Deutsch-Tschechische Touren 2016

Die beiden letzten Wochenenden im August 2016 führten mich jeweils für vier Tage in deutsch-tschechische Grenzregion. Beide Male ging es freitags los und montags wieder nach Hause. Die Terminwahl war bestimmt durch Bahnstrecken, die nur an Wochenende oder nur an einzelnen Tagen befahren werden.


czech flag by google
Gemütlicher Auftakt in Röhrnbach
Mit Bahnen und Bussen in den Böhmerwald
Unterwegs in der Grenzregion (Links)
Zu Fuß am Schwemmkanal
Hoch zum Moldau-Stausee ...
... und hinab zur Großen Mühl
Durch's Mühlviertel
[Seitenende]
[Tour 1: Chemnitz·Erzgebirge·Hof·Eisenstein]

 

Ilztalbahn · Šumava · Mühlkreisbahn

Ziele der zweiten der beiden Touren waren:

  1. mit der Ilztalbahn zu fahren,
  2. etwas zu Wandern,
  3. auf tschechischer Seite mit Bahn und Bus zu fahren, wobei die Buslinien nur in der Sommersaison, teilweise nur am Wochenende verkehren,
  4. insbesondere die neue Buslinie von Černá v Pošumaví nach Aigen-Schlägl in Österreich (mit Fährüberfahrt) auszuprobieren, woraus sich dann
  5. noch eine Fahrt mit der Mühlkreisbahn ergab.
Die Ilztalbahn sowie weitere in diesem Bericht vorkommende Orte sowie Bahn- und Buslinien findet man auch in Reiseberichten aus den Vorjahren.

Da ich letztes Jahr mit dem Gasthof Eibl in Röhrnbach recht zufrieden war, mietete ich mich abermals dort ein. Die Abfahrtzeiten der Buslinie in Černá v Pošumaví führte zu einer weiteren Übernachtung in Aigen-Schlägl.


Gemütlicher Auftakt in Röhrnbach
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Die Hinfahrt beginnt mit dem Donau-Isar-Express nach Passau. Aus dem letzten Jahr schlau geworden, fahre ich von dort mit einer Buslinie, die am Röhrnbacher Marktplatz statt am Bahnhof hält und erspare mir so mit Koffer den steilen Weg zur Ortsmitte. Dafür muss ich in Passau etwas laufen, da der Bus nicht am Hauptbahnhof, sondern am Busbahnhof abfährt. Die Buslinie verkehrt größtenteils über eine andere Strecke, als der vor einem Jahr benutzte Bus nach Röhrnbach.

Ebenso wie am letzten Augustwochenende 2015 ist es wieder recht warm. Wegen der deutlich früheren Ankunftszeit habe ich aber am Freitagnachmittag Zeit, den kleinen Röhrnbacher Badesee zu besuchen. Naturgemäß bin ich dort nicht alleine, aber die ehrenamtlich betriebene Anlage ist sehr nett. Am Abend sitze ich dann im Wirtsgarten des Gasthofs Eibl und lasse den Tag ausklingen.

Foto 199*133 Foto 199*133
 
Fahrplan 26.8.2016: 
Unterschleißheim         ab 10:27      S 1
Freising                 an 10:44    
Freising                 ab 10:48      RE 4066
Passau Hbf               an 12:39      
Fußweg zum ZOB ca. 500 Meter/10 Minuten 
ZOB, Passau              ab 13:20  +5  Bus 6130
Marktplatz, Röhrnbach    an 14:03  +3         

Streckenlänge: ca. 194 km (Bahn: ca.: 168 km)

Fahrkarte: Bayern-Ticket (23 EUR)

Karte
Oberer Teil der Ilztalbahn (Orange) sowie Teilstücke der beiden Buslinien Passau – Röhrnbach (– Freyung) und Waldkirchen – Nové Údolí (Magenta). Mehr Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.

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Mit Bahnen und Bussen in den Böhmerwald
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Geplant hatte ich wieder eine Wanderung, wobei zwei Varianten zur Auswahl standen: im Gebiet Bučina/Finsterau oder im Bereich des Schwarzenbergschen Schwemmkanals. Aus fahrplan- und tariftechnischen Gründen entscheide ich mich dann erst vor Ort für Variante zwei. In beiden Fällen wollte ich tschechische Saisonbusse nutzen. Fahrplantechnisch sind Richtung Kvilda/Bučina die Anschlüsse aber recht knapp. Tariflich war ich etwas enttäuscht, dass trotz gegenteiliger Vorabauskunft der ČD das NP-Ticket (Gegenstück des deutschen Bayerwald-Tickets) nicht im Zug oder an kleineren Bahnstationen zu erwerben war. Ich hätte es eventuell im Nationalpark-Infozentrum Stožec bekommen, war aber darauf nicht vorbereitet, da ich mich auf die ČD-Auskunft verlassen hatte.

