Ilztalbahn im Doppelpack      

Teil 2: Mit Bahn und Bus zum Dreisessel

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[Erster Teil des Doppelpacks]
Fahrscheinerwerb
Auf Umwegen nach Passau
Hinauf nach Röhrnbach
Dreisessel und Dreiländereck
Noch einmal Nové Údolí
Sitzweil
Passauer Rundgang
[Seitenende]

 

Nachdem ich Ende Juli bereits einmal mit der Ilztalbahn gefahren war, entstand die Idee, Ende August noch einmal dorthin zurückzukehren, und dann auch im Bereich der Strecke zu übernachten. Die Terminwahl war davon geprägt, dass der Donau-Isar-Express im August längere Zeit unterbrochen war, und dass eine Buslinie zum Dreisesselberg nur an den Wochenenden in Juli und August verkehrte.

Der von den Tschechischen Bahnen beauftragte, quasi exterritoriale Bus zwischen Nové Údolí und dem Parkplatz unterhalb des Dreisesselhauses war ein Anreiz für diese zweite Tour zur Ilztalbahn. Ein anderer war, dass ich im Juli quer durch das österreichische Innviertel von Simbach bis Neumarkt-Kallham gefahren war, und nun die Idee hatte, die andere Achse des dortigen Bahnstrecken-Kreuzes von Attnang-Puchheim nach Schärding zu bereisen.


Karte

Die Karte zeigt in Orange die Ilztalbahn, in Rot weitere genutzte Bahnstrecken, und in Magenta Buslinien. Mehr Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.

Foto 199*133

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Fahrscheinerwerb
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Eine Fahrkarte vom Raum München via Attnang-Puchheim und Schärding nach Passau gibt es (online) zwar nicht bei der Deutschen Bahn (DB) aber bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Dort wiederum bot sich das Angebot "Sparschiene Deutschland" an, mittels dessen ich den Fahrschein zu 19 Euro erwerben konnte. Um bei einem Anschlussverlust im Münchner Hauptbahnhof aufpreisfrei den folgenden Zug nehmen zu können, sollte – trotz vorhandenem Verbundfahrschein – die Fahrkarte ab einer Station der S-Bahn-Linie S1 gebucht werden. Wegen höherer Preise bei einem Start außerhalb der Stadtgrenze und da ein Regionalzug in ähnlicher Zeitlage die Buchung ab Feldmoching erschwerte, erstand ich einen Fahrschein ab München-Fasanerie.

Da ich mich nun schon auf ein Ticket mit Zugbindung eingelassen hatte, buchte ich für die Rückfahrt einen Sparpreis der DB mit ICE-Nutzung von Passau nach Plattling und von dort weiter mit dem Donau-Isar-Express. Im Gegensatz zum ÖBB-Fahrschein kam hier meine Bahncard 25 zur Geltung, so dass der Preis nur 14,25 Euro betrug.


Auf Umwegen nach Passau
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Unterschleißheim        |        |  09:32 | S      1
München Hbf (tief)      |  09:57 |        |  
München Hbf             |        |  10:18 | EC   217
Salzburg Hbf            |  11:59 |  12:12 | IC   645
Attnang-Puchheim        |  12:58 |  13:19 | R   3475
Schärding               |  14:41 |  14:59 | REX 1780
Passau Hbf              |  15:14 |        |   
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Streckenlänge: ca. 324 km

Pünktlich und insbesondere ohne Anschlussverluste startet meine Fahrt am letzten Freitag im August. Im Eurocity nach Salzburg sitze ich in einem Abteil, da die Großraumbereiche schon gut besetzt sind, und genieße die Fahrt durch den Chiemgau. In Salzburg steige ich in einen nur mäßig besetzten Intercity um, der kurz nach dem schnelleren Railjet den Bahnhof verlässt.

Und weil der Intercity im Gegensatz zum Railjet auch in Attnang-Puchheim hält, habe ich Gelegenheit, mir den dortigen, 2014 komplett runderneuerten Bahnhof anzuschauen. Alles ist recht modern und minimalistisch; der Ausgang zur Umgehungsstraße wirkt repräsentativer als derjenige zum Ort und zu den Bushaltestellen.

