Große Oper in einem kleinen Theater

oder

Small is Beautiful



www.kammeroper-hamburg.de



Besuchte Vorstellung 13. März 2026 (Premiere)







Regie


Marius Adam

Dirigent


Ettore Brandi

Bühne


Katrin Kegler

Kostüme


Marie-Theres Cramer

Version


Eigene Version

Sprache


Deutsch mit gesprochenen Dialogen




Hoffmann


Berus Komarschela

Muse


Feline Knabe

Stella,. Olympia, Antonia, Giulietta


Luminita Andrei

Widersacher


Titus Witt






»Hoffmann« »Hoffmann«



Fazit Kammeroper Hamburg: Es war mutig von der Kammeroper nicht lange nach der Staatsoper einen »Hoffmann« auf die Bühne zu bringen. Der Mut hat sich gelohnt, und im Alleetheater in Altona hat man den interessanteren »Hoffmann« inszeniert. Regisseur Daniele Finzi Pasca an der Staatsoper hatte nichts falsch gemacht, er hat nur die Kreativität vernachlässigt. An der Staatsoper sah man eine sich dahinziehende Aneinanderreihung von teuren Bühnenbildern, in der Kammeroper erlebte man eine pfiffige und ideenreiche Oper des Meisters von den Champs Elysées. Die reine Spielzeit betrug zwei Stunden, und fast alles war drin. Das Publikum war begeistert und applaudierte fünf Minuten lang. Musikalisch und stimmlich war alles in guter Ordnung, die Premiere klappte tadellos, alles war bestens organisiert, und man erlebte echte Oper zum Anfassen an einem Freitag dem Dreizehnten. Das Bühnenbild war kongenial die Handlung unterstützend, die Kostüme passend.bis aufwändig. Zahlreiche weitere Vorstellungen sind geplant, für die man der Kammeroper immer volles Haus wünschen möchte.

Eine qualifizierte und anschauliche Kritik findet man auf der Seite ioco.de

Kammeroper Hamburg


Die Kammeroper Hamburg im Alleetheater in Hamburg-Altona teilt sich das Gebäude mit einem Theater für Kinder und wird privat von einer Stiftung betrieben. Förderung von der Hansestadt Hamburg wird gewährt. Während das kleinere München zwei große regelmäßig bespielte Musiktheaterbühnen betreibt, gibt es im deutlich größeren Hamburg neben der großen Staatsoper das kleine Alleetheater mit knapp 200 Plätzen. Im Ensemble befanden sich zwei Haussänger und mehrere Gäste für die anderen Rollen.Vom Bahnhof Altona kommt man zu Fuß in 10 Minuten hin. Von außen überrascht der großzügige und moderne Eingangsbereich. In den Zuschauerraum kommt man über eine Art Bistro mit Bar. Und dieser Vorraum hat es in sich, wie man bald bemerken konnte. Die Premiere war schon lange ausverkauft. Gespannte Erwartung also.


Da der erste Akt der Contes in Lutters Taverne stattfindet, verlegte die Kammeroper dieses Vorspiel doch gleich in dieses Bistro, das Auerbachs Cocktailbar genannt wird, wie man in Leipzig Auerbachs Keller kennt. Das hatte ich nach 147 besuchten Inszernierungen noch nicht erlebt. Man saß und stand also um den Tresen und an Tischen und lauschte zuerst poetischen Zitaten und dann den Auftakten des kleinen Orchesters bestehend aus Klarinette, Kontrabass, Cello, Bratsche, Geige und später noch der Harfe. Und diese Auftakte kamen schön akzentuiert, wie es sich gehört. Der Vorhang zum Zuschauerraum war noch geschlossen.



Die Muse kleidete sich um zum Niklas. Die fünf männlichen Sänger bildeten den Chor von Hoffmanns Freunden und erfreuten mit lebhafter Dramatik, wofür sie gleich den wichtigen ersten Applaus erhielten. Hoffmann erfreute mit angenehmem Tenor und mimte zum Klein-Zaches, für den er verdienten Applaus erhielt. Nach diesem ersten Bild bei Lutter zogen wir um in das eigentliche Theater.



Eine riesige Pupille beherrschte die Szene. Ein affektierter Spalanzani trat auf, mit wirren weißsn Haaren. Ich musste mich bemühen, an keine Assoziation mit Einstein zu denken. Der Physiker Spalanzani hatte einen Schüler namens Hoffmann. Naja, wenn es sein muss, das Faktotum Cochenille war als Transe gestylt, d.h. im Frauenkostüm steckte ein Mann auf hochhackigen Schuhen. Olympia konnte man hinter einem Gazevorhang erahnen. Vergeblich versuchte Niklas, Hoffmann vor dem Automaten zu warnen. Für die schön gesungene Gockelarie bekam die Muse Applaus. Ein wuseliger reisender Händler Coppelius trampelte herein. Und stellte sich mit Stentorstimme vor. Applaus für „Herrliches Weib“.



Olympia glänzte weiß und silbrig mit Strahlenkranz um den Kopf und weit ausgestellten Hüften. Ich musste irgendwie an Fritz Langs Böse Marie denken. Hoffmann bekam eine rote John Lennon-Brille. Sofort war er hingerissen von der Olympia, die das Publikum mit ihrer Arie begeisterte, die sie mit viel Legato sang. Kräftiger Applaus. Die Puppe reagierte auf Hoffmanns Avancen, blickte aber immer an ihm vorbei. Mit gewaltiger Stimme kündigte der betrogene Coppelius seine Rache an. Hoffmann wurde als spontaner und begeisterungsfähiger Jüngling interpretiert. Das unvermeidliche Ende folgte, und Hoffmann wurde verlacht.


