Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post April 2016.
Bearbeitungsstand: 21.3.2016

 

Quellen und Querverweise
 

 

Bundes­verkehrs­wege­plan aus oberbayerischer Sicht

Am 16. März hat Bundesverkehrsminister Dobrindt den Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan (BVWP) veröffentlicht. Die zugehörigen Dokumente, insbesondere den "Gesamtplanentwurf", findet man unter dem Punkt "Inhalte herunterladen" auf www.bvwp2030.de. Von einem solchen BVWP-Entwurf darf man sicher keine Wunder erwarten. Dem Bahnfreund fällt zunächst auf, dass die "Projektlisten Straße" insgesamt 80 Seiten beanspruchen, während die Schienenprojekte mit 20 Seiten auskommen.

Schaut man sich die Bahnprojekte an, so muss man zwischen folgenden Einstufungen unterscheiden:

  • Laufend und fest disponiert: 38 Projekte
  • Neue Vorhaben, Vordringlicher Bedarf (VB-E u. VB): 21 Projekte
  • Neue Vorhaben, Weiterer Bedarf (WB): 3 Projekte
  • Vorhaben des Potentiellen Bedarfs, die in den VB oder WB aufsteigen können: 43 Projekte

Wenn man von den laufenden und fest disponierten Vorhaben absieht, haben im Wesentlichen nur die unter VB und VB-E eingestuften Projekte ernsthafte Chancen, dass bis 2030 etwas passiert.

Den Raum Oberbayern und angrenzend Gebiete betreffen folgende BVWP-Maßnahmen:

ABS München – Mühldorf – Freilassing: Hierzu gehört ein teilweise zweigleisiger Ausbau, die Elektrifizierung bis Burghausen und Freilassing sowie in München den Bau einer Verbindungskurve zwischen Riem und Trudering. Nicht enthalten sind ein zweigleisiger Ausbau nach Freilassing und eigene S-Bahn-Gleise von Riem nach Markt Schwaben.

ABS/NBS München – Rosenheim – Kiefersfelden – Grenze D/A (–Kufstein): Diese Maßnahme zielt natürlich auf den Zulauf zum künftigen Brennerbasistunnel. Vorgesehen ist eine Neubaustrecke von Grafing bis Brannenburg inklusive einer Westumfahrung von Rosenheim und zwei zusätzliche Gleise von Brannenburg bis zu österreichischen Grenz. Eine alternative Führung von Güterzügen via Landshut – Mühldorf – Rosenheim ist bei diesem Punkt nicht vorgesehen (siehe aber weiter unten).

ABS Hof – Marktredwitz – Regensburg – Obertraubling: Hier geht es um die Ertüchtigung eines Güterzugkorridors von Norddeutschland durch ostdeutsche Bundesländer nach Hof und weiter bis Regensburg, um so die Trassen um Fulda, Würzburg und Nürnberg zu entlasten. Die damit verbundene Elektrifizierung Regensburg – Hof ist natürlich für auch für den Personenverkehr aus dem Raum München in Richtung Sachsen und Prag interessant, wird aber zugleich auch mehr Güterzüge auf die Strecke München – Landshut – Regensburg bringen.

ABS/NBS Ulm – Augsburg: Dieses Projekt im Wesentlichen noch unter "Potentieller Bedarf" mit drei verschiedenen Varianten, für die zum Teil eine Wirtschaftlichkeitsprüfung bereits erbracht wurde. Dadurch ist hier noch am ehesten mit einer kompletten Aufnahme unter "Vordringlicher Bedarf" zu rechnen.

Knoten München: Bei diesem Maßnahmenbündel wird wie bei anderen Knotenausbauten auf einen ausstehenden Nachweis der Wirtschaftlichkeit bzw. eine Bewertungsaktualisierung verwiesen. Weiterhin gilt die Projektdefinition des aktuellen Bedarfsplanprojektes. Eine Beschreibung findet man im Abschlussbericht zur Überprüfung des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege ab Seite 538.

Nicht enthalten sind hier der geplante Tunnel für die zweite S-Bahn-Stammstrecke und der Erdinger Ringschluss sowie eventuelle Ausbauten für die S4-West, da der Freistaat Bayern diese Projekte mit Nahverkehrsmitteln finanzieren will. Damit besteht der Knotenausbau noch aus dem Ausbau des Bahnhofs Pasing und Überleitgleisen zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke, dem zweigleisigen Ausbau der Güterverkehrsspange Daglfing – Trudering, dem Bau einer Kurve von Daglfing nach Riem sowie dem viergleisigen Ausbau Daglfing – Johanneskirchen. Der letztgenannte Abschnitt ist allerdings auch weiterhin oberirdisch geplant, und nicht wie von Stadt und Anwohnern gewünscht als viergleisiger Tunnel.

Zu den im BVWP fehlenden S-Bahn-Projekten bleibt anzumerken, dass auch die Münchner S-Bahn und ihre Infrastruktur eine Eisenbahn des Bundes ist, und dass der Einsatz von Nahverkehrsgeldern dazu führt, dass anderswo in Bayern das Geld fehlt – z. B. auch für die Reaktivierung von Bahnstrecken. Hinzu kommt, dass für weitere kritische Abschnitte im S-Bahn-Netz der Ausbaubedarf von Bund und Freistaat schlicht geleugnet wird. Betroffen ist beispielsweise der Abschnitt München – Neufahrn, wo die parallelführende BAB 92 gemäß BVWP auf sechs Fahrstreifen und weiter Richtung Flughafen gar auf acht Fahrstreifen ausgebaut werden soll. Ein geradezu klassischer Beitrag dazu, wie man sich die Lösung von Verkehrsproblemen nicht vorstellt.

Unter der Klassifizierung "Vorhaben des Potentiellen Bedarfs, die in den Vordringlichen Bedarf (VB) oder Weiteren Bedarf (WB) aufsteigen können" findet man folgende Maßnahmen:

  • Zweigleisige Begegnungsabschnitte der ABS München – Mühldorf – Freilassing zwischen Tüßling und Freilassing
  • ABS Nürnberg – Schwandorf / München – Regensburg – Furth im Wald – Grenze D/CZ (u. a. Elektrifizierung von Regensburg bis zur tschechischen Grenze)
  • ABS Augsburg – Donauwörth (drittes Gleis Augsburg – Meitingen – Donauwörth)
  • ABS Landshut – Plattling (zweigleisiger Ausbau)
  • ABS Regensburg – Mühldorf – Rosenheim (abschnittsweise zweites Gleis und Elektrifizierung Landshut – Mühldorf – Rosenheim, Ausbau für 160 km/h)

Die Entstehung des Bundesverkehrswegeplans hat sich über einen längeren Zeitraum hingezogen und beruht unter anderem auf der schon erwähnten Bedarfsplanüberprüfung, die 2010 auch Thema in der Dezemberausgabe der PRO BAHN Post war. Zu den verschiedenen Phasen der Öffentlichkeitsbeteiligung gab es mehrfach Meldungen auf www.pro-bahn.de/aktuell. Der Landesverband Bayern hatte bereits 2013 eine erste Stellungnahme abgegeben (www.pro-bahn.de/bayern/pdf/bvwp.pdf).

Bis zum 2. Mai kann nun jedermann nochmals Teile des BVWP kommentieren und Änderungswünsche äußern. Wie das geht, erfährt man auf www.bmv.de/bvwp2030-stellungnahme; für die Stellungnahmen gibt es beim Ministerium ein Online-Formular. Die einzelnen Maßnahmen sind – meist mit Kartendarstellung – im "Projektinformationssystem" unter www.bvwp-projekte.de zu finden.

Edmund Lauterbach

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