten provoziert, ihr neuen Zulauf bringt.

Wären Auftraggeber und Gutacher ihrer Verantwortung gerecht geworden, so hätten sie sich die Lage auf und an den betroffenen Bahnstrecken genauer anschauen müssen. Stattdessen wurde einmal mehr am grünen Tisch geplant. Im Ergebnis ist das Flughafengutachten einfach schlecht und nicht das Geld wert, das es gekostet hat. Im Gegenteil: es hat dafür gesorgt, dass in der Region die Stimmung kippt und die Fronten wieder verhärteter sind.

Dass Gutachten nicht jedem gefallen ist normal. Dass es bessere und schlechtere gibt, auch. Ein Gutachten mit einem solchen Destruktionspotential wie das Flughafengutachten erlebt man aber selten. Naheliegendste Erklärung dafür ist, dass etwas mit der Aufgabenstellung und den politischen Vorgaben nicht in Ordnung war. Gerade von einem Minister, der wie Herr Zeil erklärt hat, Verkehrsprojekte nicht mit allen Mitteln gegen den Widerstand der Bevölkerung durchsetzen zu wollen, hätte man anderes erwartet. Aber der Wille, positive Fakten für einen zweiten Innenstadttunnel zu schaffen, macht wohl blind für reale Verkehrs- und Akzeptanzprobleme.

Edmund Lauterbach

 
Quellen und Verweise:

Störfallbilanz März 2005

Stadtrat Dr. Kronawitter zur S-Bahn-Pannenstatistik (16.12.2009)

Pressemitteilung PRO BAHN Oberbayern 15.12.2009

Bayerische Staatsregierung zum S-Bahn-Ausbau (15.12.2009)

Stadtrat Dr. Kronawitter zum Flughafengutachten (1.12.2009)

Bericht zur Gutachten-Nachbesserung (30.11.2009)

Bericht zur Reaktion auf das Flughafengutachten (27.11.2009)

Pressemitteilung PRO BAHN Oberbayern 23.11.2009

Minister Zeil zum Flughafengutachten (23.11.2009)

 
 


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