Es ging gleich weiter mit Antonia, Wieder erfreute uns ein klares und aussagekräftiges Bühnenbild. Rechts sah man einen riesigen Käfig voller Musiknoten, der mit einem Vorhängeschloss gesichert war, links eine Klaviatur, darüber eine eine stilisierte Harfe, gute Idee, denn man verstand gleich, worum es hier ging. Kompliment an die Bühnenbildnerin, die gut mitgedacht hatte Dekorieren kann jede(r). An die schlafende Mutter wurde mit einem großen weißen Gesicht erinnert, aus deren rotem Mund einst die schönen Töne flogen. Ein dramatisches Auftaktlied der Antonia erklang. Antonia und ihr Vater Krespel stritten sich über Antonias Liebe zur Musik. Dann hatte die Regie beschlossen, den tragischen Ablauf dieses Aktes mit einem witzig gemeinten Franz zu unterbrechen, der erfreulicherweise etwas gekürzt wurde. Die Methode wurde erwähnt, bezog sich jetzt aber nicht unbedingt auf seinen Gesang, da man einen Reim auf Mode benötigte. Applaus für den Franz, dessen Auftritt an eine Farce grenzte. Die Duette Hoffmann – Antonia wurden beklatscht.


Mirakel vollzog seine Pseudodiagnose auf einem leeren Stuhl. Die Konfrontation Mirakel – Krespel wurde überzeugend dargestellt und bekam Applaus. Leider gab es keine Geigenarie des Niklaus. Die wäre mir lieber gewesen als der Franz. Zum Terzett Antonia, Mirakel und Mutter stellte sich Antonia vor deren Bild, das anfing zu brennen. Die Mutter blieb unsichtbar. Der verdiente Applaus für das eindrucksvoll vorgetragene Terzett wurde leider vom Orchester abgewürgt. Franz begleitete Antonia in den Tod, und Mirakel triumphierte. Und Pause.



Nein, keine Gondeln trugen Trauer in Venedig. Das Bühnenbild zeigte die berüchtigte Seufzerbrücke am Dogenpalast. So heißt übrigens auch eine Art Oper von Jacques Offenbach, die aber praktisch nie gespielt wird. Auf Youtube ist eine Aufnahme von 1987 zu sehen. Die Barkarole wurde auf Französisch gesungen. Dapertutto erinnerte mich an einen Luden von der Reeperbahn. Der sang dann die sogenannte Spiegelarie des Andreas Bloch. Niklas zu Hoffmann: Es reicht, wir gehen. Doch Hoffmann war von Giuliettas Gesang hingerissen. Das Duell Hoffmann – Schlemihl wurde lautstark rechts vom Zuschauerraum ausgefochten. Für die Duette Hoffmann – Giulietta gab es Applaus. Giulietta gab Hoffmanns Spiegelbild an Dapertutto und bekam dafür ein glitzerndes Collier.



Giulietta trank (wie Gertrud im Hamlet) den falschen Becher und starb. Hoffmann merkte, wie er von Niklas aus dieser brenzlichen Situation gerettet wurde.


Große weiße Kerzen kündigten Trauriges an. Hoffmann war verzweifelt über den Verlust seiner dritten Liebe und drohte.seine treue Muse umzubringen. Die besang die Asche seines Herzens, doch Hoffmann soff. Er sank auf seine Knie nieder, und sein Haupt sank nach unten. Weißer Schnee rieselte auf ihn hinab, dazu die Musik zum Text On est grand par l´amour mais plus grand par les pleurs. Und Vorhang. Leider kein Happy End und keine erhebende Apotheose, nur ein Häuflein Elend. .



Es dauerte ein paar Sekunden, bis das Publikum begriff, dass die Oper auf diesem pessimistischen Ton endete, aber der Vorhang sprach eine eindeutige Sprache, und der Beifall brauste auf. Als erster Solist durfte Hoffmann auftreten, gefolgt von den anderen. Alle wurden freudig beklatscht, auch das Regieteam, und besonders der Dirigent. Doch nach fünf Minuten Applaus beendete der Regisseur und Intendant den Applaus mit seinen Danksagungen an das Ensemble, wobei er niemanden ausließ .Als er geendet hatte, wurde nochmal kurz applaudiert, doch der anfängliche Schwung war dahin.


Nach zweieinhalb Stunden Oper wurde das Publikum zu vier wohlschmeckenden Sorten Kartoffelslat eingeladen, Getränke konnte man an der Bar erwerben. Und ein fröhliches Diskutieren begann. Alle Darsteller standen hautnah bereit Fragen zu beantworten. Ein würdevoller und interessanter Ausklang einer gelungenen Premiere.





Touristische Hinweise:

Die Kammeroper liegt ca. 10 Gehminuten vom Bahnhof Altona entfernt. Es fahren auch Busse von dort zum Theater. Eine Freundin hatte mich auf ein schnuckeliges und gemütliches bezahlbares Hotel in der Nähe hingewiesen, das Hotel Stephan in der Schmarjestraße 31. Von dort sind es fünf Minuten zu Fuß zu S-Bahnen etc. am Bahnhof Altona.



Freude über die gelungene Premiere


v.l. Muse, Hoffmann, Stella (Olympia, Antonia und Giulietta)




























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