Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post September 2011.
Bearbeitungsstand: 8.8.2010

 
 

 
Was hat Wasserburg mit Fernbussen zu tun?

Die Bundesregierung hat Anfang August beschlossen, die Zulassung von Fernbuslinien als Konkurrenz zur Bahn deutlich zur vereinfachen. Bundesweit sicher ein großes Thema, aber warum kümmert sich ein regionales Blättchen wie die PRO BAHN Post darum?

Wenn Fernbusse den Möglichkeiten und Beschränkungen des Bahnfernverkehrs angeglichen würden, wäre die Freigabe als Beitrag zum Wettbewerb zu begrüßen. Aber eine Liberalisierung, die deutlich über die Freizügigkeit von Bahnunternehmen hinausgeht, ist stattdessen wettbewerbsverzerrend. Eine Maut für Fernbusse sowie Fahrgastrechte, die den Regelungen im Bahnverkehr entsprechen, sind Mindestanforderungen an eine faire Gleichbehandlung.

Natürlich wird die Zahl der Fahrgäste, die vom ICE auf Fernbusse umsteigen ebenso begrenzt sein, wie die Zahl der Leute, die wegen dem Fernbus ihr Auto stehen lassen. Aber in den weniger gut ausgelasteten Bereichen des Fernzugnetzes wird das gefördert, was seit Einstellung der Interregio-Züge immer wieder passiert: Fernzüge werden durch bestellten "Nahverkehr" ersetzt. Das bedeutet nicht, dass die Fernbuskonkurrenz direkt vor Ort sein muss – die finanziellen Ausgleichmöglichkeiten innerhalb des DB-Konzerns verleiten dazu, Einbußen auf stärker frequentieren Linien auf die aus Konzernsicht weniger wichtigen Strecken abzuwälzen. Letztlich wird also der Steuerzahler für die durch die Fernbusliberalisierung entstehenden Schäden am System Bahn zur Kasse gebeten.

Wenn nun die Länder Fernzug-Ersatzverkehre finanzieren, fehlt das Geld im eigentlichen Nahverkehr. Dies führt zu den bekannten, teilweise unzumutbaren Zuständen im Ballungsraumverkehr, und in der Fläche drohen Ausdünnungen und sogar Abbestellungen. Darum ist die Fernbusfreigabe eben auch ein Thema auf regionaler Ebene.

Gerade Bayern ist zudem das Vorzeigebeispiel dafür, dass schon gar kein Geld für Reaktivierungen übrigbleibt. Die Ilztalbahn, Endorf – Obing oder Schierling – Langquaid sind Beispiele, wo privates und ehrenamtliches Engagement für den Freistaat in die Bresche springt. Die fränkische Höllentalbahn und die Wasserburger Altstadtstrecke zeigen, wie schwierig und langwierig es sein kann, wieder zu Bahnverkehr zu kommen.

Außer der Tatsache, dass Länder wie Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg bei Reaktivierungen besser abschneiden, beweisen sie, dass auch die Bestellung von Ausflugs- und Wochenendverkehren durchaus Türen für einen besseren Bahnverkehr öffnen kann und eine ideale Werbung fürs Bahnfahren ist. Im bayerischen Nahverkehr macht man lieber dem ICE Konkurrenz – und zukünftig vermehrt den Fernbussen.

Edmund Lauterbach

Eine längere und allgemeinere Version dieses Textes findet man im Internet unter der Adresse www.zukunft-mobilitaet.net/author/edmund-lauterbach

 


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