Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post September 2025.
Bearbeitungsstand: 17.8.2025

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S-Bahn Geretsried zwischen DB-Planung und Verkehrspolitik
Wie Bahnausbau nicht funktioniert

Seit vielen Jahren wird eine S‑Bahn-Ver­länge­rung von Wolfrats­hausen nach Geretsried geplant. Aus Sicht des Fahrgast­verbands PRO BAHN war schon lange klar, dass Geretsried S‑Bahn-Anschluss bekommen muss. Bereits in den 1990er Jahren legte PRO‑BAHN ein erstes Konzept dafür vor.

Ein kleiner Abriss der Entwicklung seitdem:

  • PRO BAHN unterbreitet Anfang der 1990er Jahre Vorschläge für eine S‑Bahn-Ver­länge­rung.

  • Im Juli 1992 beauftragt der Freistaat die Durch­führung einer Machbar­keits­studie.

  • Anfang der 2000er Jahren wird ein Raum­ordnungs­verfahren für die Strecke durch­geführt.

  • 2004 beschließt der Gerets­rieder Stadtrat auf Initiative der damaligen Bürger­meisterin Irmer die bis heute geplante Trassen­führung.

  • 2005 berichtet Frau Irmer auf der Mitglieder­versammlung von PRO BAHN Oberbayern (siehe PBP 12/2005).

  • Der damalige Minister­präsident Stoiber, wohnhaft in Wolfrats­hausen, meint 2006: "S‑Bahn rollt ab 2010 bis Gerets­ried".

  • Die DB legt 2008 eine Entwurfs­planung vor, 2009 eine Kosten­schätzung.

  • Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung erbringt kein positives Ergebnis. Insbesondere die in Wolfrats­hausen geforderte Tunnel­lösung wird schlecht bewertet (siehe PBP 2/2009).

  • Die Wolfrats­hauser Forderungen führen zum Streit und zu weiteren Ver­zö­ge­rungen (siehe PBP 4/2010).

  • 2011 verleiht PRO BAHN Frau Irmer einen Fahrgast­preis für ihr Engagement für den Bahn­anschluss (siehe PBP 4/2011).

  • 2011 wird die erste Plan­fest­stellung eingeleitet, 2013 werden die Pläne ausgelegt.

  • 2012 prognostiziert die DB die Fertig­stellung für 2018.

  • 2015 wird unter Verkehrs­minister Herrmann eine Plan­ände­rung zugunsten der Wolfrats­hauser Tunnel­lösung durchgesetzt. Das führt dazu, dass sich die Prognose für den Baubeginn um mehrere Jahre auf 2024 verschiebt.

  • 2017 rechnet die DB damit, die Strecke 2027 oder 2028 fertig­zustellen.

  • 2019 reicht die DB die geänderte Planung beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ein.

  • 2023 meint Verkehrs­minister Bernreiter, die Plan­fest­stellung erfolge 2024.

  • Die PRO BAHN Post 10/2023 schreibt zur S‑Bahn-Ver­länge­rung "Niemand weiß, ob und wann sie kommt" – ein absoluter Tiefpunkt bayerischer Verkehrs­politik.

  • Mitte 2024 heißt es "Kein Zeitplan in Sicht".

  • Oktober 2024: Die zum dritten Mal geänderten Plan­unter­lagen werden von der DB erneut beim EBA eingereicht. Weitere Änderungen nicht ausgeschlossen.

  • Zur Finanzierung (das 2,5-fache der ursprüng­lichen Kalkulation) liegen Beteili­gungs­zusagen des Landkreises und der Städte vor (auf Basis der Kosten­schätzung 2024), aber der Baubeginn bleibt völlig im Unklaren.

  • In einem Artikel zum Bahnausbau Region München (PBP 2/2025) wird Geretsried als Beispiel dafür genannt, dass es in Bayern an der Umsetzung, nicht an Ideen mangelt.

  • Die Lokal­ausgabe des Münchner Merkurs fragt im Juli "S‑Bahn soll bis Geretsried fahren – nur wann?". Ernüchterndes Fazit des Artikels: "Die Kosten haben sich deutlich erhöht. Der Prozess läuft schleppend."

Genau­genommen ist das Projekt das bayerische Muster­beispiel für einen schleppenden Prozess. Die DB hat sich im Planungs­verlauf bezüglich Dauer und Kosten­schätzung sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Ein absolut vernich­tendes Urteil muss man aber dem Einfluss der bayerischen Verkehrs­politik auf das Projekt einer S‑Bahn-Ver­länge­rung nach Geretsried ausstellen.

Edmund Lauterbach

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