An Saale und Unstrut

Wein, Wandern und Kultur


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"An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn"

Wenn man zwischen Leipzig und Jena mit dem ICE über die Saaltalbahn fährt, sieht man links und rechts oberhalb der Kalkfelsen einige nette Burgen und Schlösser. Immer, wenn ich dort entlang fuhr, kam mir der Gedanke, dass man statt immer nur vorbeizufahren dort auch einmal etwas Zeit verbringen sollte. In Naumburg läuft 2011 die Landesausstellung zum Naumburger Meister. Und da ich von Naumburg bisher auch nur den Hauptbahnhof kannte, dachte ich mir, dass man Kultur und Landschaft einmal für einen Kurzurlaub verknüpfen könnte. Ende Juli fiel daher halbwegs spontan die Entscheidung, das in Bayern verlängerte Wochenende Mitte August noch etwas zu verlängern und entsprechend zu nutzen.

Nachdem ich mir Naumburg auf der Landkarte angeschaut hatte – Hauptbahnhof am Stadtrand, die Saale macht einen ziemlichen Bogen um die Stadt – entschied ich mich, mein Quartier woanders zu suchen. Da das Saaletal mir südlich Naumburg interessanter erschien, fiel dann die Wahl auf Bad Kösen. Der Kurort gehört zwar inzwischen zu Naumburg, hat aber doch eine etwas andere Lage, und ist als letzte Bahnstation vor der thüringischen Grenze eine gute Ausgangsposition für Ausflüge mit der Bahn.

Hinfahrt mit Hindernissen

Der Anreise muss ich leider auch einen längeren Abschnitt widmen. Trotz der oben beschriebenen landschaftlichen Vorzüge habe ich eine gewisse Antipathie gegen die Saalebahn. Bei Fahrten von Berlin oder Leipzig nach München hat die Zuckelei mit oft vielen Zwischenhalten nördlich von Nürnberg bei mir einen negativen Eindruck hinterlassen (was beispielsweise so ähnlich für die Strecke Regensburg – Hof gilt).

Wie auch immer – dies und meine Tendenz, für Hin- und Rückfahrt unterschiedliche Strecken zu wählen, führte dazu, dass ich mich bei der Hinfahrt für einen Umweg über Fulda entschied. Die Fahrzeit wurde dadurch zwar länger, aber ich wäre in Erfurt direkt in die Regionalbahn nach Bad Kösen umgestiegen, so dass die Reiseroute nicht sonderlich kompliziert war. Ein weiterer Grund war auch die Verfügbarkeit von Sparpreisen für die gewählte Route in der beabsichtigten Zeitlage.

Los geht es am Samstag es erst einmal recht interessant: Wegen der Inbetriebnahme der neuen Stellwerkstechnik für Pasing fuhren wir südlich des Betriebswerks München vorbei und dann entlang des ehemaligen Rangierbahnhofs Laim auf die Strecke nach Ingolstadt. Dies hat der Fahrplan berücksichtigt, so dass der ICE bis kurz vor Würzburg pünktlich ist. Dann kommt uns allerdings eine Weichenstörung dazwischen.

Würzburg Hauptbahnhof verlassen wir mit 17 Minuten Verspätung. Da die Übergangszeit in Fulda 14 Minuten beträgt, mache ich mir nicht allzu viel Gedanken. Dass man wegen drei Minuten einen Anschluss zwischen zwei ICE-Zügen zerstört, erwarte ich nicht.

Ich sollte eines Besseren belehrt werden. Um 14.14 Uhr war planmäßige Abfahrt des ICE Richtung Erfurt, um 14.17 Uhr stehe ich auf dem Bahnsteig – vom ICE nichts zu sehen. Die Durchsage verweist ohne Erklärung und Entschuldigung auf den Anschluss eine Stunde später.

Das Personal am Servicepunkt hält den Vorfall auch für recht normal, hebt auf meinem Fahrschein die Zugbindung auf und das war's. Das heißt: das wäre es gewesen, wenn alles so läuft, wie die Transportleitung in ihrer unendlichen Kundenfreundlichkeit meint. Leider gab es im Raum Frankfurt einen Notarzteinsatz am Gleis. In Fulda macht man daraus kein großes Aufheben – man lässt die IC-Abfahrt um 15.14 Uhr einfach von der Anzeigetafel verschwinden. Erst Rückfrage beim Servicepersonal bringt die Erläuterung, dass ich mit weiteren 40 Minuten Verspätung rechnen muss.

Diese Vorhersage wird dann auch in etwa eingehalten, wobei der IC anschließend von Station zu Station etwas Verspätung abbaut. Würde ich mich auf die Auskünfte des DB-Personals verlassen, könnte ich nun in Erfurt oder Weimar mit zwei Stunden Verspätung in eine Regionalbahn steigen. Um der DB die exorbitant hohe Entschädigung von fünfzig Prozent meines Fahrpreises zu ersparen, sehe ich mich aber genötigt, mittels eines kleinen Geräts, mit dem man auch telefonieren kann, mir eine Verbindung via Naumburg heraus zu suchen. Der Zugbegleiter im IC findet das auch ganz toll und vermerkt den kleinen Umweg auf meiner Fahrkarte. Ankunft in Bad Kösen ist dann gegen 18.10 Uhr statt wie geplant um 16.48 Uhr.


Google-Maps-Karte des Reisegebiets. Eingezeichnet sind Verkehrsmittel, Wanderungen und wichtige Punkte. Mehr Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.


Erster Rundgang

Entlang des Kurparks und über die Saalebrücke erreiche ich das Café und Hotel Schoppe. Trotz der nahen Durchgangsstraße eine gute Wahl. Nicht zu weit vom Bahnhof entfernt und man muss nicht wie zu anderen Teilen von Bad Kösen irgendwo den Berg hinauf laufen. Zudem wird sich herausstellen, dass das opulente Frühstücksbuffet die ersten positiven Eindrücke von Haus und Zimmer bestätigt.

Nach dem vielen Bahnfahren brauche ich vor dem Abendessen zunächst einmal etwas Bewegung. Saalewehr und Saalepromenade sind das erste Ziel. Wegen der Topographie endet hier bald die Bebauung, und man erreicht die schon im Grünen liegende Anlegestelle der Bad Kösener Seilfähre. In der Nähe führt ein steiler Weg hoch in die oberen Teil von Bad Kösen. Oben steht man vor einem Bauwerk, dass ich schon der anderen Saaleseite gesehen habe: dem Gradierwerk. Die 320 Meter lange Anlage ist besonders eindrucksvoll, da sie hoch über dem Saaletal errichtet wurde.

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Nach dem Auf und Ab ist mein Hunger jetzt groß genug, um in die Gaststätte "Loreley" einzukehren. Man sitzt in einem Pavillon direkt an der Saale und genießt neben Speisen und Getränken den Ausblick auf die gegenüber liegenden Hänge.

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Die Dornburger Schlösser

Am nächsten Morgen geht es für Sonntag relativ früh los. Mit der Regionalbahn fahre ich saaleaufwärts ins thüringische Dornburg. Der Bahnhof liegt zwar im Tal, der Ort befindet sich aber einhundert Meter über der Saale. Und zwischen Ort und Saaletal liegen unmittelbar an der Hangkante die Dornburger Schlösser. Schon vom Bahnhof aus ergibt sich ein eindrucksvolles Bild der drei Schlossbauten.

Meine kleine Wanderung führt mich aufwärts durch ein schattiges Tal. Obwohl es noch nicht zu warm ist, sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit für erste Schweißausbrüche. Der Ort Dornburg ist am Sonntagvormittag naturgemäß sehr ruhig. Von Südosten her erreiche ich den Schlosspark. Im Renaissanceschloss befindet sich ein Schalter für Informationen sowie die Kasse für die Besichtigung der Innenräume und Ausstellungen. Kostenlos gibt es den Schlosspark und das sehenswerte Panorama des Saaletals.

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Optisch eindrucksvoll wirkt das kleine Rokokoschlösschen – sowohl aus Richtung Park als auch von der vorgelagerten Terrasse aus. Unten im Saaletal fahren wie auf der Modellbahn die ICE-Züge vorbei. Nachdem ich auch das Alte Schloss angeschaut habe, kehre ich zum Parkeingang zurück, um in der Gaststätte Schlossberg einzukehren. Da es noch vor Mittag ist, beschränke ich mich auf Getränke.

Abwärts zum Bahnhof geht es über einen schmalen Weg, der am Alten Schloss beginnt, und über viele Stufen talwärts führt. Mit der Bahn geht es dann zum zweiten Tagesziel nach Merseburg.

Merseburg

In Merseburg erwartet mich zunächst ein ziemlich großer und ziemlich leerer Bahnhof. Bei den Besichtigungen beschränke ich mich auf Schlosspark, Schloss und Dom. Zusammen mit der Dombesichtigung kann man auch den Eintritt für den "Domschatz" lösen. Dies schließt auch ein Gewölbe mit einer Ausstellung zu den Merseburger Zaubersprüchen mit ein.

Nach der Dombesichtigung gehe ich hinab zur Saalebrücke und mache am Flussufer noch ein paar Fotos. Da das Wetter inzwischen schlechter aussieht, mache ich mich auf den Rückweg zum Bahnhof. Unterwegs treffe ich noch eine Straßenbahn. Die Strecke gehört zu einem früher größeren Überlandnetz und wird von der Halleschen Verkehrs-AG betrieben.

Sehenswertes in Bad Kösen

Ich bin ganz froh, nicht zu spät nach Bad Kösen zurückzukehren. Am Vorabend hatte ich festgestellt, dass der Fährbetrieb um 18 Uhr endet, und eine Besichtigung des zur Salinenanlage gehörenden Borlachturms bis 17 Uhr möglich ist. Vom Bahnhof gehe ich daher schnurstracks zum Anleger der Seilfähre. Zum Glück ist das Wetter hier noch deutlich besser als bei der Abfahrt in Merseburg. Da ich die Fähre nicht für mich alleine bemühen will, warte ich, bis noch eine Familie hinzukommt. Für einen Euro pro Person (Kinder die Hälfte) queren wir die Saale. Die Strömung ist wegen des nahen Wehrs für eine Gierfähre zu schwach, und der Fährmann muss den Kahn mit Muskelkraft entlang des Seils ziehen.

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Am rechten Saaleufer folgt dann die Besichtigung eines einmaligen technischen Denkmals. Das Bad Kösener Wehr dient dazu, mehrere Wasserräder anzutreiben. Die dort erzeugte Kraft wird mittels eines sogenannten Kunst- oder Feldgestänges über 180 Meter zunächst zum Borlachschacht übertragen. Die horizontale Bewegung des Gestänges wurde dort über sogenannte Kunstkreuze umgelenkt und zum Betrieb der Pumpen in der Schachtanlage genutzt. Ein weiteres, einfacheres Gestänge sorgt für eine Fortsetzung der Kraftübertragung zum noch einmal 140 Meter entfernten Gradierwerk, wo die Sole auf 20 Meter Höhe gepumpt werden musste.

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Die Wasserräder und die Gestänge sind voll funktionsfähig und werden täglich im Schaubbetrieb in Gang gesetzt. Sie treiben allerdings nicht mehr die Solepumpen an, die heute elektrisch laufen. Im Borlachturm gibt es fachkundige Erläuterungen durch eine Betreuerin. Die Besichtigung ist kostenlos – ich verbinde den Kauf eines Informationsheftes mit einer kleinen Spende.

Nach einem Zwischenstopp im Hotel gehe ich zum Abendessen in die Gaststätte Zum Wehrdamm. Da das schlechte Wetter inzwischen auch Bad Kösen erreicht hat, kann man leider nicht im Außenbereich direkt am Saaleufer sitzen. Nach dem Essen ist der Regen abgezogen, und ich mache einen Spaziergang auf die andere Saaleseite. Hier ist der eigentliche Ortskern mit Kirche und Rathaus. Als ich zurück über die Brücke gehe ist es schon dunkel, und man hat einen schönen Blick auf das von Scheinwerfern angestrahlte Gradierwerk.


 

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Zuletzt geändert am 14.9.2011 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt