Ein »Hoffmann« wie er sein soll

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http://www.szinhaz.szeged.hu/sznsz/

Besuchte Vorstellung 11. April (Premiere)





Die Abendbesetzung

Regie


Juronics Tamás

Dirigent


Pál Tamás

Chorleitung



Bühnenbild


Molnár Zsuzsa

Kostüme


Bianca Imelda Jeremias

Version


Erweiterte Guiraud-Choudens

Sprache


Ungarisch







Hoffmann


László Boldizsár

Muse


Kálnay Zsófia

Olympia


Szemere Zita

Antonia


Kónya Krisztina

Giulietta


Vajda Júlia

Widersacher


Kelemen Zoltán

Antonias Mutter


Szonda Éva



Hinweis: Im Ungarischen wie auch im Bairischen wird der Familien-name zuerst genannt.









Erzsebet







Fazit Szeged: Ein »Hoffmann«, an dem es nichts auszusetzen gab. Eine Freude und ein Genuss, ihn zu erleben. Alles passte: ein ausgezeichnetes Orchester, richtige Auswahl der Nummern, gekonnte Regie ohne werksfremde Bizarrierien, bis in die kleinsten Rollen hinein hervorragender Gesang, auch vom Chor, ein klares und wirkungsvolles Bühnenbild, das mit wenigen einfachen symbolträchtigen Mitteln auskam, passende Kostüme, und alles in einem prächtigen Theater. Und, was mir ganz wichtig ist: Hoffmanns Erlebnisse wurden richtig interpretiert, und am Schluss wurde Hoffmann von der Muse gerettet. Große und kleine Rollen ausgezeichnet besetzt und begleitet von einem hervorragenden Orchester, das unglaublich sauber spielte. Ich konnte nur mehr staunen. Da fahre ich an das Ende der europäischen Union und finde mich in einer großartigen Inszenierung wieder, hinter der sich mehrere Opernhäuser in europäischen Metropolen verstecken müssten. Ich kann nur sagen: I love Old Europe. Und dazu gehört natürlich Ungarn.


Ich muss ja zugeben, dass ich Szeged auf der Landkarte erst suchen musste. Es liegt in Südungarn nahe am Dreiländereck Ungarn, Serbien und Rumänien, ungefähr auf halbem Wege zwischen Budapest und Belgrad und nicht weit vom rumänischen Timisoara, bei uns auch bekannt als Temeschwar. Und hier gleich eine Bemerkung: Bestellt man in Szeged ein Szegediner Gulasch, so bekommt man eine zwar dünne, aber wohlschmeckende Gulaschsuppe. Will man ein Gulasch nach unseren Begriffen, so muss man ein Pörkölt bestellen. Szeged liegt nämlich im Hauptanbaugebiet für Paprika, und so heißt auch der Intercity-Zug, der einen von Budapest in gut zwei Stunden hinbringt. Nach Budapest kommt man günstig mit einem Europa-Spezial der Bahn. Eine Fahrt von München dauert knapp acht Stunden. Man kann auch nach Budapest-Ferihegy fliegen. Dieser Flughafen liegt günstig an der Bahnstrecke Budapest – Szeged, und man ist in zwei Stunden dort. ICs fahren jede Stunde.


Szeged ist eine großzügig angelegte Stadt mit 170.000 Einwohnern ohne alten Stadtkern. Das hat einen tragischen Grund. 1879 verwüstete der Fluss Theiss (Tisza) die Stadt bei einem verheerenden Hochwasser fast völlig. An gleicher Stelle wurde eine neue Stadt errichtet. Und man wünscht sich, dass die Stadtplaner von damals noch lebten, wenn man manchmal sieht, was heute auf diesem Gebiet so verbrochen wird. Der vorherrschende Stil in Szeged ist fin de siècle, und auch einige schöne Jugendstilpaläste kann man sehen. Dazwischen lockern Grünanlagen das Stadtbild auf, und viele Denkmale und Statuen schmücken die Stadt, darunter auch eines der unglücklich verheirateten Kaiserin Erszebet, wie sie in Ungarn genannt wird. Sie glänzt in jungfräulichem Weiß und blickt auf das Nationaltheater, in dem sie sich sicher wohler gefühlt hätte als bei den Soldaten ihres militärverliebten Mannes Ferencz-Josef. Die bayerische Prinzessin Elisabeth, unglücklich verheiratet mit dem Herrscher der moribunden Doppelmonarchie, erfreut sich auch heute noch erstaunlicher Beliebtheit. Auch am Bahnhof der ehemals österreichischen Stadt Triest steht heute noch ein Denkmal zu ihren Ehren.


