Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post März 2026.
Bearbeitungsstand:16.2.2026

Wichtiger Nachtrag

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Streik und andere Erschwernisse

Am 2. und 11. Februar wurden die Verkehrsmittel der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG bestreikt. Am ersten Streiktag gelang es nach Angaben der MVG, alle Buslinien mit meist ausgedünntem Fahrplantakt sowie die Tramlinie 20 verkehren zu lassen. U‑Bahnen fuhren keine. Am 11. Februar fand dann abends ein Pokalspiel in Fröttmaning statt, was die MVG dazu veranlasste, alles zu mobilisieren, um die Linie U6 nicht nur wie angekündigt ab 17.30 Uhr, sondern schon ab 10 Uhr zwischen Marienplatz und Fröttmaning fahren zu lassen. Neben der Tram 20 konnte dieses Mal auch die Linie 25 verkehren, und im Busbereich konnte ein etwas dichterer Fahrplan angeboten werden. Der Fußballeinsatz der U6 stieß nicht überall auf Verständnis, da zurecht die Frage gestellt wurde, was möglich wäre, wenn die Bedürfnisse der Pendler zu vergleichbaren Anstrengungen geführt hätten. Fazit insbesondere des zweiten Streiktags: Viele Fahrgäste fühlten sich als Geschädigte, und die Gewerkschaft war wohl auch nicht ganz zufrieden, da von Streikbrechern geredet wurde.

Gründe für Unzufriedenheit gab es aus Sicht der Fahrgäste aber auch durch unerwünschte Nebeneffekte des Streiks. Der MVG gelang es an beiden Streiktagen, einen Fahrplan der Verbindungen zu erstellen, die absehbar als Mindestangebot verkehren würden. Dieser Fahrplan war in den Fahrplanauskunftssystemen und Apps von MVG, MVV und der BEG ("Moby") abrufbar. In die Online-Aus­kunfts­sys­teme der Deutschen Bahn AG wurden diese Änderungen jedoch nicht übertragen. Ergebnis war, dass alle, die an den Streiktagen eine DB-App nutzten, lauter Verbindungen angezeigt bekamen, die in Realität nicht fahrbar waren.

Als zusätzliche Erschwernis kam am 11. Februar dazu, dass die S‑Bahn-Stammstrecke ab 22.20 Uhr nur eingeschränkt bedient wurde; im Westteil fuhren nur SEV-Busse. Die DB-Fahrplanauskunft verwies aber in den meisten Fällen nicht auf Verbindungen mit SEV, sondern beispielsweise auf die nicht fahrende Tram 19 oder auf Umsteigen am Laimer Platz zur nicht verkehrenden Linie U5. Auch die in Moosach und am Heimeranplatz beginnenden S‑Bahn-Linien S1 und S2 waren wegen fehlender U‑Bahnen nur sehr umständlich zu erreichen. Das bereits erwähnte Fußballspiel endete gegen 22.30 Uhr. Da die DB im Gegensatz zur MVG darauf keine Rücksicht nahm, war der Abreiseverkehr Richtung Pasing und ins westliche Umland wegen der Stammstreckensperrung stark behindert. Die falschen Auskünfte in den DB-Systemen dürften dabei für zusätzliche Verwirrung gesorgt haben.

Die DB hat zu verstehen gegeben, dass MVV und MVG dafür verantwortlich sind, dass die geänderten Fahrpläne nicht ans DB-System gesendet wurden. Von außen betrachtet weisen die immer wieder vorkommenden Probleme bei der Übertragung von Fahrplandaten zwischen verschiedenen Systemen und Verkehrsunternehmen allerdings auf schwerwiegende Fehler und falsche Prioritäten in der gesamten ÖPNV-Branche hin. Wenn es um Belange der Fahrgäste geht, war das Interesse wohl nie groß genug, um in all den Jahren, seit digitale Auskunftsmedien existieren, die entsprechenden Prozesse zu optimieren und zu automatisieren.

Während versucht wurde, die Mobilität der Fußballfans trotz Streik nicht zu sehr einzuschränken, wurde es einer anderen Gruppe von Menschen noch etwas schwerer gemacht, halbwegs mobil zu bleiben. Alle, die wegen Rollstuhl, Kinderwagen, Rollator oder weil sie allgemein schlecht zu Fuß sind, einen Aufzug zu den Bahnsteigen nutzen möchten oder müssen, stießen an einigen Stellen auf zusätzliche Probleme. Da die U‑Bahnsteige wegen des Streiks gesperrt wurden (außer bei oben erwähnter U6 am 11. Februar), hatte die MVG an den Streiktagen alle Aufzüge zu diesen Bahnsteigen abgeschaltet.

Ausschnitt Startbildschirm MVG Zoom (https://www.mvg.de/ueber-die-mvg/unser-engagement/barrierefreiheit/zoom.html) mit Statusinformationen zu MVG-Aufzügen
Ausschnitt Startbildschirm MVG Zoom mit Statusinformationen zu MVG-Aufzügen.

Es gibt allerdings in München einige Gemeinschaftsanlagen mit U- und S‑Bahnhof. Dazu gehören neben Marienplatz, Karlsplatz und Hauptbahnhof auch Moosach, Giesing, Feldmoching oder Trudering. An einigen Stellen wie in Giesing oder Feldmoching führen die Aufzüge zum U‑Bahnsteig auch zum S‑Bahnsteig. Auch bei diesen Aufzügen sah sich die MVG nicht in der Lage, sie an den Streiktagen in Betrieb zu halten. Das führte beispielsweise in Feldmoching dazu, dass die S‑Bahn stadteinwärts mittels einer Rampe erreichbar war, bei der Rückfahrt aus der Innenstadt der Mittelbahnsteig aber für Betroffene zur Falle werden konnte.

Aber auch wenn der S‑Bahnsteig über einen von der U‑Bahn getrennten Aufzug erreichbar ist, heißt das noch nicht, dass ein barrierefreier Zugang möglich war. So sind in Moosach und Trudering die Aufzüge zur U-Bahn zugleich auch wichtig für die Erreichbarkeit des Sperrengeschosses von der Oberfläche aus. In Moosach ist das der Aufzug am Bahnhofsvorplatz in der Bunzlauer Straße und in Trudering am Busbahnhof. Ist der Weg ins Sperrengeschoss und zu den dortigen Aufzügen für Betroffene wie Rollstuhlfahrer versperrt oder nicht auffindbar, so ist der barrierefreie Zugang insgesamt nicht sichergestellt.

Barrierefreiheit darf nicht nur Etikett sein, mit dem man sich schmückt. Wer Aufzüge betreibt, hat auch die Verantwortung dafür, dass sie ihren Zweck erfüllen, auch wenn der Zweck das Erreichen von Verkehrsmitteln eines anderen Unternehmens ist. Die MVG wurde dringend aufgefordert, bei künftigen Streiks die Erreichbarkeit der S‑Bahnsteige sicherzustellen. Die Stadt München und ihre Behindertenbeauftragte wurden ebenfalls informiert. Die Zusage, dass die MVG ihr Verhalten ändert, oder ein anderes positives Ergebnis ist bisher aber nicht in Sicht.

Edmund Lauterbach

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Wichtiger Nachtrag

Der letzte Satz des Artikels kann zum Glück korrigiert werden. Nur einen Tag nach Erscheinen der PRO BAHN Post erfolgte eine Zusage der MVG/SWM-Pressestelle, dass die MVG-Aufzüge, die zum Erreichen von S‑Bahnsteigen wichtig sind, bei Streikmaßnahmen, die U‑Bahn-Linien betreffen, nicht mehr stillgelegt werden. Bleibt zu hoffen, dass die dazu notwendigen technischen Maßnahmen zum Beispiel am 27./28. Februar funktionieren, und dass so ein wichtiges Element der Mobilität der betroffenen Menschen erhalten bleibt.

 

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