Montag, 08. April 2002  


 
 

Eine Stadtbahn vom Hanauer Freiheitsplatz
bis zur Konstablerwache in Frankfurt

AG macht Vorschläge zur Straßenbahn und listet Mängel bei Bus und Bahn auf

Hanau. Die Grimm-Stadt soll wieder eine Straßenbahn bekommen darin sind sich die meisten Hanauer einig. An der konkreten Umsetzung scheiden sich hingegen die Geister. Die »Arbeitsgruppe Stadtbahn Region Hanau« (AGS) hat nun den ersten Teil eines Konzepts vorgelegt, das anders als die bisherige Planung der Hanauer Straßenbahn AG (HSB) die Straßenbahn als »Stadtbahn« bis Maintal und Frankfurt führen will.

 »Wir wollen keine Kirchturmlösung«, begründete AGS-Sprecher Horst Gunkel den Vorschlag. Der Arbeitsgruppe zufolge soll eine künftige Stadtbahn ihre Fahrgäste ohne Umsteigen vom Umland direkt in die Hanauer Innenstadt bringen. Die Idee, die dahinter steckt, ist einfach: In Hanau ist ein Straßenbahnsystem geplant, in Frankfurt besteht bereits eines. Was läge also näher als beide Systeme über Hanau-Kesselstadt und Maintal zu verbinden? 

Die AGS-Konzeption sieht demgemäß eine Straßenbahnstrecke vom Straßenbahnnetz Hanau über Hanau-Kesselstadt nach Dörnigheim über Hochstadt und Bischofsheim vor. Hinter Bischofsheim sollen dann die Stadtbahnwagen auf den bestehenden Eisenbahnschienen bis Frankfurt Ost und von dort in das Frankfurter Straßenbahnnetz geführt werden bis in die Frankfurter Innenstadt und zum Hauptbahnhof.

Mit einer Stadtbahn könnte man sich auch die geplante nordmainischeS-Bahn sparen, so der Frankfurter Verkehrsexperte Stefan Kyrieleis in dem AGS-Konzept. Er vertritt die These, dass eine solche S-Bahn den Pendlern keine Verbesserungen bringt; dem einzigen Vorteil der direkten Verbindung zur Konstabler- und zur Hauptwache stünden viele Nachteile gegenüber: Die direkte Verbindung zum Frankfurter Südbahnhof fiele weg, und weiterhin lägen die Bahnhöfe in Maintal zu weit entfernt von der Bebauung. Die Stadtbahn dagegen fahre dort, »wo die Menschen tatsächlich wohnen und wo sie wirklich hinwollen: aus den Wohnquartieren in Kesselstadt, Dörnigheim, Bischofsheim und Hochstadt direkt in die Innenstädte von Hanau und Frankfurt«.

Geradezu euphorisch klingt es im ersten Teil des AGS-Konzepts: »Hanau im 21. Jahrhundert eine Vision«. Darin wirdHanau als Stadt gesehen, die sich durch die Stadtbahn von einem Provinzstädtchen in ein modernes Oberzentrum mit der Innenstadt als Erlebnis- und Einkaufszentrum gewandelt hat. Kritischer fällt dagegen der zweite Teil aus, in dem die AGS derzeitige Mängel im öffentlichen Verkehrsangebot aufzulisten versucht.

Für problematisch hält die AGS die beiden Verkehrsknoten Hanaus den Freiheitsplatz und den Hauptbahnhof. So würden Bahn-Pendler an der City und damit an den Einkaufsmöglichkeiten vorbeigeleitet; Bürger, die mit dem Bus aus dem Umland nach Hanau kämen, müssten in der Regel am Freiheitsplatz umsteigen, wenn sie zum Bahnhof wollen. Bemängelt wird in dem Papier auch, dass viele Bahnhöfe und Haltepunkte in der Region abseits der Siedlungsschwerpunkte liegen oder unattraktiv sind. Bis auf den Haltepunkt in Steinheim gehe bei allen Bahnhöfen der »Aufenthaltswert gegen null«.

Außerdem kritisiert die AGS das Fehlen behindertengerechter Zugänge und eine »konsequente räumliche und zeitliche Vernetzung von regionalen und lokalen Verkehrsströmen«: »Lokale Busse, Regionalbusse und die Eisenbahn fahren in der Regel aneinander vorbei.« Eine Fehlanzeige gibt es laut AGS auch beim öffentlichen Personennahverkehr in der Nacht oder am Wochenende: Spätestens um Mitternacht existieren nurmehr das Anrufsammeltaxi Maintal und der Citybus von Hanau Hauptbahnhof nach Mainhausen und der wird von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach betrieben. 

In den nächsten Monaten will die AGS ihr Konzept ergänzen und, was die Stadtbahn angeht, die Themen Liniennetz, Verknüpfung mit den übrigen Verkehrsträgern, Technik und Kosten durchleuchten. 

Das Konzept kann im Internet unter www.stadtbahn-hanau.de heruntergeladen oder im ÖkoBüro Hanau, Auwanneweg 72, in Hanau-Großauheim, kostenlos angefordert werden.   mgh

 
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