Die Theaterleitung hatte die »Hoffmann«-Premiere absichtlich auf den 11. April gelegt, denn an diesem Tag wird in Ungarn der Tag der Poesie begangen. So wollte man E.T.A. Hoffmann ehren. Der Intendant Gyüdi Sandór ist gleichzeitig Chefdirigent der Symphoniker von Szeged und dirigiert auch einige der »Hoffmann«-Aufführungen. Der ungarische Name dieser Oper bedeutet Hoffmanns Märchen. Ich ließ mir von einer gebildeten Ungarin erklären, dass diese Übersetzung zwar nicht wörtlich korrekt ist, aber das ungarische Wort für Erzählungen ist ziemlich lange und wurde daher durch meséi = Märchen ersetzt. Naja, im Norwegischen und Schwedischen heißt diese Oper auch etwas abweichend Hoffmanns Abenteuer.


Das Theater steht am Ufer der Theiss und ist in klassizistischem Stil gebaut. Das Innere ist prächtig gestaltet und versetzt einen zurück in den Glanz der Habsburger k.u.k.-Zeit. Es hat vier Ränge und eine traditionelle Königsloge im Rang über dem Hochparterre. Im Orchester zählte ich drei Kontrabässe und vier Celli. Die Herren spielten im schwarzen Frack. Das Theater war voll mit den paar wenigen üblichen leeren Plätzen der no-shows, wie man in der Luftfahrtbranche die trotz Buchung nicht erscheinenden Fluggäste nennt. Im Publikum sah ich eine Reihe junger Leute. Den jüngsten Besucher schätzte ich auf zehn Jahre. Vor dem Vorhang lagen eine Menge zerknüllter Zettel und ein paar leere Flaschen.


Hoffmann kam deprimiert dahergetorkelt, und sein Widersacher reichte ihm zynisch blickend nochmal eine Flasche. Und dann kam endlich wieder mal ein Auftakt, der die Bezeichnung maestoso verdiente. Sowas freut einen doch gleich nach den durchgehetzten Auftaktakkorden in den letzten drei Inszenierungen. Das Orchester spielte lebhaft, präzise und gut nuanciert.


Dann legte sich Hoffmann verzweifelt in die zerknüllten Manuskripte auf dem Boden. Mit schöner und feuriger Stimme stellte sich die Muse vor und versuchte den Hoffmann zu trösten. Naja, irgendwie schien sie auch des Trostes zu bedürfen, denn auch sie nahm einen Schluck aus der Flasche. Kein Wunder bei diesem schwierigen Schutzbefohlenen. Mühsam erwachte Hoffmann. Dann ein erneuter Schicksalsschlag, als ein beeindruckend böser Lindorf Stellas Brief abfing. Dann stellte auch er sich mit beeindruckend wohlklingender sonorer Stimme vor. Und schon gab es den wichtigen ersten Applaus.


Hoffmanns Freunde begrüßten sich herzlich in Lutters Taverne. Für die choreografisch und gesanglich gelungene Vorstellung gab es gleich den zweiten Applaus. Die eleganten Kostüme entsprachen dem 19. Jahrhundert. Hoffmann stellte sich mit einem beeindruckend wohlklingenden und strahlend lyrischen Tenor vor. Dazu mimte er lebhaft.