Wegen weniger Umsteigen war damit die Fahrt via Nová Pec nach Jelení Vrchy die auch tariflich einfachere Variante. Und das Wetter war so, dass die längere Wanderstrecke am Schwarzenbergschen Schwemmkanal auch passte. So geht es am Morgen mit Ilztalbahn zuerst nach Waldkirchen. Dort wartet schon der Bus nach Nové Údolí, wo man direkt wieder in einen Zug der tschechischen Bahn umsteigen kann. In Nová Pec habe ich etwas Aufenthalt, den ich nutze, um am Schalter das oben angesprochene Problem mit dem NP-Ticket abschließend zu klären.

An der Bushaltestelle stehen schon einige Leute und was dann kommt, ist nur ein Kleinbus – allerdings ausgestattet mit einem Fahrradanhänger. Bis drei Fahrräder verladen und alle Leute eingestiegen sind, ist die Abfahrtszeit nach Fahrplan schon vorbei. Alle Sitzplätze sind vergeben, aber an der nächsten Haltestelle steigen weitere Fahrgäste zu. Jetzt ist der Bus bis auf den letzten Stehplatz ausgelastet. Und so geht es den Berg nach Jelení Vrchy hoch. Jelení Vrchy ist nur eine kleine Ansiedlung mitten im Böhmerwald: ein paar Häuser, zwei Gaststätten, eine Ausstellung zum Schwarzenbergschen Schwemmkanal und ein Parkplatz. Auf letzterem hat unser Bus seine Endstation.

 Unterwegs in der Grenzregion 
Über die Webseite der Tschechischen Bahnen kann man Fahrkarten sowohl zum Normalpreis als auch einige verbilligte Fahrscheine wie "Celodenní region Jihočeský" (Tageskarte Südböhmen) als Online-Ticket erwerben. An Stationen ohne Fahrscheinschalter wie Nové Údolí erhält man Fahrkarten ohne Aufpreis im Zug. Fahrscheine für Busse gibt es beim Fahrer; im Fall des ČD-Busses nach Aigen auch an Fahrkartenschaltern. Die Ilztalbahn verkauft alle Fahrkarten inklusive Bayerwald-Ticket im Zug.
 
Fahrplan 27.8.2016: 
Röhrnbach                ab 08:12      ITB79870
Waldkirchen(Niederbay.)  an 08:26             
Bahnhof, Waldkirchen     ab 08:28      Bus 6177
Nové Údolí               an 09:00  +5
Nové Údolí               ab 09:15      Os 8106
Nová Pec                 an 09:46     
Nová Pec                 ab 10:30      Bus
Jelení Vrchy             an 10:48     

Streckenlänge: ca. 65 km (Bahn: ca. 28 km)
* Wegen eines Verkehrsunfalls fuhr der Bus 6177
  vor Haidmühle eine kleine Umleitung. 
* Die Bushaltestelle direkt am tschechischen 
  Grenzbahnhof Nové Údolí heißt in der
  DB-Auskunft "Grenze, Haidmühle".

Fahrkarten 
 in Bayern: Bayerwald-Ticket (Tageskarte 8 EUR) 
 Nové Údolí – Nová Pec: 38 CZK (ca. 1,52 EUR)
 Nová Pec – Jelení Vrchy: 24 CZK (ca. 0,96 EUR)


Zu Fuß am Schwemmkanal
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In Jelení Vrchy verläuft direkt am Parkplatz der bereits erwähnte Schwarzenbergsche Schwemmkanal vorbei. Das Wasser des Böhmerwalds fließt überwiegend zur Moldau. Um im 18. Jahrhundert eine billige Abfuhrmöglichkeit für Holz zum Donau-Nebenfluss Große Mühl zu haben, baute man diesen Kanal, der die europäische Hauptwasserscheide Elba/Donau überwindet. Es wurde zunächst Brennholz geschwemmt, dass mit Schiffen auf der Donau weiter nach Wien transportiert wurde. Später wurden Teile des Kanals auch für den Bauholztransport genutzt.

