| Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post April 2026. Bearbeitungsstand:20.3.2026 |
MVG aktiviert wichtige Aufzüge auch bei Streik – aber nicht überall
Behinderte Barrierefreiheit
In der März-Ausgabe der PRO BAHN Post erschien der Artikel "Streik und andere Erschwernisse". Unter anderem ging es darum, dass Aufzüge zu S‑Bahn-Stationen, die gleichzeitig zu U‑Bahnsteigen führen, von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) während der Warnstreiks im kommunalen ÖPNV abgeschaltet wurden. Zum Redaktionsschluss der März-Ausgabe gab es noch keine Signale, dass die MVG ihr Verhalten ändern möchte.
Aber nur einen Tag nach Erscheinen der PRO BAHN Post erfolgte dann eine Zusage der MVG/SWM-Pressestelle, dass die MVG-Aufzüge, die zum Erreichen von S‑Bahnsteigen wichtig sind, bei Streikmaßnahmen, die U‑Bahn-Linien betreffen, nicht mehr stillgelegt werden. Tatsächlich waren die im Artikel genannten Aufzüge bis auf einen Defekt in Giesing am 27./28. Februar in Betrieb.
Im Nachhinein hat sich allerdings herausgestellt, dass der Münchner Ostbahnhof von der Vorderseite her, also aus Richtung des Orleansplatzes in Haidhausen, per Aufzug nicht erreichbar war. Weder die MVG noch PRO BAHN hatten vorher bemerkt, dass die Situation dort besonders kritisch ist. Hinweise darauf vonseiten der DB, beispielsweise dem zuständigen Bereich Personenbahnhöfe, gab es keine. Das Interesse der DB an der Zugänglichkeit ihrer Stationen und Bahnsteige konnte im Zuge der Diskussion über die MVG-Maßnahmen infolge der Streiks leider nicht richtig geweckt werden.
Der einzige Aufzug, der auf der Haidhauser Seite einen Zugang zum Ostbahnhof-Untergeschoss und damit zu den Bahnsteigen ermöglicht, liegt auf dem Orleansplatz direkt über der U‑Bahn-Station und wird von der MVG betrieben. Das Sperrengeschoss über der U‑Bahn war während der Streiks nicht zugänglich, der Aufzug stillgelegt. Die DB besitzt keinen eigenen Aufzug, der von vorne einen Zugang zum Bahnhof erlaubt. Damit waren die gesamten DB-Anlagen am Ostbahnhof aus dieser Richtung nicht barrierefrei zugänglich.
Im Grunde ist es eine unmögliche Situation, dass der wichtigste barrierefreie Zugang zu einer so großen Verkehrsstation wie München Ost von einem einzigen Aufzug abhängt, dessen Kontrolle nicht bei der DB liegt, und der zunächst mal einen Umweg vom Bahnhofsgebäude weg erforderlich macht. Es wäre hier notwendig, dass die DB selber einen barrierefreien Zugang an der Vorderseite schafft, oder dass beispielsweise am Busbahnhof ein zweiter Aufzug zur Oberfläche errichtet wird. Immerhin gehört der Ostbahnhof mit seinem 1985 eröffneten Gebäuderiegel zu den 21 Bahnhöfen, an denen DB InfraGO Stationsgebühren der höchsten Preisklasse kassiert. Da sollte Barrierefreiheit mit etwas Redundanz, die auch bei Defekten oder Wartungsarbeiten wichtig ist, doch finanzierbar sein.
Ganz allgemein sind die Umwege, die betroffenen Menschen zum Erreichen von Aufzügen oder Rampen zugemutet werden, bei Gehbehinderung oder höherem Alter in vielen Fällen kaum akzeptabel. Das Problem wird beim Thema Barrierefreiheit gerne übersehen. Es handelt sich hierbei eher um eine politische Aufgabenstellung, die außerhalb der Zuständigkeit der MVG liegt, die durchaus an einigen Stellen bei Aufzügen Redundanz bietet.
Noch vor dem Redaktionsschluss dieser PRO BAHN Post wurde die MVG ein weiteres Mal bestreikt, beginnend am 18.3. um 11 Uhr. Auf MVG-Zoom war erkennbar, dass zunächst alle Aufzüge entlang nicht verkehrender U‑Bahn-Linien abgeschaltet wurden. Dies war in Giesing und Trudering schon vor 11 Uhr der Fall. Bis etwa 11.30 Uhr wurden dann sukzessive die Aufzüge in Feldmoching, Moosach, Trudering wieder in Betrieb genommen. Nach 12 Uhr funktionierte dann auch der Aufzug in Giesing.