Dann hob er zu einem lebhaft mimisch begleiteten Klein-Zach an, bei dem ihn mehrere seiner Freunde histrionisch unterstützten. Als er zur Stella überging, umarmte er den darob konsternierten Niklaus (ungarisch Miklós). Dass in Szeged ungarisch gesungen wurde, war kein Problem für mich, denn ich sah an diesem Abend die 71. Inszenierung in den letzten sieben Jahren. Wenn ich eine entsprechende Singstimme hätte, könnte ich spontan in jede Rolle einspringen. Für diesen perfekt interpretierten Klein-Zach gab es natürlich den verdienten Applaus.



Beste Schauspielkunst der 20 Männer auf der Bühne bei den Trinkliedern, sowie imposanter Gesang und dynamische Orchesterbegleitung. Das in warmen Farben gehaltene Bühnenbild beeindruckte durch seine klaren und einfachen Strukturen. Manche Bühnenbildner müllen ja die Bühne mit Utensilien zu, was aber eher von den Akteuren ablenkt. Wie es Ingmar Bergman meisterhaft vorführte, gestalteten die Akteure durch ihre Mimik und ihr Stellungsspiel das Bühnenbild ganz wesentlich mit.


Das Vorspiel in Lutters Taverne dauerte genau 30 Minuten. Die sind ausreichend für die Exposition. Zur Umbaupause tanzten vier fantastisch-bizarr gekleidete Gestalten ein wildes Ballett, und die Olympia wurde auf einem Operationstisch hereingerollt. Hoffmann hatte sie mit einer Zeichnung angekündigt, als er sang: „Die erste war Olympia.“ Gut ausgedacht, denn E.T.A. Hoffmann war auch ein begabter Zeichner. Die vorherrschende Farbe im Olympia-Akt war Blau.



40 Stühle standen für Spalanzanis Festgäste bereit. An jedem hing ein an einer Schnur ein blauer Luftballon nach oben. Coppelius trat auf, und Miklós probierte für Hoffmann schon mal die Brillen aus. Bewundernswert die Komödiantik auf der Bühne, die aber nie bizarr oder übertrieben wirkte. Schöner Gesang des Coppelius dazu.


Dann traten Spalanzanis Festgäste auf. Für die Damen hatte sich die Kostümbildnerin etwas Besonderes einfallen lassen. Die Damen hatte sie in aufwändige Kleider mit dem sogenannten Cul de Paris oder tonure gesteckt. Diese Mode mit dem überbetonten, pardon, Hinterteil wohlsituierter Damen der Pariser Gesellschaft war über die Zeit immer mal wieder aufgetaucht, aber eben auch zur Zeit um 1880, als sich die Oper Les contes d´Hoffmann ihrer Vollendung näherte. (Diese Information verdanke ich der Modeberaterin Gisela Paul aus Neumarkt/Oberpfalz)


Olympia war auch in Blau gekleidet und wurde von den Festgästen eifrigst bewundert. Präzise und in schnellem allegro kamen die Worte Elle a des très belles yeux. An dieser schwierigen Passage waren schon viele Chöre und Orchester ins Schwimmen gekommen, oder sie hatten gleich von vorne herein das Tempo herausgenommen, wie z.B. die Münchner Staatsoper. Ja, und auch der Tenor des Spalanzani sang mit wunderschöner Stimme.


Dann hob Olympia zu einer präzisen Koloraturarie mit klaren Höhen an, begleitet von heftiger Mimik als hilfloses Dummchen an. Sie schwächelte nicht, sondern ließ sich – riskant freistehend - nach hinten fallen. Gut, dass zwei Männer im richtigen Augenblick nach vorne sprangen und sie auffingen. Das hatte man sicher oft üben müssen.


Hoffmann kam ihr heftigst nahe, und die beiden fanden in allerlei anzüglichen Posen zusammen. Spontaner Jubel und langanhaltender Applaus, der in rhythmisches Klatschen überging, belohnte Olympia für diesen gelungenen Auftritt. Danach tapste sie hilflos davon, während ihr Hoffmann schmachtend nachblickte. Eine schön gesungene Vogelarie des Miklós konnte Hoffmann nicht in die Wirklichkeit zurückholen. Die Sängerin hielt dazu tatsächlich einen beweglichen Hahn aus Kupfer in den Händen. Gute Arbeit der Requisite. Diese kleine Arie wurde von einem Ballett begleitet.


Coppelius bedrohte Spalanzani mit dem geplatzten Scheck (auch blau) und ließ ihn in einer Stichflamme aufgehen. Dann verlor Olympia ihre Robe und stand quasi nackt in einem Panzer, durchzogen mit blauen Adern, als Homuncula da, wie sie vielleicht ein Frankenstein geschaffen hätte. Diese Olympia war eindeutig auf Hoffmann programmiert. Der ist so überwältigt von ihren Avancen, dass sie hinausgeschleppt werden musste. Darauf kam Coppelius mit der zerstörten Olympia wieder herein. Das war nun gut arrangiert. Denn in allen anderen Inszenierungen kündigte Coppelius zwar seine Rache an, aber dazwischen wurde noch viel gesungen. Aber hier nun folgte die Tat fast unmittelbar nach der Ankündigung.


Applaus für diesen bravourös inszenierten Akt und Pause.


Wuchtig-dramatische Akkorde eröffneten den Antonia-Akt. Hoffmann entzündete eine LED-Lampe über einem mit schwarzem Tuch verhüllten Stuhl. Dann trat Antonia in einem langen weißen Kleid auf, Noten in der Hand. Mit schönem lyrischem und seelenvollem Gesang stellte sie sich vor. Als Reminiszenz und Mahnung an den gerade beendeten Olympia-Akt und zur Symbolisierung der Dreieinigkeit Olympia – Antonia- Giulietta senkte sich einer der blauen Ballone langsam auf einen der anderen schwarz verhüllten Stühle herab. (Nein, so war es nicht, erfuhr ich auf der Premierenfeier. Dieser Ballon aus dem Olympia-Akt hatte sich auf den Schnürboden über der Bühne selbständig gemacht und verlor nun langsam sein Helium-Gas und senkte sich herab.) Ein guter Einfall des Schicksals, denn das tat er genau zur richtigen Zeit. Und Applaus für die Antonia, doch der Dirigent ließ weiterspielen.


Links auf der Bühne lag ein Stapel Geigen. Schließlich ist Vater Krespel Geigenbauer. Wie schon vorher den Lutter sang Kiss András einen wohlklingenden Krespel. Die vielen schwarz verhüllten Stühle sollten wohl die verhinderten Auftritte der Antonia symbolisieren. Guter Effekt mit einfachen Mitteln. Ein schaupielerisch und gesanglich ausgezeichneter Ferenc von Kóbor Tamás folgte. Und Applaus.


Ja, und dann eine schöne Überraschung für mich: Plötzlich erklangen ganz unerwartet die einleitenden Takte meiner geliebten Geigenarie. Die gehört nun nicht zur Guiraud-Choudens-Version, aber man kann sie dazu erwerben. Das hatte bisher nur das Königliche Opernhaus Covent Garden getan. Sonst ist sie ja der Oeser- und der Kaye-Keck-Version vorbehalten. Und dann kam eine bewegend-seelenvolle Geigenarie in einer Qualität, wie ich sie selten gehört habe. Dafür gab es natürlich hochverdienten Applaus.


Beim zweiten Duett Hoffmann – Antonia fielen wie von Geisterhand die schwarzen Hüllen von den Stühlen. Aha. Antonias Rückkehr ins Leben kündigte sich an. Dann wieder ein schöner Einfall, der mit verhältnismäßig einfachen Mitteln realisiert wurde: Als Ferenc den Doktor Mirakel ankündigte, fingen die vielen vom Bühnenhimmel herabhängenden Lämpchen wild zu tanzen an. Und schon war er im Zimmer. Wieder ein Beispiel für die genial-einfache Wahl der Mittel: zum Terzett Mirakel – Krespel – Hoffmann wackelten die Kulissen drohend, und die Lämpchen tanzten weiterhin wild, als Mirakel den Vater Krespel mit seinen Fläschchen bedrohte. Ein grandioser Effekt.


Alle Stühle lagen wild durcheinander, als Mirakel die Mutter beschwor, die weiß geschminkt in einem ebnfalls weißen Totenkleid aus dem Untergrund auftauchte. Das folgende Terzett Antonia – Mutter – Mirakel war eines der besten, das ich je hörte. Leider konnte man nicht applaudieren, da sofort weitergespielt wurde. Mirakel entfachte ein Feuer, und der Stapel Geigen verbrannte. Dann sang sich Antonia in den Armen ihres Vaters leise zu Tode. Hoffmann eilte herbei, doch es war zu spät, und Hoffmann stürzte verzweifelt zu Boden.


Ohne weitere Pause folgte der Giulietta-Akt. Miklós tröstete Hoffmann. Die Barkarole wurde zwar mit Piccoloflöte begleitet, aber die wurde ziemlich verhalten gespielt, so dass sie nicht störte. Nach langer Zeit gab es mal wieder eine Gondel, in der Giulietta von Dapertutto hereingerudert wurde. Eine feurig-dramatische Giulietta in Rot (schulterfreies Corsagenkleid und Empire-Frisur) und Miklós sangen eine sinnliche Barkarole, aber Miklós saß dazu bei Hoffmann. Die Bühne fültle sich dazu mit rot gewandeten Frauen, ich muss präzisieren: in dekadentem Tizianrot. Nach längerer Zeit erlebte ich wieder einen Applaus für eine Barkarole. Den hatte sich sie sich mit ihrer Sinnlichkeit – Gesang und Orchester hoch verdient.


Hoffmann wurde umgarnt von Giulietta und ihren Kolleginnen. Die Männer ließen Champagnerflaschen (mit orangenen Etiketten) knallen und versprühten den Inhalt auf die Eroten. Man sah nicht nur eine feurig-erotische Giulietta, auch ein Skelett erinnerte an die Morbidität des Ambientes. Dann sang Dapertutto die traditionelle Spiegelarie. Ich kann eigentlich auf sie verzichten, aber wenn sie so schön gesungen und begleitet wird, gefällt sie mir.


Während sich Hoffmann leidenschaftlich an Giulietta heranmachte, lockte Dapertutto hinter seinem Rücken mit dem Diamanten und erinnerte Giulietta so an ihre Pflichten. Dann schob Giulietta den Hoffmann vor den goldgerahmten Spiegel und sang mit ihm ein leidenschaftliches Duett. Als Hoffmann wieder in den Spiegel blickte, sah er darin den höhnisch grinsenden Dapertutto. Das war raffiniert gemacht. Hoffmann verzweifelte über sein verlorenes Spiegelbild.


Dann folgte wieder ein akustisch gewaltiges Sextett, das Hoffmann eröffnete und in das nacheinander die anderen einstimmten. Dazu tanzten die Eroten. Nach dem elementaren Crescendo gab es spontanen Applaus, der aber wieder einmal vom Dirigenten beendet wurde.


Zur Duellszene gingen Hoffmann und Schlemihl mit Dolchen aufeinander los. Dann schlugen die beiden Streithähne auch noch mit Kissen aufeinander ein. Und irgendwann war Schlemihl nach dieser Kissenschlacht tot. Er wurde von den Eroten betrauert. Doch Hoffmann wurde über seinen Sieg nicht froh, denn er bekam Giulietta nicht. Er hüllte sich in ein schwarzes Tuch. Dann fiel der Vorhang, vor dem Hoffmann wütend seine Manuskripte zerknüllte. Dazu blickte Miklós ratlos in die Ferne.


Dann erinnerte sich Hoffmann an Stella, nachdem er erwacht war. Wie von Sinnen tanzte er zu den Trinkiledern seiner Freunde. Dazu erschien eine schöne Stella im großen Schwarzen mit roten Rosen im Arm. Vor ihr fiel Hoffmann nieder. Miklós war verzweifelt über diesen Auftritt. Doch Hoffmann stieß Stella von sich. Wild tanzend sang er vor ihr den Rest des Klein-Zach, während Stella, konsterniert über diesen Auftritt, mit Lindorf abging.


Und dann begann die Muse mit dem erhebenden Abgesang auf Hoffmann Les cendres de ton coeur. Dieser schöne Gesang weckte Hoffmann aus seinem Koma. Er ergriff ein Blatt Papier und schrieb hastig darauf. Dann küsste er die Muse. Seine Begleiter stimmten einen erhebenden Abgesang auf ihn an. Hoffmann und die Muse waren in glücklicher Symbiose miteinander vereint und diese schöne Oper aus, und zwar mit einem richtigen Schluss.


Spontaner Applaus und Jubel nach dem letzten Ton. Der Applaus ging schon nach wenigen Sekunden in rhythmisches Klatschen über, das accelerando immer schneller wurde und dann wieder von vorne anfing. Das war echte Begeisterung.


Auch die Sängerinnen und Sänger der kleineren Rollen wurden mit Bravo-Rufen bedacht, und das hatten sie auch verdient. Jubel gab es natürlich für die Sängerinnen und Sänger der Hauptrollen, und immer wieder begann das rhythmische accelerando Klatschen. Auch das Regieteam wurde bejubelt. Das ist selten. Ungefähr zehn Minuten dauerte der Applaus.


Kurzer Vergleich Pilsen und Szeged


Ich hatte nun innerhalb von sechs Tagen zwei vom Konzept her weitgehend ähnliche »Hoffmänner« gesehen. Beide basierten auf der Guiraud-Choudens-Version. An beiden Theatern wurde die Geschichte von Hoffmanns Erlebnissen librettogerecht erzählt und auf werkfremde Bizarrerien verzichtet. Beide Orchester spielten ganz ausgezeichnet. In beiden wurde in den Hauptrollen hervorragend gesungen, in Szegedin auch in den Nebenrollen. Beide Chöre waren exzellent aufgestellt. In beiden wurde Hoffmann am Schluss von der Muse gerettet, also keine dümmliche Idee von Tod, Selbstmord oder Ende im Suff. In beiden wurde gut geschauspielert. Das Bühnenbild war in beiden passend, wenn auch in Szeged einfacher und symbolträchtiger.

Warum mir Szeged einen Tick besser gefiel, war die dazugenommene Geigenarie sowie der korrekt gespielte Auftakt. Außerdem wurde in Szeged auch in den kleineren Rollen besser gesungen. Also zwei überdurchschnittliche gute Inszenierungen mit leichten Vorteilen für Szeged. Wieder einmal haben zwei Theater abseits der Metropolen gezeigt, dass man eine librettogerechte und kreative Interpretation dieser Oper eher in der sogenannten Provinz findet.




Alle Rechte an den obigen Szenenfotos liegen beim Theater Szeged und beim Fotografen...... Wir danken für die freundliche Zusammenarbeit.


Unmittelbar an die Premiere fand auf der Bühne ein kurzer Empfang statt, bei dem die Darsteller noch im Kostüm waren. Das erleichterte das Erkennen. Anschließend feierte man in der Kantine im Keller die gelungene Premiere. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass der Regisseur eigentlich Choreograf und einer der besten, wenn nicht der beste, Ungarns ist. Das erklärt die ausgefeilte Mimik, Gestik und Choreografie dieser Inszenierung.




Dirigent, Intendant und Regisseur



Muse, Regisseur und Hoffmann


Dieselben mit einem Premierenbesucher



Muse und Olympia


Premierenfeier im Theaterkeller















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