»Hoffmann« mit Da capo bei E.T.A. Hoffmann in Berlin



www.hfm-berlin.de



Besuchte Vorstellung Samstag 13. Juni 2026 (Premiere)








Teil I

Regie


Hannes Kapsch

Pianist


Byron Knutson

Bühne


Mariano Sukopp

Kostüme


Sarah Hrstková

Nwakuso Edozien

Version


Oeser

Sprache


Französisch




Hoffmann


Fermin Basterra

Muse


Colin Danderski

Olympia


Elizabeth Kim

Antonia


Nora Goldnagl













Teil II

Regie


Kundry Ryman

Pianist


Byron Knutson

Chorleitung


Fynn Hoffmann

Bühne


An Kiepel

Kostüme


Shirin Javdani

Version


Oeser

Sprache


Französisch mit deutschen Dialogen




Hoffmann


Stanislav Vypovskyi

Olympia


Jimena Ramos Garcia

Antonia


Margarita Zhigalkina



Fazit: Die Musikhochschule Hanns Eisler am Berliner Gendarmenmarkt präsentierte zwei ähnllche Versionen von Auszügen aus »Hoffmanns Erzählungen« als Jahresabschularbeit von Studierenden in der Endphase ihrer Ausbildung mit Bühnenbild, Kostümen und Klavierbegleitung. Der Gesang, Bühne und Kostüme befanden sich durchweg auf dem Niveau professioneller Repertoiretheater, wobei in Berlin auch die Regie von Studierenden gestaltet wurde. Das Bühnenild entstand in Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin.



Diese Seite berichtet nicht nur über »Hoffmann«-Inszenierungen von Profibühnen sondern besucht auch Experimentaltheater und Inszenierungen an Musikhochschulen. Diese war nicht die erste. Die Musikakademie Glasgow und die Musikhochschule Wilhelma in Stuttgart hatte ich vorher besucht. Der Besuch einer Hoffmann-Inszenierung an der Musikschule von Manchester scheiterte leider an mangelnder Rückmeldung. Glasgow und Stuttgart Wilhelma hatten allerdings kokmplette Opern mit Orchesterbegleitung auf ihre Bühnen gestellt, und auch die Orchester wurden von Opernschülern gebildet. Bei Hanns Eisler gab es nun eine stark abgespeckte Oper mit nur einzelnen Szenen. Der Giulietta-Akt fehlte vollständig, also gab es auch keine Barkarole, die bekannteste Nummer der Contes. Das lag daran, dass man im Augenblick nicht ausreichend über schon fertige und präsentable Stimmen verfügte. Jeden Herbst wird bei Hanns Eisler eine komplette Musiktheater-Inszenierung auf die Bühne gebracht.


Dafür inszenierten in Berlin nun auch Studierende der Musikhochschule die beiden Teile, während an den anderen Musikschulen Dozenten die Regie übernommen hatten. Und natürlich als Riesenbonus, das Opernfragment wurde nur wenige Schritte von E.T.A. Hoffmanns Stammlokal Lutter und 'Wegner und von seiner Wohnung aufgeführt, die sich aber heute nicht mehr an der ursprünglichen Stelle befinden, da die Reichshauptstadt quasi dem Erdboden gleichgemacht werden musste, um die Deutschen vom Hitler-Faschismus zu befreien. Und, was nur wenige beachten, in den Büschen gegenüber dem heutigen Luxusrestaurant Lutter und Wegner steht versteckt eine schmale Bronzebüste von E.T.A. Hoffmann.



Hanns Eisler (1898 - 1962), nach dem die Musikschule benannt ist, war ein österreichischer Komponist und Musiktheoretiker, dessen Werk heute weitgehend im Verborgenen schlummert. Auch sein berühmtestes Stück, die Nationalhymne der DDR „Auferstanden aus Ruinen“, getextet von Johannes R. Becher, wird heutzutage nur mehr zitiert und nicht mehr feierlich intoniert. Und auch beim Komponieren dieser Hymne nahm er mit den ersten acht Tönen Anleihe beim Schlager Goodbye Johnny, wie man in der DDR spottete.

Eislers Musik ist im Stil ähnlich dem begabteren Kurt Weill. Das meiste seiner Musik erklingt im Vier-Viertel-Marsch-Rhythmus links zwo drei vier und wurde nach Agitprop-Texten komponiert. Nina Hagen singt ein Stück von ihm, das auf Youtube gefunden werden kann. Ansonsten war Eisler ein dogmatischer Erzkommunist, der den Arbeiteraufstand in der DDR von 1953 kritisierte, sich aber nicht mit dem Mauerbau in Berlin anfreunden konnte..



Die Hanns Eisler-Hochschule hat wie üblich eine Studiobühne, die 200 Plätze bietet. Der Eintritt war frei, und das Programmheft kostete nichts. Alle Plätze waren besetzt. Vor der Bühne begleitete am Flügel ein Pianist, der dem Alter nach kein Student war. Byron Knutson ist Professor bei Hanns Eisler. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeitsabteilung der Schule war freundlich und hilfsbereit.



Vor dem Vorhang ruhte Hoffmann in einem offenen Sarg, was man im Englischen als Public Viewing bezeichnet. Das deutsche Fernsehen und die Fu8ßballwelt bewegen sich bekanntlich intellektuell auf ungefähr gleichem Niveau und meinen damit die öffentliche Übertragung von Balltreterei. Eine Turmuhr schlug, Totenglocken läuteten, und Hoffmann sprang aus seinem Sarg. Undefinierbarer Lärm drang auf ihn ein. Und sofort begann er mit dem Klein-Zaches. Ein tänzerisch begabter Stummer mimte dazu. Er hantierte mit einem Schädel, den er in verschiedene Richtungen hielt. Es gab freundlichen Applaus für diese wohlklingende Stimme und die reichliche Mimik. Der Stumme wird im Programmheft als Niklaus, also Hoffmanns Muse und Begleiter geführt.


Dann ging der Vorhang auf, und eine Art würfelförmiger Baldachin wurde sichtbar, auf dessen Dach drei fantastische weibliche Puppen saßen. Und jemand bewegte sich stumm. Und schon erschien Olympia in diesem Kubus. Sie legte ein Kostüm an und hob mit ihrer Arie an. Sie schién sich in ihrer Rolle aber nicht besonders wohl zu fühlen, denn sie zerstörte allerlei Requisiten, als sie mit überzeugender Stimme ihre Koloratur sang. Zu der Handlung wurde gemimt.Und verdienter Applaus. Dann besang Hoffmann seine Liebe zu Olympia, und dazu wurde die Bühne rot beleuchtet. Es soll schon an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Beleuchtung während der gesamten Aufführung höchst kreativ und abwechselnd war.


Die stumme schwarz gekleidete Figur erschien wieder und hantierte mit zwei Schädeln. Der Sinn dieser Pantomime erschloss sich aber mir nicht. Und das war es schon mit dem Olympia-Akt. Und schon waren wir bei Antonia angekommen.



Mit bewegend lyrischer Stimme sang sie ausdruckstark ihr Auftrittlied. Hoffmann erwachte, und sinnliche Duette der beiden folgten. Gesanglich erlebte man bestes europäisches Bühnenniveau. Un das Publikum ging gut mit und applaudierte. Die stumme Figur übernahm wohl mimisch verschiedene Rollen, möglicherweise des Krespel, Franz und Mirakel, blieb aber irgendwie rätselhaft. Den Hoffmann bedrängten mehrere Gestalten. Und schon waren wir am Ende des Antonia-Aktes angekommen. Und Applaus.



Einen Giulietta-Akt gab es nicht wie bei der Uraufführung in der Pariser Opéra Comique 1881. Das Licht ging an, eine halbe Stunde war vergangen, und niemand wusste so recht, was nun. Doch nach einigen Minuten ging es weiter.


Da es so schön war und alles geklappt hatte, wurde der gleiche Inhalt noch einmal gegeben, aber mit neuem Personal und unter neuer Regie sowie mit neuem Bühnenbild, das von niedrigen verschiebbaren Podesten mit Treppen gebildet wurde. Immer wenn die neu zusammengestzt wurden, gab der Chor quieckende Laute von sich. Diesmal gab es einen Chor, gebildet von Männern in kurzen Hosen. Hoffmann II sang auch seinen Klein-Zaches, zu dessen Schluss er Sprudel versprühte. Nanana, sollte das eine Anspielung sein? Applaus. Dann wurde Hoffmann von einer energischen Olympia in neckischen Höschen verhauen, als sie elegant ihre Arie sang. Irgendwie bekamen wir hier auf der Bühne eine Art absurdes Theater zu sehen. Gesprochen wurde deutsch, gesungen französisch.



Und wieder sang Antonia ihr Auftrittslied, diesmal mit kräftiger Stimme. Dafür bekam sie „brava“-Rufe. Und wieder hörten wir die Liebesduette Hoffmanns und seiner Antonia, Ja, und das war´s dann schon mit dem »Hoffmann« bei Hanns Eisler. Immerhin eine Stunde Oper, bei der alles geklappt hatte und in der sofort auf professionellen Bühnen einsatzbereite Sängerinnen und Sänger zu hören waren.



Es gab eine formlose Premierenfeier, auf der vorbildlicherweise keine Reden gehalten wurden.






Antonia I und Hoffmann I

Mit der Büste soll wohl Hanns Eisler gemeint sein, der aber ziemlich anders aussah.



Regie I & II, Olympia II










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