Außer Funktion blieben aber die MVG-Aufzüge am Ostbahnhof (Orleansplatz) und der Aufzug zum kombinierten S‑/U‑Bahnsteig in Neuperlach Süd. Hier ist eine Sperrung vollkommen sinnlos, da der Bahnsteig wegen des Zugangs zur S‑Bahn auch ohne U‑Bahn-Betrieb offenbleiben muss. Um 12.30 Uhr gab die MVG die Aufnahme des Betriebs der U2 ab Harthof bekannt. Die Aufzüge von dort bis Scheidplatz gingen aber nicht in Betrieb; dafür fiel am Nachmittag der Aufzug zum Feldmochinger S‑Bahnsteig aus.
Am 19.3. waren zunächst die Aufzüge in Feldmoching, am Ostbahnhof und der Aufzug zum
S‑Bahnsteig in Neuperlach außer Betrieb. Um 10.30 Uhr kündigte die MVG an, dass
U‑Bahnen zwischen Feldmoching und Neuperlach Süd verkehren, woraufhin dort die
Aufzüge in Betrieb gingen, inklusive derjenigen an den Endstationen. Der barrierefreie Zugang
zum Ostbahnhof aus Richtung Orleansplatz/Haidhausen blieb während des fast zweitägigen
Streiks unmöglich. Angemerkt sei, dass der MVG-Aufzug am Mangfallplatz lief, obwohl dort
keine U‑Bahnen fuhren. Der Aufzug führt direkt zum Bahnsteig, erschließt aber auch
den Zugang zu einer Park+
Die Schilderung in diesem Artikel kann unvollständig sein, beruht auf Angaben in MVG-Zoom, und nicht alles lässt sich durch die MVG-Aussage zur Sperrung von U‑Bahnsteigen während des Streiks erklären. Der konfuse Ablauf und die dadurch verbreitete Unsicherheit zeigen aber, dass sich DB, MVG und Stadt München dringend um eine grundsätzliche Lösung bemühen sollten. Der barrierefreie Zugang zu DB-Bahnhöfen muss auch dann funktionieren, wenn dieser Zugang durch Aufzüge der SWM/MVG hergestellt wird. Das ist auch zu Zeiten ohne U‑Bahn-Betrieb zu gewährleisten, sofern S‑Bahnen und andere Züge weiter verkehren.
Leider hat die Stadt München auf E‑Mails zum Problem der MVG-Aufzüge überhaupt nicht reagiert, von der MVG kam keine weitere Rückmeldung, und der DB scheint die Situation am Ostbahnhof egal zu sein. Das Antwortverhalten offizieller Stellen bei Fragen und Eingaben von Bürgern hat sich in den letzten Jahren immer mehr verschlechtert. Das ist auch ein Symptom für das Verhältnis zwischen Staat oder behördenähnlichen öffentlichen Firmen und den Menschen im Land. Angesichts der Tatsache, dass eigentlich die Wähler und Steuerzahler bestimmen und bezahlen, was passiert, ist das eine recht negative Entwicklung.
Edmund Lauterbach
Nachtrag
Wie schon vor einem Monat hat sich die MVG/SWM-Pressestelle kurz nach Erscheinen der PRO BAHN Post gemeldet. Der Aufzug Orleansplatz stelle einen Sonderfall dar, da er hinter der Absperrung zum U‑Bahnhof liege, und müsse deshalb bei Sperrung des U‑Bahnhofs außer Betrieb genommen werden. Es wird auf alternative stufenfreie Wege zum DB-Bereich im Ostbahnhof hingewiesen. Geprüft würde nun, auf diese Wege vor Ort und im Internet hinzuweisen. Möglich erscheine auch ein zusätzliches Rolltor zum U‑Bahn-Abgang, wofür allerdings finanzielle Mittel notwendig sind, und das daher nicht kurzfristig umsetzbar sei.
Die alternativen Zugänge zum Ostbahnhof tauchen in den hier verlinkten Lageplänen oder auch in der DB-Wegweisung nicht auf. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie nicht den gesetzlichen Vorgaben für offizielle Barrierefreiheit entsprechen. Bei der im Artikel erwähnten Inbetriebnahme der U2 Nord am Nachmittag des 18.3. fiel auf, dass die U‑Bahnhöfe auch vormittags nach Streikbeginn zugänglich blieben, was am Ostbahnhof nicht möglich sein soll. Der insgesamt konfuse Ablauf beim Ab- und Anschalten von Aufzügen die für S‑Bahn-Fahrgäste relevant sind, und die Problematik des unsinnigen Aufzugsabschaltens in Neuperlach Süd, zeigen weiteres Verbesserungspotenzial.
Quellen/Querverweise
© Edmund Lauterbach – 26.3.2026 /
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