Heute sind viele Abschnitte des Schwemmkanals trocken, solange nicht aktiv Wasser aus querenden Bächen in den Kanal abgeleitet wird. Der Unterhalt der zum Teil recht flachen Kanalabschnitte (Befreiung von Bewuchs) erfordert sicherlich auch einen gewissen Personaleinsatz.

Mit Wasser gefüllt ist aber das unterirdische Kanalstück, dessen südliches Portal in Jelení Vrchy besichtigt werden kann. Ein Durchgang durch den knapp 400 Meter langen Tunnel ist nicht möglich, aber direkt über dem Tunnel verläuft ein Pfad und parallel ein Radweg. Auf dem Pfad kommt man an den Öffnungen zweier Wetterschächte des Kanaltunnels vorbei.

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Das obere Tunnelportal ist wegen einer Verlegung etwas neuer als das untere und mit Ecktürmchen und Zinnen verziert. Nachdem ich alles angeschaut habe, und auch in den zugänglichen Tunnelteilen Fotos gemacht habe, erreiche ich einen breiteren Weg. Dieser Weg folgt dem Kanal und damit ist sein Verlauf immer recht flach, auch wenn er im letzten Abschnitt etwas schmäler und steiniger wird.

Unterwegs kommt man an einigen der "Schleusen" vorbei, mit denen früher Wasser aus Bächen in den Kanal abgeleitet wurde. An dieser "Wasserkreuzungen" steht eine kleine Hütte, die sich für meine Mittagspause anbietet. Nach insgesamt etwas über elf Kilometern erreiche ich eine Wegkreuzung und kurz dahinter den Beginn des Schwemmkanals. Hier hat man seinem Konstrukteur Joseph Rosenauer ein Denkmal errichtet.

Nachdem ich auch hier einige Fotos gemacht habe, geht es nun weg vom Kanal und tendenziell abwärts. Das Ziel ist wieder der Bahnhof Nové Údolí, an dem ich am Morgen umgestiegen war. Erste Erfrischung ist kaltes Wasser über den Kopf aus dem dortigen Brunnen. Dabei bleibt es aber nicht – ich bin früh genug dran, um mich mit einem tschechischen Bier vor die Eisenbahnwagen des Vereins Pošumavská jižní dráha setze, und dann entspannt die Szenerie zu genießen.

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Der Bus nach Waldkirchen fährt verspätet los, da vergeblich auf den stark verspäteten Zug aus Budweis und Český Krumlov gewartet wird. Am anderen Ende klappt die Anschlusssicherung: der Busfahrer telefoniert nach Waldkirchen, dass es etwas knapp wird. Wegen des verpassten Zuges in Nové Údolí bin ich der einzige Fahrgast und kann durch schnelles Umsteigen sicherstellen, dass die Ilztalbahn nicht mehr als eine Minute Verspätung bekommt.

Am Abend gibt es in Röhrnbach wieder die "Sitzweil". Auch wenn im Vergleich zum letzten Jahr eher konventionelle Musik geboten wurde, kann ich auf den Reisebericht aus 2015 verweisen.

 
Fahrplan 27.8.2016: 
Nové Údolí               ab 16:48 +10  Bus 6177
Bahnhof, Waldkirchen     an 17:20  +5        
Waldkirchen(Niederbay.)  ab 17:25  +1  ITB84173
Röhrnbach                an 17:36  +1          

Streckenlänge: ca. 37 km (Bahn: ca. 8 km)

Fahrkarte: Bayerwald-Ticket (siehe oben)

Karte
Zwischen Haidmühle und Nová Pec: Die Wanderstrecke ist grün markiert (siehe auch wandermap.net), genutzte Bahnlinien rot und Buslinien magenta; in Gelb die deutsch-tschechische Grenze. Weitere Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.


Hoch zum Moldau-Stausee ...
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Am Sonntag geht es für mich im Prinzip in dieselbe Richtung wie am Samstag. Da ich aber viel Zeit habe, fahre ich zum einen später los und mache zum anderen erst einmal einen Abstecher nach Freyung. Während die Mehrzahl der Ilztalbahn-Fahrgäste dort in den Bus zum Nationalparkzentrum umsteigt, verbringe ich die Wendezeit mit dem Anfertigen einiger Fotos und fahre dann mit dem Zug zurück bis Waldkirchen.