Mit einem bereits aus dem Juli bekannten Dieseltriebwagen der ÖBB-Baureihe 5047 geht die Fahrt weiter nach Schärding. Dieses Mal wird das Innviertel von Nord nach Süd durchquert und in Ried kreuze ich meine Fahrtroute vom Vormonat.

Der Bahnhof Schärding ist noch nicht so weit wie Attnang-Puchheim, sondern befindet sich im Baustellenzustand. Ein kleines Eingangsgebäude zum neuen Bahnsteigtunnel soll wohl künftig das alte Bahnhofsgebäude ersetzen. Die nächste Etappe nach Passau lege ich, wie bereits im Juli, in einem ÖBB-City-Shuttle zurück.


Hinauf nach Röhrnbach
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Die längere Pause in Passau nutze ich, um etwas Proviant einzukaufen. Dann suche ich mir die passende Bushaltestelle, wo etwas später der Bus der DB-Tochter Regionalbus Ostbayern (RBO) pünktlich abfährt. Mit meiner Bahncard 25 zahle ich für die Fahrt nach Röhrnbach 3,80 Euro.

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Hauptbahnhof, Passau    |        |  16:20 | Bus 6110
Röhrnbach Bahnhof       |  17:10 |        |     
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Streckenlänge: ca. 33 km

Die Bushaltestelle "Bahnhof Röhrnbach" befindet sich ein ganzes Stück hinter dem Bahnhof. Entscheidend ist aber, dass Bahnhof und Haltestelle im Tal liegen, und man in Richtung Ortsmitte erst einmal den Berg hinauf muss. Die Situation erinnert etwas an Waldkirchen, allerdings ist die Entfernung zwischen Bahnhof und Marktplatz geringer.

Im Vergleich zu zwei anderen Röhrnbacher Hotels wirkt der Gasthof Eibl von außen etwas unscheinbar. Zum Glück kommt es aber bei Gasthöfen auf das Innere an, und angesichts des guten Wetters auch auf den hinter dem Haus gelegenen Biergarten.

Kurz nach meiner Ankunft trete ich den ersten Rundgang durch den Ort an. Unter anderem stelle ich fest, da ich mich auch hier noch gut mit Proviant versorgen hätte können: Bäckerei und Supermarkt im Ortskern (was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist) und mit brauchbaren Öffnungszeiten.

Besonderes Fundstück meines Rundgangs ist ein Aushangfahrplan an der Bushaltestelle Marktplatz, der wohl kaum noch Gültigkeit haben dürfte (neben einem aktuellen Fahrplan für den RBO-Busse).


Dreisessel und Dreiländereck
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Röhrnbach               |        |   8:12 | ITB84160
Waldkirchen(Niederbay.) |   8:28 |        |         
Waldkirchen (Niederbaye |        |   8:28 | Bus 6177
Grenze, Haidmühle       |   9:00 |        |         
Nové Údolí              |        |   9:05 | Bus ČD
Dreisessel/Třístoličník |   9:30 |        | 
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Streckenlänge Bahn: ca. 8 km
Streckenlänge Bus: ca. 42 km
Die Haltestelle direkt am tschechischen Grenzbahnhof 
Nové Údolí wird im RBO-Fahrplan und in der Auskunft 
der Deutschen Bahn mit "Haidmühle Grenze" bezeichnet.

Weil die Temperaturen etwas höher sind, als ich für Ende August erwartet hatte, habe ich etwas umdisponiert und starte am Samstag in Röhrnbach mit dem ersten Zug. Und da ein frühes Frühstück im Gasthof Eibl kein Problem ist, steht dieser kleinen Umplanung nichts im Wege. Im Zug kaufe ich ein Bayerwald-(Tages-)Ticket. Dies ist wegen der Anerkennung aller bei der Ilztalbahn verkauften Fahrscheine im ČD-Bus zum Dreisessel die günstigste Fahrscheinart.

Bild Fahrkarte

Foto 199*133

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Nach kurzer Fahrt ist Waldkirchen erreicht. Ich steige in den Bus nach Nové Údolí um. Mit mir unterwegs ist noch eine kleine Reisegruppe mit Ziel Český Krumlov (Krummau). Über die Höhen des südöstlichen Bayerwalds – man überquert die Wasserscheide zwischen Donau und Elbe – geht es entlang der ehemaligen Bahnstrecke weiter Richtung Haidmühle und Nové Údolí. Da wir recht pünktlich sind, fahre ich bis zum tschechischen Grenzbahnhof mit; ein Umstieg auf der deutschen Seite in Haidmühle wäre aber auch möglich gewesen.

Der Bus zum Dreisessel ist dann etwas besser besetzt: über 40 Fahrgäste aus Tschechien und drei weitere Einsteiger in Haidmühle. Ein Stück geht es den Weg zurück, den ich mit dem anderen Bus gekommen bin, dann biegen wir ab auf die Bergstraße zum Dreisessel. Nach einigen Kurven ist die Endhaltestelle am Dreisessel-Parkplatz erreicht – zehn Minuten vor der Fahrplanzeit. Die Bushaltestelle ist am unteren Ende des Parkplatzes, so dass viele Autofahrer einen etwas kürzeren Weg haben, allerdings Parkgebühren zahlen müssen.

Meine Wanderung führt mich zunächst ein Stück hinauf über den asphaltierten Weg Richtung Dreisesselhaus. Dann geht es aber rechts ab auf den Adalbert-Stifter-Steig. Der Wald weicht Überresten von durch Borkenkäferbefall abgestorbenen Bäumen. Nach einer Weile erreiche ich das "Steinerne Meer" – Halden von Felsblöcken (Blockhalden), deren Querung wohl die anspruchsvollste Etappe der Wanderung ist.

Kurz nach der letzten Blockhalde kommt eine Verzweigung, an der ich mich nach links, hinauf zum Dreiländereck wende. Oben gibt es einen kleinen Rastplatz mit Tafeln, die die historische Bedeutung des Ortes erläutern. 1993 hat man einen neuen Eckstein aufgestellt, der auf drei Seiten die entsprechenden Staatswappen zeigt. Rund herum hat jedes Land seine eigenen "Landesgrenze"-Schilder aufgestellt, aber es gibt auch noch einen Grenzstein von 1844.

Da ich nicht zu sehr in den heißen Nachmittag hinein wandern möchte, spare ich mir einen Abstecher in Richtung Adalbert-Stifter-Denkmal und Plöckensteiner See. Stattdessen laufe ich entlang der Grenze D/CZ zurück zum Dreisessel. Obwohl höher gelegen, ist der Weg deutlich einfacher zu begehen als der Adalbert-Stifter-Steig. Unterwegs kommt man an einigen für die Dreisessel-Region typischen Felsformationen vorbei. Eine davon bildet mit dem Gipfel des Bayerischen Plöckensteins den höchsten Punkt der Wanderung.

Kurz vor dem Dreisesselhaus treffe ich wieder auf den asphaltierten Weg, den es nun steil hinauf geht. Das Gasthaus ignoriere ich zunächst und laufe vorbei Richtung Hochstein. Auch hier gibt es wieder die schon bekannten bizarren Felsformationen, außerdem eine Kapelle zum Andenken an einen Bischof. Zurück am Dreisesselhaus wird es jetzt aber Zeit für die Brotzeit. Danach klettere ich noch auf ein paar Felsen herum, dann geht es bergab zum Parkplatz. Pünktlich um 14.25 Uhr ist Busabfahrt.

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Noch einmal Nové Údolí
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Dreisessel/Třístoličník |        |  14:25 | Bus ČD   
Nové Údolí              |  14:50 |        |
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Streckenlänge: ca. 13 km

Wie schon am Morgen ist die Fahrt zehn Minuten kürzer als angeben. In Nové Údolí leiste ich mir beim Ausschank des rührigen Museums- und Bahnvereins ein kleines aber gutes tschechisches Bier (0,3 Liter für 83 Cent = 20 Tschechische Kronen). Danach entstehen ein paar Fotos eines lokbespannten tschechischen Zuges – hier muss zum Umspannen der Lok in die andere Richtung noch richtig rangiert werden. Mein Weg führt mich auf die andere Seite der Bahnstrecke, wo ich probiere, meine Füße in die Kalte Moldau zu halten. Als Ergebnis dieses Versuchs weiß ich nun auch, woher dieser Quellfluss der Moldau seinen Namen hat.

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Grenze, Haidmühle       |        |  15:23 | Bus 6177
Waldkirchen (Niederbaye |  15:55 |        |         
Waldkirchen(Niederbay.) |        |  16:00 | ITB84173
Röhrnbach               |  16:11 |        |          
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Streckenlänge Bus: ca. 29 km
Streckenlänge Bahn: ca. 8 km

Der Rest des Rückwegs ist bekannt: Bus nach Waldkirchen, Umstieg in die Ilztalbahn nach Röhrnbach. Obwohl ich unterwegs einiges getrunken habe, ist nach Ankunft im Gasthof Eibl zunächst noch ein Wasser im Biergarten fällig. Erst danach geht es zum Duschen und Ausruhen auf mein Zimmer.

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Sitzweil
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Bereits am Vorabend waren mir Plakate aufgefallen, die für Sonntag einen Flohmarkt und für Samstagabend eine "Sitzweil" auf dem Röhrnbacher Marktplatz ankündigten. Das Wort Sitzweil sagte mir nichts, aber es war bereits eine Bühne für den Auftritt einer Newcomer-Band aufgebaut. Wie ich dem Internet entnehmen konnte, ist eine Sitzweil eine Art Zusammenkunft zum Miteinanderreden. Wie auch immer – ich ließ die Dinge auf mich zukommen.

Am Samstagabend ist der Marktplatz dann voller Biergartengarnituren, und rundherum gibt es Stände mit Essen und Trinken. Leute sind auch schon eine Menge da und kurz nach 18 Uhr beginnt die Band zu spielen. Trotz des Speiseangebots entschließe ich mich aber zum Abendessen im Biergarten des Gasthofes. Hier ist die Musik nur gedämpft, man hockt weniger eng zusammen und die Auswahl von der Speisekarte ist etwas größer.

Nach gutem Essen, Weißbier und einem Eis als Nachspeise, fühle ich mich dann für die Sitzweil, die Musik und am Ende noch für ein Glas Wein gerüstet. Ein schöner Ausklang eines schönen Tages.


Passauer Rundgang
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Röhrnbach               |        |  09:51 | ITB84161
Passau Hbf              |  10:43 |        |         
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Streckenlänge: ca. 30 km

Nach einem kräftigen Frühstück mache ich mich am Sonntag auf den Weg zur Ilztalbahn. Der Zug kommt pünktlich; beim Personal erwerbe ich eine Fahrkarte nach Passau.

Bild Fahrkarte

Foto 133*199

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Die Fahrt geht durch das wunderschöne Ilztal, über einige Höhen vor Passau und zum Schluss über die Donau. In Passau kommt mein Koffer in ein Schließfach. Über die Hälfte der wenigen Fächer zu zwei Euro sind defekt oder ein Mehrfaches der vorgesehenen 24 Stunden in Gebrauch. Die anderen sind schlicht belegt. So bleibt nur eines der vielen Vier-Euro-Fächer – Monopolisten wissen, wie man Geld verdient.

Vom Koffer befreit trete ich einen Rundgang durch Passau an: zuerst Richtung Inn, dann zur Mündungsspitze zwischen Inn und Donau, zurück via Donauufer, Rathaus und Dom. Im angenehm kühlen Café Anton nehme ich einen kleinen Imbiss zu mir. An der Paulskirche vorbei erreiche ich dann wieder den Hauptbahnhof.

Am Bahnsteig steht bereits der erste Teil meines ICE. Da es im Zug kühler ist als draußen, steige ich auch bald ein. Wir warten noch auf den zweiten Zugteil aus Wien, dann fahren wir leicht verspätet los und kommen ebenso in Plattling an. Eiliges Umsteigen in den Donau-Isar-Express, dessen Klimaanlage im Gegensatz zur vorherigen Reise gut funktioniert. Ohne Verspätung erreiche ich Freising und Unterschleißheim, womit auch diese insgesamt sehr schöne Rundfahrt ihr Ende findet.

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Passau Hbf              |        |  13:24 | ICE   26
Plattling               |  13:56 |  14:02 | RE  4073
Freising                |  15:09 |  15:14 | S      1
Unterschleißheim        |  15:32 |        |         
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Streckenlänge: ca. 170 km
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Zum ersten Teil des Doppelpacks


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Zuletzt geändert am 3.10.2015 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt