An Saale und Unstrut

Wein, Wandern und Kultur


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Naumburger Straßenbahn und Naumburger Meister

Montag ist laut Vorhersage der Tag mit dem nicht ganz so guten Wetter. Also gerade richtig für die bereits angesprochene Landesausstellung zum Naumburger Meister. Auf dem Weg in die Innenstadt steige ich am Naumburger Hauptbahnhof zunächst in die Straßenbahn. Es handelt sich hier nicht um einen normalen Verkehrsbetrieb – die Straßenbahn wird durch ehrenamtliches Engagement am Leben erhalten und nach der Stilllegung Anfang der 90er-Jahre wieder aufgebaut. Entsprechend der touristischen Zielsetzung sind museale Fahrzeuge im Einsatz.

Am derzeitigen Endpunkt Vogelwiese angekommen, laufe ich Richtung Stadtmitte. Da noch etwas Zeit ist, schaue ich mir außer dem Naumburger Marktplatz mit seinen sehenswerten Fassaden noch das Marientor und das Depot der Straßenbahn an.

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Die Ausstellung zum Naumburger Meister erstreckt sich über fünf Ausstellungsorte. Mindestens zwei davon möchte ich aufsuchen. Im sogenannten Schlösschen am Markt erwerbe ich die Eintrittskarte und schaue mir die Exponate und Erklärungen an. Neben Originalen, Nach- und Abbildungen gibt es Filme und Bilderserien, die die historischen Zusammenhänge erläutern.

Nach dem Schlösschen geht es dann weiter zum Naumburger Dom. Dies ist Hauptort und Anlass der Ausstellung. Der Rundgang im Domgelände ist so angelegt, dass man den Dom als letztes betritt. Der Umfang der Ausstellung beträgt hier ein Mehrfaches wie am ersten Ausstellungsort und enthält neben Naumburger Exponaten zahlreiche Stücke aus verschiedenen Ländern – außer aus Deutschland in der Hauptsache aus Frankreich. Ich bin ganz froh, dass man sich nicht nur in den Ausstellungsräumen aufhält, die entlang des Kreuzgangs liegen, sondern auch den Domgarten besuchen kann. Dort gibt es Gelegenheit, sich in einem kleinen Café-Restaurant etwas zu stärken.

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Höhepunkt ist dann der eigentliche Dombesuch. Neben dem Westchor mit den bekannten Stifterfiguren – unter ihnen Uta von Ballenstedt (oft bezeichnet als Uta von Naumburg) – und dessen Lettner (steinerne Abtrennung des Würdenträgern vorbehaltenen Chors) findet man auch im Dom mehrere Leihgaben. Die berühmteste davon ist die Statue von Childebert I. aus dem Pariser Louvre.

Den Dom verlässt man sinnigerweise durch den Museumsladen, wo ich als kleinen Ausgleich für das Fotografierverbot einige Ansichtskarten erwerbe. Lieber wäre mir ein Datenträger mit einigen digitalen Fotos, aber es gibt nur eine Video-DVD.

Da meine Aufnahmekapazität für Kunsthistorisches ist für heute ausgeschöpft ist, beschließe ich, statt weitere Ausstellungsorte aufzusuchen, einen kleinen Ausflug an die Unstrut zu machen. Am Morgen in Bad Kösen hatte ich mich bereits mit einem Hopper-Ticket ausgestattet. Ich könnte damit die gesamte noch bestehende Unstrut-Bahn befahren – das wäre eher die Option für schlechtes Wetter gewesen. Das Wetter ist aber im Laufe des Nachmittags gut geworden, und so geht meine Fahrt nur bis Freyburg.

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Eisessen in Freyburg

Schon vom Bahnhof aus erblickt man hoch über der Unstrut Schloss Neuenburg. Da die Naumburger Ausstellung auch mein Bedürfnis, größere Strecken zu Fuß zurückzulegen, recht erschöpft hat, habe ich mich gegen einen Aufstieg zur Burg entschieden. So laufe ich nur ein Stück am Ufer entlang und über die Brücke in die Altstadt.

Nach Rast bei "Schmidt's" Eisdiele am Markt schaue ich mir die Stadtkirche an. Direkt dahinter liegt die Stadtmauer und jenseits davon der Herzogliche Weinberg.

Als ich wieder an der Unstrutbrücke ankomme, sehe ich, dass sich ein Schiff nähert. Obwohl hier nur wenig Schiffsverkehr ist, gibt es in Freyburg eine Schleuse. Ich schaue mir den Schleusenvorgang an, da die Unstrutnixe – so der Name des Schiffs – wirklich sehenswert ist. Es handelt sich um ein für Passagiertransport umgebautes ehemaliges Taucherschiff mit einer ungewöhnlichen Form.

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Nachdem ich die Nixe in der Schleuse, vor dem Wehr und vor Schloss Neuenburg fotografiert habe, ist es Zeit, zum Bahnhof zu gehen. Bald kommt auch schon der Triebwagen der Unstrutbahn. Es handelt sich, wie schon bei der Hinfahrt, um ein Fahrzeuge des Typs DWA LVT/S mit der heutigen Baureihenbezeichnung 672. Als Besonderheit hat der Triebwagen nur eine Tür pro Seite, sowie einen Sitzplatz an der Frontscheibe neben der Führerstandkabine. Betrieben wird die Bahnstrecke von der DB Regio AG, allerdings unter dem Markenamen Burgenlandbahn.

Mit Umsteigen in Naumburg erreiche ich wieder Bad Kösen. Zunächst geht es noch einmal zu meinem Hotel, dann zum Abendessen. Nachdem ich mir am Vortag auch andere Gaststätten angesehen hatte, entscheide ich mich für Bewährtes in Form der "Loreley". Wie schon an den anderen Abenden steht auch der gute Saale-Unstrut-Wein wieder mit auf der Rechnung. Und als Verdauungsspaziergang geht es anschließend noch einmal den Berg hinauf zum Gradierwerk.

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"Dort Saaleck, hier die Rudelsburg"

Dienstag ist Wandertag. Zunächst unternehme ich aber eine kleine Schifffahrt. Von Bad Kösen fährt – sofern genug Personen Interesse zeigen – um 10 Uhr morgens das erste Schiff zum Anleger unterhalb der Rudelsburg. Die Fahrt dauert weniger als eine halbe Stunde, bietet aber abwechslungsreiche Eindrücke. Manchmal verläuft der Fluss wie durch Urwald, dann sieht man schöne Ufergrundstücke, später fließt die Saale unmittelbar neben der Bahnstrecke entlang. Das letzte Stück der Schifffahrt führt an einer schroffen Felswand vorbei, über der die Rudelsburg thront.

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Der Anleger Rudelsburg liegt außerhalb der Ortschaft Saaleck. Die Saale stößt hier nach einer Schleife auf den Höhenzug, der sich von der Burg Saaleck bis nach Bad Kösen zieht. Mein Weg führt zunächst ein Stück zwischen Wald und Weiden daher, dann geht es nach links, teilweise über Stufen, steil bergauf. Oben kommt man zunächst zwischen den beiden Burgen heraus. Ich wende mich nach rechts und überwinde die letzten Höhenmeter zur Burg Saaleck.

Schon vom Vorplatz aus hat man eine tolle Aussicht auf das Saaletal, den Ort und das auf den gegenüberliegenden Höhen liegende Ausflugslokal Himmelreich. Für einen Euro Eintritt kann man sich die Burgruine anschauen und den Westturm besteigen. Während sich im Ostturm eine Kunstaustellung befindet, erfährt man beim Aufstieg im Westturm einiges zur Geschichte der Burganlage. Oben angekommen hat man einen einmaligen Rundumblick.

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Von der Burg Saaleck geht es zunächst wieder ein Stück bergab und dann aufwärts zur Rudelsburg. Hier gibt es ein Burgrestaurant und ebenfalls die Möglichkeit zur Turmbesteigung. Auf den Turmaufstieg verzichte ich; rund um die Burg findet man aber ein paar schöne Aussichtspunkte.

Entlang des Weges von der Rudelsburg nach Norden gibt es einige aus heutiger Sicht recht merkwürdig anmutende Denkmäler, die zwischen 1872 und 1926 von Corpsstudenten und deren Dachverbänden errichtet wurden. Bad Kösen und die Rudelsburg sind in der Parallelwelt der studentischen Corps und Verbindungen wohl von einiger Bedeutung.

Nach einiger Zeit führt der Weg steil bergab und erreicht in der Nähe des Bad Kösener Campingplatzes die Saale. An ihr entlang geht es weiter – immer durch Wald – zum Fähranleger und zur Loreleypromenade. Am Hotel Schoppe angekommen muss ich mich zunächst einmal umziehen, da der Vormittag sehr schweißtreibend war.

Es soll nun mit dem Linienbus weitergehen, und ich beeile ich mich etwas, da ich der Umsteigeverbindung in Naumburg nicht ganz traue. Die Bushaltestelle liegt direkt beim Hotel und der Bus kommt pünktlich. Den Fahrschein kaufe ich beim Busfahrer, der mich auf die anderthalbstündige Gültigkeitsdauer hinweist. Aufgrund der sehr unregelmäßigen und löchrigen Busfahrpläne ist es nicht selbstverständlich, die Zielhaltestelle knapp nördlich der Naumburger Altstadt in dieser Zeit zu erreichen – aber ich hatte ja den Fahrplan angeschaut.

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Durch den Blütengrund zur Unstrutmündung

Umsteigehaltestelle ist der "City-Busstop" Naumburg. Der liegt nicht wirklich in der City, aber praktischerweise (nicht unbedingt für die Fahrgäste) direkt am Busbetriebshof. Da ich jetzt etwas Zeit habe, besorge ich mir in einer Bäckerei noch etwas Proviant und warte dann auf den Anschlussbus. Auch der kommt pünktlich. Ich fahre nur eine Haltestelle weit (weil der Bus im Stadtgebiet sonst nirgendwo hält), und steige an der Saalebrücke beim Gasthof Henne aus.

Direkt an der Brücke steht ein altes Gutshaus, in dem sich heute die Naumburger Wein- und Sektmanufaktur befindet, und das den ältesten deutschen Sektkeller beherbergt. Entlang der Saale führen auf beiden Seiten Fuß- und Radwege. Ich nehme den nördlichen Weg und laufe zwischen Weinbergen und Flussufer Richtung Westen. Nett anzuschauen sind die Weinberghäuser und in den Weinbergen liegende Anwesen. Den Hängen vorgelagert sind meist Wiesen mit Obstbäumen.

Nach einiger Zeit kommt die Unstrutmündung in Sicht. Hier gibt es ein Gartenlokal, sowie Schiffs- und Fähranleger. Ich wende mich aber zunächst nach rechts. Parallel zur Unstrut erreicht man nach einigen hundert Metern die sogenannte Steinerne Festtafel. Es handelt sich hierbei um Reliefs, die im 18. Jahrhundert in die Felsen der hier stufenförmig angeordneten Weinberge geschlagen wurden.

Nach der Besichtigung gehe ich zurück und kehre in das schon erwähnte Gartenlokal ein. Zwischenzeitlich kamen ein paar Regentropfen vom Himmel, aber das Lokal hat einen großen überdachten Bereich. Zwei kleinere Boote der Unstrutschifffahrt liegen hier festgemacht, und irgendwann biegt die schon bekannte Unstrutnixe in die Saale ein. Jedenfalls ist die Gegend um Blütengrund und Unstrutmündung ein sehr schönes Fleckchen.

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Nachdem ich schon in Bad Kösen die Seilfähre genutzt hatte, geht es nun auf ähnliche Weise auch hier über die Saale. Die etwas stärkere Strömung spart dem Fährmann einen Teil der Arbeit.

Am rechten Saaleufer folge ich dem Fluss noch ein Stück saaleaufwärts, dann geht es quer hinüber Richtung Bahnstrecke. Diese kann man nur an wenigen Stellen queren, und ich möchte vermeiden, die Brücke der Bundesstraße zu benutzen. Im Bereich einer Schrebergartenkolonie zwischen den Gleisen der Hauptstrecke und denen Richtung Naumburg Ost gibt es – wohl als Relikt aus besseren Zeiten – eine Fußgängerunterführung. Die ist zwar hässlich aber immerhin eine Möglichkeit auf die andere Seite zu kommen.

Parallel zur Bahn und dann durch das recht ungeordnete Gelände zwischen Naumburger Hauptbahnhof und vorgelagertem Einkaufszentrum erreiche ich den Bahnhof, wo ich den nötigen Verbundfahrschein am Automaten und eine Süddeutsche Zeitung im Bahnhofsladen kaufe. So ausgestattet fahre ich mit der Regionalbahn zurück nach Bad Kösen.

Wie am Vortag setze ich auf Bewährtes und kehre nach Zwischenstopp im Hotel bei der Gaststätte Zum Wehrdamm ein. Heute kann ich draußen direkt am Saalewehr sitzen und genieße den letzten Abend in Bad Kösen.


Rückfahrt ohne Hindernisse

Mittwoch ist Reisetag. Nach Verlassen des Hotels überbrücke ich noch etwas Wartezeit im Kurpark mit der Tageszeitung von gestern. Da der Bahnhof direkt am Park liegt, erreiche ich pünktlich die pünktliche Regionalbahn Richtung Süden. Mit Blick aus dem Doppelstockzug auf das Saaletal fahre ich bis Jena Paradies. Der sehr kleine Jenaer Fernbahnhof bietet immerhin die Möglichkeit, Proviant und eine Süddeutsche Zeitung zu erwerben.

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Mit dem ICE geht es dann über die gut bekannte Strecke via Saalfeld, Lichtenfels, Bamberg und Erlangen nach Nürnberg. Zur Verkürzung der Reisezeit steige ich in einen anderen ICE um, der München via Schnellfahrstrecke über Ingolstadt erreicht. Im Gegensatz zur Hinfahrt fährt alles nach Plan – sogar die Münchner S-Bahn. Also kann man nur zufrieden sein – und nach einem so interessanten Kurzurlaub sowieso.


 

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