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Ein Vorteil meiner Zeitplanung besteht darin, dass ich nach Umsteigen in den Bus gerade zur Mittagszeit in Nové Údolí bin, um mir beim dortigen Bistro-Wagen einen kleinen Imbiss zu kaufen. Nach der Pause geht es wieder mit dem Zug der ČD weiter. Mein Ziel ist ein Busanschluss in Černá v Pošumavi um 16.15 Uhr. Da der dortige Bahnhof aber etwas im Abseits liegt, mache ich eine weitere Zwischenstation in Horní Planá. Dort ist man in wenigen Minuten am Moldau-Stausee, der nach dem Ort Lipno an der Staumauer benannt ist. Und an diesem warmen Sommertag gibt es keinen besseren Ort für einen Aufenthalt – mal mit den Füßen ins Wasser, etwas Lesen, ein Eis essen und natürlich einige Fotos machen. Zu Horní Planá und dem Lipno-See möchte ich auf den Reisebericht von 2013 verweisen.

Wie von mir befürchtet haben die Züge auf der weitgehend eingleisigen Strecke Nové Údolí – Budweis am Sonntagnachmittag Verspätung. Der ČD-Mitarbeiter in Horní Planá hatte mir aber versichert, dass der Anschlussbus wartet, und so war es auch. Wieder ist es ein Kleinbus, der auf dieser Linie im Auftrag der ČD fährt. Ziel des Busses, in dem ich nun einziger Fahrgast bin, ist Aigen-Schlägl in Österreich. Als erstes fragt mich der Busfahrer, ob ich dort noch einen Zug erwischen muss. Da das nicht der Fall ist, müssen weder der Busfahrer noch ich sich Gedanken um einen weiteren knappen Anschluss machen.

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Fahrplan 28.8.2016: 
Röhrnbach                ab 10:22      ITB79880
Freyung                  an 11:02     
Freyung                  ab 11:35      ITB79881
Waldkirchen(Niederbay.)  an 11:55     
Bahnhof, Waldkirchen     ab 12:05      Bus 6177
Grenze, Haidmühle        an 12:37     
Nové Údolí               ab 13:15      Os 8110
Horní Planá              an 13:54     
Horní Planá              ab 15:54 +10  Os 8112
Černá v Pošumavi         an 16:05 +10

Streckenlänge: ca. 92 km (Bahn: ca. 63 km)

Fahrkarten 
 in Bayern: Bayerwald-Ticket (Tageskarte 8 EUR) 
 Nové Údolí – Horní Planá: 47 CZK (ca. 1,88 EUR)
 Horní Planá – Černá v P.: 15 CZK (ca. 0,60 EUR)


... und hinab zur Großen Mühl
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Zwischen Černá v Pošumavi und der österreichischen Grenze liegt der Lipno-See. Den zu überwinden braucht es eine Fähre und eine solche findet sich in Dolní Vltavice. Auf dem Weg dorthin müssen wir erst am Touristentrubel des Lipno-Ufers in Černá vorbei – enge Straßen, zu viele Autos. Dann geht es über die Hügel, die ich schon von einer Radtour 2013 kenne, ins ehemalige Untermoldau, von dem nach Aufstauen des Lipno-See nur noch ein kleiner Rest besteht.

An der Fähre haben wir eine lange Wartezeit, die dem Bus aber eine Mitnahme sichert, ohne sich in die kleine Autoschlange einreihen zu müssen – die Österreicher haben längst die Schönheit des Lipno-Sees entdeckt, wie auch die zahlreichen am südlichen Fähranleger geparkten Autos zeigen. Ein samstags und sonntags jeweils zweimal fahrender Linienbus ist da keine wirklich attraktive Alternative. Während der Busfahrer im Haus des Fährbetreibers verschwindet (Kaffeetrinken?), nutze ich Zeit und schönes Wetter für weitere Fotos.

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Die Fahrt über den Stausee ist an diesem Nachmittag wunderschön. Da der Fahrplan der Fähre (Facebook) nicht so ganz mit dem Busfahrplan synchronisiert zu sein scheint, geht es auf der anderen Seite mit deutlicher Verspätung weiter. Ich habe etwas den Verdacht, dass bei Fahrgästen mit Anschlusswunsch zur Mühlkreisbahn oder bei mehr Fahrgästen die Fähre für den Bus eine Zwischenfahrt zum normalen Stundentakt einlegt. Dass man diese ausfallen lässt, wenn es nur um einen einzigen Fahrgast geht, der es nicht eilig hat, ist durchaus verständlich.

Wie ganz in der Nähe der Schwarzenbergsche Schwemmkanal überschreite ich beim zweiten Teil der Busfahrt nicht nur die Staatsgrenze sondern auch die europäische Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Elbe und Donau. Der Fahrstil des Busfahrers entspricht nun allerdings dem Versuch, seine Verspätung wieder einzuholen. Es ist zwar nicht unwahrscheinlich, dass er in Gegenrichtung mehr Fahrgäste hat, so dass dann die Fähre wirklich eine Sonderfahrt einlegt, die vom Bus pünktlich erreicht werden muss. Dies ist aber völlig unabhängig von der Ankunft in Aigen, da die Rückfahrt erst zwei Stunden später stattfindet.

Mir wiederum macht die Ankunftsverspätung gar nichts aus. Im Gegenteil: Als kleines Entgegenkommen lässt mich der Busfahrer am Marktplatz aussteigen. Dort gibt es eine Bushaltestelle, die allerdings für diese Linie nicht vorgesehen ist. Jedenfalls bin ich dankbar, weil sich dadurch mein Fußweg deutlich verkürzt.

Aigen-Schlägl ist ein Doppelort, wobei der Ortsteil Schlägl im Kern aus dem Stift Schlägl besteht. Mein Tagesziel, der Gasthof Schiffner, liegt auf dem halben Weg zwischen dem Aigener Marktplatz und dem Stift Schlägl. Nach Bezug meines sehr schön eingerichteten Zimmers will ich aber in jedem Fall noch das Stift anschauen. Also gibt es noch eine kleine Abendrunde zur Stiftskirche und zur Großen Mühl, die vom Stift heute nicht mehr für Mühlen sondern zur Elektrizitätsgewinnung genutzt wird. Ein anderer Wirtschaftsbetrieb des Stifts ist die Brauerei. Das Bier der Stiftsbrauerei genieße ich dann aber nicht im zugehörigen Stiftskeller sondern bei einem sehr guten Abendessen im Biergasthaus Schiffner.

 
Fahrplan 28.8.2016:
Černá v Pošumavi, žst    ab 16:15  +3  Bus194/4
Dolní Vltavice       Bus an 16:31  +8
Dolní Vltavice     Fähre ab 16:40
Kyselov            Fähre an 16:50
Kyselov              Bus ab 17:00 +13 
Aigen i.Mkr. Marktplatz
Aigen–Schlägl Bahnhof    an 17:17  +8

Streckenlänge: ca. 19 km (bis Aigen Marktplatz)
* Fähre fuhr nicht um 16:40 Uhr, sondern nach 
  Fährfahrplan um 17:00 Uhr.

Fahrkarten 
 Bus: 70 CZK (ca. 2,80 EUR)
 Fähre: 35 CZK (ca. 1,40 EUR)
* Der Fahrschein für den Bus wurde im Bahnhof
  Horní Planá erworben; die Fähre ist trotz
  Mitfahrt des Busses extra zu bezahlen.

Karte
Lipno-See (auf dem Bild etwas undeutlich als langgestreckte dunkle Fläche zu erkennen) und eine Ecke des österreichischen Mühlviertels. Ein Stück der Bahnlinie Nové Údolí – Černá v Pošumavi (– Budweis) und der obere Abschnitt der Mühlkreisbahn in Rot; die Buslinie nach Aigen in Magenta. Mehr Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.


Durch's Mühlviertel
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Am Montagmorgen hat mich das bisher sehr schöne Wetter verlassen. Es regnet nicht, es schüttet. Nützt alles nichts – ich muss zum Zug und habe keine Lust, für zehn Minuten Fußweg ein Taxi zu rufen. Zum Glück ist der Weg Haltepunkt Schlägl kürzer als zum Bahnhof in Aigen und führt nicht über den Hügel des Aigener Ortskerns. Als ich zehn Minuten vor Planabfahrt die Bahnstation erreiche und mich gerade im Wartehäuschen unterstelle, hört es auf zu regnen. Trotz Schirms sind ich und mein Koffer recht nass geworden.

Der Haltepunkt liegt in einer Innenkurve, so dass die eingleisige Strecke nicht weit einsehbar ist. Aber etwa zu dem Zeitpunkt, zu dem ich meinen Zug erwarte, ertönt Motorengeräusch. Allerdings kommt das Triebwagenpaar dann aus der falschen Richtung. Der Fahrer stoppt am Bedarfshalt und kurz entschlossen steige ich ein. Am Bahnhof Aigen bestätigt sich dann, dass der Zug 40 Minuten zu spät ist, weil es technische Probleme gab. Die Wendezeit wird dann natürlich stark verkürzt und mit etwas zehn Minuten Verspätung geht es Richtung Linz. So kam ich dazu, auch noch die letzten paar hundert Meter der Mühlkreisbahn zu befahren - und das gleich hin und zurück.

