Epilog


Insgesamt erlebte ich die Regensburger und die Berliner als die besten der neun Inszenierungen, die ich im Jahr 2007 erleben durfte.

Wegen des innovativen Schlusses gebe ich der Regensburger Inszenierung meine persönliche Siegespalme von den neun im Jahr 2007 besuchten Aufführungen. (Berlin, Bremen, Hannover, Zwickau, Wien, Kassel, Hamburg, Detmold und Regensburg; Annaberg-Buchholz habe ich leider verpasst.) Genauso gut fand ich die Inszenierung Thilo Reinhardts and der Komischen Oper in Berlin. Sein gewagtes Konzept, die Oper in unsere Zeit zu verlegen, ging voll auf und stellt den einzigen mir bekannten gelungenen Versuch dar, die gesamte Oper als zeitgenössiches Ereignis darzustellen. Den Theatern in Kassel (Regie Gabriele Rech) und Zwickau / Plauen (Regie: Judica Semmler) gelangen ebenfalls ausgezeichnete Interpretationen der Contes. Regisseurinnen scheint ein Hoffmann gut zu liegen.

Man wird ja immer mal wieder gefragt, ob man stolz darauf ist, Deutscher zu sein. Ich pflege diese Frage unbeantwortet zu lassen und setze dagegen, dass ich froh bin, in Deutschland zu leben, wo es unter anderem eine so vielfältige Musikkultur mit 80 regelmäßig bespielten Opernhäusern gibt. Schon im Nachbarland Frankreich (ganze 17 Opernhäuser in der Grande Nation) wäre es unmöglich, die gleiche Oper an drei aufeinanderfolgenden Abenden an drei Theatern innerhalb eines Radius von 200 Kilometern zu sehen, von Großbritannien (11 Opernhäuser) gar nicht zu reden. Selbst in Italien, Heimatland der Oper, gibt es nur an die 30 Theater, an denen auch mal Oper gespielt wird, aber hauptsächlich italienische.

Sorgen macht allerdings der fehlende Nachwuchs unter den Zuschauern. Junge Menschen unter dreißig waren in allen Theatern eher selten zu sehen. Die geistig-moralische Wende der CDU von 1982 mit ihrer Einführung des primitiven Kommerzfernsehens wird wohl dem Land mit der bisher höchsten Musikkultur der Welt langsfristig die Basis für die Oper entziehen. Gehen Sie noch schnell in die Oper, solange sie noch nicht durch Keif- und Brüll-Shows aus der christdemokratischen und liberalen Kulturabwicklung von 1982 und danach ersetzt ist und noch mehr Opernhäuser geschlossen oder zusammengelegt werden!



Die besten Regieleistungen erlebte ich in Berlin (Thilo Reinhardt), Regensburg (Angela Brandt), in Kassel (Gabriele Rech) und in Zwickau (Judica Semmler).

Die besten Bühnenbilder sah ich in Bremen (Andrej Woron), in Zwickau (Robert Schrag), in Regensburg (Johannes Haufe) und in Kassel (Nicola Reichert)

Den besten Hoffmänner sangen Marcus Haddock (Staatsoper Wien), Giuseppe Filianoti (Hamburg), Robert Chafin (Hannover) und Alexandru Badea (Regensburg).

Die besten Musen sangen Monika Walerowicz (Kassel), Mirna Ores (Regensburg), Stella Doufexis (Berlin Komische Oper), Sibylle Specht (Bremen) und Barbara Senator (Hannover).

In Hamburg sang Elena Mosuc alle Sopranrollen ganz hervorragend.

Die besten Olympien hörte ich von Inga-Britt Andersson (Zwickau), Cornelia Götz (Berlin Komische Oper), Ingrid Fröseth (Bremen) und Jane Archibald (Wien Staatsoper).

Die besten Antonien hörte ich von Arantxa Armentia (Hannover), Sinead Mulhern (Berlin Komische Oper), Gesche Geier (Regensburg), Simina Ivan (Wien Staatsoper) und Jennifer Bird (Bremen).

Als Giulietta überzeugten Karolina Gumos (Berlin Komische Oper), Anna Peshes (Regensburg) und Nicole Chevalier (Kassel).

Den besten Widersacher hörte ich von Matias Tosi (Regensburg), Nikola Mijailovic (Hannover) und Peteris Eglitis (Berlin Komische Oper).

Die Orchesterleistungen waren überall gut bis sehr gut. Nur von den Wiener Philharmonikern an der Staatsoper hätte ich mir etwas mehr Engagement gewünscht.

Das Publikum, das am besten mitging und die Darsteller anfeuerte, erlebte ich in Wien (Staatsoper), in Zwickau, in Regensburg und in Bremen.

Zu den obigen Einschätzungen möchte ich anmerken, dass es sich hierbei um subjektive Einschätzungen handelt, die ich zum Teil auch nach Gesprächen mit anderen Besuchern der jeweiligen Vorstellungen vornahm. Dazu kommt, dass die Tagesform der Sängerinnen und Sänger stark schwanken kann und z.B. bei Premieren häufig durch Nervosität beeinträchtig wid.