Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post Juni 2002.
Bearbeitungsstand: 22.5.2002
  Güterverkehr – ein Fallbeispiel
Schiene oder Straße?

Nach den Vorstellungen des Stromkonzerns Eon könnten die Straßen in den Landkreisen München und Freising durch eine fünfstellige Zahl zusätzlicher Lkw-Fahrten pro Jahr belastet werden. Der Stromerzeuger baut in Anglberg bei Zolling (Landkr. Freising) ein Biomasse-Kraftwerk. Die offizielle Planung sieht vor, die überwiegend aus Altholz bestehende Biomasse per Lkw von Garching-Hochbrück (Landkr. München) nach Anglberg zu fahren. Dazu wären pro Stunde etwa drei bis vier Fahrten notwendig. Hin- und Rückfahrten ergeben zusammen eine Belastung von bis zu 100 Lkws am Tag. Betroffen wären außer den Bundesstraßen 11 und 13 sowie der Flughafenautobahn A92 auch mehrere Ortsdurchfahrten.

Im Landkreis Freising kämpfen seit einiger Zeit eine Interessengemeinschaft und die Anliegergemeinden gegen die Straßentransporte. Eon hat unter anderem auf Anwohnerversammlungen argumentiert, daß eine Anlieferung über die Schiene viel teurer sei und deshalb den Standort Anglberg gefährde.

PRO BAHN hat sich in einer Pressemitteilung nachdrücklich dafür ausgesprochen, den Transport auf die Schiene zu verlegen: "Den Lippenbekenntnissen der Politiker müssen endlich Taten folgen." Das Kraftwerk Anglberg verfügt über einen gut ausgebauten Bahnanschluß. Unmittelbar neben der Firma AR-Recycling, dem Startpunkt der Transporte, führt ein Anschlußgleis vorbei. Wie man bei solch guten Voraussetzungen eine Belastung der Menschen durch massenhafte Lkw-Fahrten überhaupt in Betracht ziehen kann, ist eigentlich ein Rätsel.

Auch der bayerische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, in dessen Wahlkreis das Eon-Kraftwerk liegt, kann in diesem Fall zeigen, daß er konkret für die oft beschworene bahnfreundliche Verkehrspolitik eintritt. In der Pressemitteilung von PRO BAHN heißt es, dies sei Wiesheu den betroffenen Bürgern und seinen Wählern, aber auch einer zukunftsweisenden Wirtschaftspolitik schuldig.

Anstatt ausschließlich mit überteuerten Zahlen von DB Cargo in das Genehmigungsverfahren zu gehen, wurde Eon aufgefordert, neue Angebote einzuholen. Es gelang, weitere Anbieter für die Bahntransporte zu interessieren. So konnte dem Energiekonzern gezeigt werden, daß der Wettbewerb auch im Schienenengüterverkehr da ist und genutzt werden kann - man muß nur wollen. PRO BAHN bat die Regierung von Oberbayern, die Genehmigung aufgrund der zu erwartenden Verkehrsbelastung zu verweigern und das Verfahren auszusetzen, solange Eon keine realistischeren Kostenschätzungen präsentiert.

In Ostbayern wurden vor kurzem 2500 Lkw-Fahrten pro Jahr verhindert, weil die Südostbayernbahn Mülltransporte übernahm, die DB Cargo nicht wirtschaftlich betreiben konnte. Daß nördlich von München die sechsfache Transportmenge auf die Straße verlegt werden soll, ist sicher nicht nur nach dem Urteil von PRO BAHN absolut unzeitgemäß.

In einer Anhörung der Regierung von Oberbayern im Landratsamt Freising am 15. Mai lenkte Eon zum Teil ein. Unter anderem durch die Vermittlung von PRO BAHN liegen dem Stromkonzern nun vier Angebote von Schienverkehrsunternehmen vor, die deutlich preiswerter als die Kalkulation von DB Cargo sind. Eon sagte zu, die Angebote wohlwollend zu prüfen und auch einem Bahntransport der etwas teurer sei als die Anlieferung auf der Straße, den Vorrang zu geben. Voraussetzung der Bahnanlieferung sind laut Eon und AR-Recycling weitere Baumaßnahmen im Kraftwerksbereich und am Schienenanschluß in Garching-Hochbrück. An der technischen Machbarkeit dieser Maßnahmen bestehen wenig Zweifel, sie muß aber noch geprüft werden.

Fazit: Ob es zu einer Schienenlösung kommt, ist nicht endgültig geklärt. Durch den Einsatz von PRO BAHN und durch Initiative vor Ort konnte jedoch etwas in die richtige Richtung bewegt werden.

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