Anfangs bin ich allein im Abteil und breite Schirm und Jacke zum Trocknen aus. Das Wetter verbessert sich weiterhin, auch wenn die tief hängenden Wolken in der hügeligen Landschaft schöne Fotomotive ergeben (die Fenster des Triebwagens lassen sich öffnen). Im Bahnhof Rohrbach-Berg ist das Mühlkreisbahn-Museum untergebracht, und davor steht die Lok "Aigen", die 1888 zur Erstausstattung der Bahnlinie gehörte. Etwas später erreichen wir wieder die Große Mühl, an der meine Zugfahrt nun längere Zeit entlang führt. Hier ähnelt der Charakter der Bahnstrecke den flussnahen Abschnitten der Ilztalbahn.

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Bei Neufelden verlassen wir das Tal der Mühl, um dann kurz vor Ende der Fahrt am Haltepunkt Dürnberg die Donau zu erreichen. Auf der anderen Flussseite taucht bald Linz auf, und etwas später fahren wir in den Bahnhof Linz-Urfahr ein. Hier ist Endstation, aber gegenüber halten Straßenbahn und Pöstlingsbergbahn. Und letztere kommt gerade angefahren. Die bringt mich zwar nicht zum Hauptbahnhof, aber ein Zwischenstopp am Hauptplatz kommt mir bei nun gutem Wetter gerade recht.

Meine Mittagspause verlege ich dann aber doch zum Hauptbahnhof, wo ich in der unterirdischen Straßenbahnstation ankomme. Gelegenheit, eine Brotzeit zu erwerben, gibt es im Bahnhofskomplex reichlich. Mit dieser setze ich mich in den kleinen Park vor dem Bahnhof und später setze ich mich noch in ein Café. Um 13.48 Uhr fährt pünktlich der Railjet mit Zugteil nach München ab. Und ebenso pünktlich kommen wir in München an. Allerdings ist die Ankunft auf Gleis 8 im Holzkirchner Flügelbahnhof für einen internationalen Fernzug ziemlich befremdlich und maximiert meinen Weg zur S-Bahn.

Aber ein bisschen Bewegung schadet ja nach einer Zugfahrt nicht wirklich. Die S-Bahn bringt mich nach Hause und so schließt sich der Kreis einer sehr schönen und interessanten Rundreise durch Bayerischen Wald, Böhmerwald und Mühlviertel.

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Fahrplan 29.8.2016:
Schlägl                  ab 09:02 +40   R 3178
Aigen-Schlägl            an 09:04 +40 
Aigen-Schlägl            ab 09:38 +10   R 3185
Schlägl                  ab 09:40  
Linz/Donau Urfahr        an 11:14 
Linz/Donau Urfahr Bf     ab             STR
Linz/Donau Hauptplatz    an
Linz/Donau Hauptplatz    ab             STR
Linz/Donau Hbf           an
Linz Hbf                 ab 13:48       RJ 62
München Hbf              an 16:40       Fußweg  
München Hbf (tief)       ab 17:03       S 1
Unterschleißheim         ab 17:26 

Streckenlänge: ca. 360 km (inkl. 2,8 km Straßenbahn)

Fahrkarten 
 Aigen – Linz Hbf: 11,20 EUR
 Linz Hbf – Unterschleißheim: 26,15 EUR (mit BC 25)
* Versuche, Fahrscheine vorab bei der ÖBB zu
  erwerben, habe ich wegen Unbenutzbarkeit des
  Buchungsportals aufgegeben. Da die DB keine
  durchgehenden Fahrkarten ab Stationen der
  Mühlkreisbahn verkauft, erwarb ich im Zug ein
  Ticket des OÖVV (Oberöstereichischer
  Verkehrsverbund) bis Linz Hbf.

Zum Abschluss noch die Statistik: Ich bin ungefähr 767 Kilometer mit Bahn, Bus und Fähre gefahren (davon ca. 624 Kilometer Eisenbahn) und habe dafür etwa 85,50 Euro gezahlt. Also war der Kilometerpreis etwas höher als bei der Tour, die ich ein paar Tage zuvor gemacht hatte.


Fahrplan- und Preisangaben beziehen sich auf August 2016 und sind ohne Gewähr.
Angaben zu Verspätungen können ungenau sein.

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Reiseberichte rund um die Ilztalbahn

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Zuletzt geändert am 30.3.2017 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt