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Perfekte Musik und betörender Gesang auf dem Ehrenbreitstein über Rhein und Mosel
Besuchte Vorstellung 4. Oktober (Premiere)
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Regie |
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Anja Nicklich |
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Dirigent |
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Sejoon Park |
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Bühne |
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Antonia Mautner Markhof |
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Kostüme |
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Janina Thiel |
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Chorleitung |
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Lorenz Höß |
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Version |
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Oeser |
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Sprache |
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Französisch |
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Hoffmann |
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Tobias Haaks |
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Muse |
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Haguna Yamazaki |
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Olympia, Antonia, Giulietta. Stella |
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Hannah Beutler |
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Widersacher |
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Christoph Plessers |
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Auf Youtube findet sich ab Donnerstag nach der Premiere ein Trailer mit Szenen aus der Oper und Interviews mit Mitgliedern des Ensembles. https://www.youtube.com/watch?v=85mU5ypG6I0 : Sollte der Link nicht funktionieren, rauskopieren und in die Adresszeile des Browsers einfügen |
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Fazit Koblenz: Ein Mix aus klassischem Hoffmann kombiniert mit einigen bizarren Illustrationen im Koblenzer Theaterzelt. Wieder einmal überzeugte die sogenannte Provinz (Koblenz hat 113.000 Einwohjner), dass der deutschsprachige Raum überall musikalisches Weltniveau bietet. Die Stars dieser Inszenierung waren die Stella = Olympia/Antonia/Giulietta, die überzeugend alle drei Sopranrollen sang und der dynamische Hoffmann, die bei natürlicher Premierennervosität ausgezeichnete Leistungen boten, sowie die großartige Muse. Schöneren Gesang hätte man auch nicht vom legendären und nahe Koblenz prangenden Loreley-Felsen hören können. Auch alle anderen Gesangsrollen sowie der Chor und das kongenial begleitende Orchester überzeugten voll. Von der Interpretation her sahen wir einerseits einen klassischen Hoffmann, in den sich einige manchmal nicht ganz verständliche Verzierungen eingeschlichen hatten, andererseits einen versuchten Ausflug in die Welt der Psychiatrie. Eine überzeugende neue Deutung der Erlebnisse des Hoffmann hatte man anscheinend nicht angestrebt. Das altersgemäß gut durchmischte Publikum ging gut mit und spendete häufigen Szenenapplaus. Der Schlussapplaus dauerte acht Minuten, bis er wie immer öfter vom Vorhang abgewürgt wurde und sicher noch über zehn Minuten erreicht hätte. Der Besuch wird empfohlen wegen der ausgezeichneten musikalischen Leistung des Ensembles. Die Geschichte wird im Prinzip richtig erzählt. |
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Auf Youtube findet sich ein Video des letzten »Hoffmann« in Koblenz vor 15 Jahren, den Gabriele Wiesmüller gekonnt inszeniert hatte: Ich sah ihn mir zweimal an. www.youtube.com/watch?v=sMEyIGPwpbI Sollte der Link nicht funktionieren, rauskopieren und in die Adresszeile des Browsers einfügen |
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Koblenz ist mir ein vertrauter Ort, denn in der Spielzeit 2011/12 sah ich dort einen ausgezeichneten »Hoffmann«, auch von einer Regisseurin inszeniert. Er gefieli mir so gut, dass ich trotz der Entfernung ein zweites Mal hinfuhr. Er fand im alten Theater von 1787 statt, das im Augenblick umfassend renoviert wird. Die Bauzeit und der finanzielle Rahmen wurden wie üblich weit überzogen. Jemand nannte eine Summe von 38 Millionen. Eigentlich hätte die Premiere im hübschen alten Theater schon im neu renovierten Haus stattfinden sollen, wie auf dem Plakat ersichtlich.. Aber daraus wurde nichts, und so spielte man sie nahe der Festung Ehrenbreitstein über der Moselmündung in den Rhein. Dort hatte man ein aufwändiges Zelt mit gut 370 Plätzen aufgebaut, das mit festem gemauertem Toilettentrakt fast wie eine ortsfeste Spielstätte wirkte. Jemand meinte, es habe knapp zwei Millionen gekostet. Alles war bestens organisiert. |
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Mein Weg dorthin wurde problematisch, denn ich hatte die Auskunft erhalten, den Bus 9 oder 19 zum Ehrenbreitstein zu nehmen. Der fuhr aber nicht auf den, sondern unten an ihm vorbei. Dann gab mir jemand den Tipp, mit dem Schrägaufzug hinauf zu fahren, doch dort landete ich in einer Sackgasse am Eingang zum Festungsmuseum. Die Zeit für einen neuen Anmarsch runter und wieder rauf wurde mir als Ortsunkundigem zu knapp, Und so bot mir der Herr an der Kasse die Möglichkeit, für neun Euro Eintritt durch den Kugelsaal des Museums zu gehen, durch den ich zum Theaterzelt kommen würde. Ich bin nicht sicher, ob er mich verstand, dass ich nicht in das Festungsmuseum wollte sondern zun Theaterzelt. So bezahlte ich also eine Maut von 9 Euro, nur um auf den Weg zum Theaterzelt zu gelangen, wobei er mich durch einen Nebeneingang reinschleuste. Zeit für das Museum hatte ich natürlich keine. Also, an alle ortsfremden Besucher des Koblenzer »Hoffmann«. Nehmen Sie mutig die Seilbahn über den Rhein auf den Ehrenbreitstein. Sie geht nahe vom Deutschen Eck an der Moselmündung aus und soll bisher noch nicht abgestürzt sein. |
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Das Theater wird von der rheinland-pfälzischen und ehemals preußischen Stadt Koblenz betrieben und ist ein klassisches Dreispartentheater. Die Zusammenarbeit mit der Presseabteilung war freundlich und problemlos. Vor der Vorstellung fand eine Video-Einführung mit AV-Brillen statt, die man kostenlos buchen kann. Der Zuschauerraum bestand aus 15 geraden Reihen, die stark anstiegen. Wegen der gebremsten Akustik im Zelt sangen die Solisten mit Mikrofon und einer perfekten Stereoanlage. Man konnte glauben, dass man die Sänger unverstärkt hörte. Nur der Widersacher kam immer aus dem linken Lautsprecher, egal wo er gerade stand und sang. Das Orchester blieb unsichtbar. Das Theater war voll mit den üblichen paar freien Zahnlücken. Auf der Rückseite des Zuschauerraumes sahen die Sänger auf einem großen Bildschirm, wie ihnen der Dirigent die Einsätze gab. |
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Der Vorhang öffbete sich, und ein heftig zitternder Hoffmann lag auf dem Boden. Dieses Delirium tremens wurde zu einem Running Gag, der sich durch die ganze Oper zog. Gemeint ist wohl, dass E.T.A. Hoffmann Säufer war, was in einigen Inszernierungen thematisiert wird, Der kann er aber nicht gewesen sein, denn er war liberaler Richter am obersten preußischen Gericht, dem heute noch bestehenden Kammergericht, und in dem hätte sich kein Alkoholiker halten können. Aber bekannt für seine Gelage war er schon, und gastronomische Schulden hinterließ er auch beim Wirt Lutter. Wuchtige und gut akzentuierte Auftakte folgten. Eine Geistin des Weines oder Bieres huschte über die Bühne. Eine Glitzerstola tauchte immer mal wieder fetischartig auf. |
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Die Muse kam ganz in Weiß, offensichtlich die Lieblingsfarbe der Kostümbildnerin, und zog sich nicht zum Niklaus um. Nachthemden waren häufog auf der Bühne zu sehen. Die Muse verkündete gleich zum Anfang kategorisch: Er muss sich entscheiden zwischen Stella und mir. Lindorf kam ebenfalls in einem weißen Paletot mit weißem Zykinder, ein imponierendes Kostüm aus der Biedermeier-Zeit. Er schleifte den Briefboten hinter sich her, und die Ersteigerung des Briefes mit Schlüssel wurde anschaulich dargestellt. Den Schlüssel behielt er, den Brief warf er weg, und der bestochene Bote holte sich Stellas Schreiben wieder. |
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Hoffmann trat während fast der gesamten Oper in weißem Nachthemd mit langen Unterhosen auf. Der Chor trat in seltsamen Kostümen auf: Alle Herren trugen insektenähnliche Hörner und Geweihe auf ihren Häuptern. Als Nicht-Entomologe konnte ich nur einen Hirschkäfer identifizieren. Mit gewaltiger und angenehmer Stimme hob der höhensichere Hoffmann zum Klein-Zaches an. Als er zu Stelle überging, nahm er seine Muse in die Arme. Dazu lachte ihn der Chor aus. Und schon gab es den ersten Applaus. |
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Ein nahtloser Übergang zum Olympia-Akt bei Spalanzani folgte. Ein halber Barren, also ein Turngerät, wurde hereingebracht. Der wurde aber nicht seiner sportlichen Bestimmung zugeführt. Olympia ruhte hinter einem Vorhang. Links im Hintergrund befand sich ein Fenster, hinter dem immer mehr Olympien erschienen. Eine lebhafte Gockelarie der ausgezeichnet agiernden und singenden Muse folgte und wurde beklatscht. Coppelius kam herein und bot seine Instrumente an. Seire Schädeldecke war mit Augen beklebt. Cochenille und die Muse probierten die Zauberbrille aus. Nun folgte eine Überraschung: Coppelius sang die werksfremde Spiegelarie aus dem Giulietta-Akt mit eigenem Text. Der gesamte weibliche Chor war gekleidet wie Olympia, ganz in Weiß mit Schleifchen im Haar, |
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Olympia hob zu ihrer Arie an, die sie mit viel Legato und silberheller Stimme sang. Immer wenn sie schwächelte, wurde sie von Spalanzani mit einer Sprühflasche wieder auf Zack gebracht. Dieses Spray trat mehrfach in Aktion, auch nach der Arie noch. Dann war Hoffmann alleine auf der Bühne und schickte auch noch seine Muse weg, doch die beobachtete ihn aus einer Ecke, man weiß ja nie. Doch richtig nahe kam er der Puppe nie. Olympia wurde hinter der Bühne von Coppelius zerstört, und wütend triumphierend schleppte er den Automaten auf einer großen Plastikbahn herein, Und Hoffmann wurde wild verspottet. Applaus und Pause. |
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Antonia lebte in einem Zimmer, das überwiegend in Weiß gehalten war. Wie Olympia hatte sie rote Haare, Ein mit weißen Laken drapierter Bauernschrank zierte die Bühne. Viele Musiknotenblätter waren auf dem Boden verstreut. Dramatisch-klagend sang sie das Lied von der entflogenen Taube. Eine weiß in ein Nachthemd gekleidete weibliche Figur stand hinter dem Fenster links. Dann ein Gag: ein strenger Vater Krespel verpasste seiner Tochter einen Knebel, damit sie nicht mehr sänge. |
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Dann kam ein neuer der häufigen Gags: die Domestike Franz trat mit einem elektrischen Staubsauger als Raumpfleger auf. Der saugte sogar. Das Gerät hatte nun mit seiner Rolle als trotteliger Schwerhöriger nichts zu tun. Er sang sein Couplet, auf das auch in guten Inszenierungen häufig verzichtet wird, da es den Fortgang der tragischen Handlung dieses Aktes unterbricht. Aber in Koblenz weollte man es haben. Dann kam etwas, das ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Franz beklagt ja seine mangelnde Gesangstechnik, französisch méthode. Die hatte man in den Übertiteln als Methode übersetzt. Mon dieu. |
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Mich verwirrte eine niedrige Öffnung rechts vorne auf der Bühne, eine Art größeres Mauseloch, durch das Franz und andere Darsteller stark gebückt zu ihren Auf- und Abtritten krochen. Warum so kompliziert? Eine Erklärung dafür bekam ich nicht. Er gab keine. Einfach so ein Gag, der sich offensichtlich während der Proben eingenistet hatte. Dann kam endlich meine geliebte Geigenarie der Muse. Nebel waberten dazu. Die seelenvoll und dramatisch gesungene Arie bekam kräftigen Applaus. |
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Hoffmann und Antonia berührten sich nicht. Ihre Hände blieben eine Handbreit getrennt. Als sich Hoffmann vor Krespel verstecken musste, tat er das im weiß verhüllten Schrank. Aus dem trat dann ein dämonischer Mirakel hervor, der sogleich alle in seinen Bann brachte. Antonia warf ihren Knebel ab und schrie singend auf, damit ihr Leben verwirkend. Mirakel hatte seine homöopathischen Fläschchen mitgebracht und bewarf die anderen damit. Krespel warf Hoffmann hinaus, doch der kam wieder. |
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Die stumme Gestalt hinter dem Fenster erwies sich als Antonias Mutter. Muse und Mutter mimten Geigenspiel zum großartig gesungenen Terzett. Das Publikum applaudierte spontan und kräftig, doch das Orchester spielte einfach weiter und bügelte den berechtigten Applaus nieder. Antonia sang sich stehend k.o., und Vater Krespel ging auf Hoffmann los. Und der zitterte wieder heftig. Kurzer Applaus für diesen Akt und Vorhang. |
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Durch dann kam der Franz mit seinem Staubsauger aus dem Vorhang und vollführte minutenlang eine Art kabarettistisch gemeinter Slapsticknummer im Publikum. Er holte sich Männer heraus und saugte sie ab. Dauernd beklagte er den Verlust eines Otto oder so, der wohl eine Art Haustier sein sollte. Endlich hatte er ihn gefunden. Er scherzte auf Deutsch mit französischem Akzent herum, aber so richtig klar wurde mir nicht, was diese komisch sein sollende Einlage von deutlich mehr als fünf Minuten sollte. Aber aha, da wurde wohl hinter dem Vorhang ein großes fantastisches venezianisches Bühnenbild aufgebaut, daher diese Zeitschinderei. Einige klatschten sogar für diese lustig gemeinte Einlage. Gespannt wartete man auf den Vorhang. Aber hinter dem wurde nur ein langer weiß gedeckter Tisch sichtbar. Sonst kein aufwändiges Bühnenbild, nicht einmal eine Gondel oder ein Kandelaber. |
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Eine wieder rothaarige sexy Giulietta war traditionell weiß gekleidet. Eng saß sie neben der Muse. Zwei schöne Stimmen für die Barkarole, und der Dirigent hatte die Pikkoloflöte weggelassen. Bravo. Ein wie ein Clown geschminkter Dapertutto trat auf, als Kapitän angekündigt. Gemeint sein kann im Italienischen auch ein Hauptmann. Ein Schiffskapitän ist in Italien ein commandante, wie Francesco Schettino. Der sang dann eine der beiden Original-Arien des Jacques Offenbach, und zwar die selten zu hörende Staccato-Version: Hütet euch vor teuflischen Frauen. Wie wahr. Doch die sind der Männer Hörigkeit. Sehr erfreulich, dass original Jacques Offenbach und nicht Andreas Bloch zu hören war. Erotisch-flirtend agierte eine verführerische und auch liederliche Giulietta. Mehrere selten zu hörende Nummern aus diesem Akt erklangen, aber einen richtigen Fortgang einer Handlung konnte ich nicht erkennen. Der Akt bestand aus einer Aneinanderreihung schöner originaler Offenbach´scher Musiknummern. Eine gute Idee.. |
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Die gehörnten Männer bei Giulietta spielten mit einem großen haarigen Softball, dessen Funktion sich mir nicht erschloss. Die Muse drängte Hoffmann zu gehen, doch der wollte die Giulietta nicht verlassen. Muse: Ich hole die Pferde. Doch mit denen käme man in Venedig nicht weit. Das Abhängigkeitsverhältnis Schlemihls zu Giulietta wurde anschaulich erklärt. Liebesszenen Hoffmanns mit Giulietta wurden gezeigt, und ein GV mit Giulietta oben reitend angedeutet. Sollte er sie in Koblenz doch bekommen? Sonst verspricht sie ihm ihre Gunst, ohne ihn dann auch zu erhören. Dazu feuriger Gesang der beiden. Pitichinaccio brachte die Degen für das Duell, und Hoffmann eroberte den Schlüssel zu Giuliettas Gemach, Doch der nützte ihm wenig, denn Giulietta hatte sich schon aus dem Staub gemacht. |
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Der melancholische Hörnerchor kündigte das Finale an. Ein verzweifelter Hoffmann erkannte: Mein Leben ist zerbrochen. Stella, auch rothaarig, kam, blieb aber stumm wie in der Oeser-Fassung vorgesehen. Die kryptische Glitzerstola tauchte auch wieder fetischartig auf. Dann erschoss Hoffmann die Stella vor den Augen Lindorfs, dem er sie gerade noch anempfohlen hatte. Ein sichtlich verwirrter Hoffmann schien sogleich seine Mordtat zu bereuen. Ein großer Abgesang auf Hoffmann folgte, wiederum ein musikalischer Höhepunkt. Doch der gerade verklärte Hoffmann lag schon wieder zitternd auf dem Boden, und die Oper war aus. Naja, wenigstens war er nicht ganz tot. |
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Vorhang, und verhaltener Applaus. Anschwellender Applaus und Bravorufe für die Solisten, auch für den ausgezeichneten Chor. Jubel für die Muse und Hoffmann und natürlich für die Stella. Jemand rief Zugabe, als sie eich verbeugte. Doch sie schüttelte nach der anstrengenden Dreifachrolle amüsiert den Kopf. Die Aufstellung des Ensembles zum Schlussapplaus war gut einstudiert. Das gesamte Ensemble verbeugte sich wiederholt synchron. Auch das Regieteam wurde beklatscht. Nach acht Minuten jedoch würgte der Vorhang den Applaus ab, der nach meinem Eindruck noch gut über zehn Minuten hätte gehen können. |
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Nach der Vorstellung war das hochverehrte Publikum zur Premienfeier eingeladen, auf der der Intendant eine erträglich kurze Rede hielt und zuerst die Technik lobte, bis dann die Solisten drankamen. Ich konnte interessante Gespräche mit Opernfreunden aus der Koblenzer Gegend führen. Ein freundlicher Opernfan nahm mich Ortsfremden im Auto mit zu meinem Hotel. Danke, Herr Professor! Eine emeritierte Mezzosopranistin, die früher u.a. die Muse gesungen hatte, tauschte mit mir Ansichten über diese Inszenierung aus. Wir waren uns einig. |
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Literarisches Nachwort Auf dem Ehrenbreitstein wurde der Schriftsteller Clemens Brentano (1778 – 1842) geboren, ein Zeitgenosse von E.T.A. Hoffmann (1776 - 1822). Brentano schrieb 1801 einen Roman Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. In dem findet sich die Vorlage zu Heinrich Heines Loreley-Gedicht von 1824, das jeder kennt. Brentanos Gedicht von Lore Lay ist länger und tragisch, denn es handelt von der unerfüllten Liebe einer betrogenen schönen jungen Frau, die vom Bischof in ein Kloster gesteckt werden soll. Aus Verzweiflung stürzt sie sich vom Felsen.am Rhein. Und unerfüllte Liebe ist auch das Thema der Oper Hoffmanns Erzählungen, die auf Geschichten des Zeitgenossens E.T.A. Hoffmann beruht. Der Ehrenbreitstein ist also ein passender Spielort für diese Oper, die auch von unerfüllter Liebe handelt. Das Gedicht ist im Internet verfügbar. Einfach suchen nach: Clemens Brentano Lore Lay. Oder diesem Link folgen: www.gedichte7.de/die-lore-lay.html |
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