Donau-Moldau-Rundreise

Ilztalbahn-Premiere, Donau-Schifffahrt und Südböhmen

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Ilztalbahn. Eröffnung der Gesamtstrecke Passau – Freyung am 16. Juli 2011. Da muss man hin.

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Nach einigem Hin- und Her hat sich eine kleine Reisegruppe gefunden, die am Samstagmorgen am Münchner Hauptbahnhof aufbricht. Damit es interessanter wird, und auch um sich etwas von den nicht unbedingt kundenfreundlichen Verhältnissen des Donau-Isar-Express fernzuhalten, steigen wir in einen Doppelstockzug nach Mühldorf. Von dort aus geht es dann weiter mit einem Dieseltriebwagen der Baureihe 628 über die Rottalbahn nach Passau.

Dort angekommen müssen wir leider erfahren, dass die Ilztalbahn schon bei der Eröffnungsfahrt Probleme mit einem auf die Strecke gefallenen Baum hatte. Unser Zug wird mit einer Stunde Verspätung angekündigt. Die Passauer Bahnhofswirtschaft hat ein paar Tische und Stühle auf dem Bahnsteig stehen, so dass wir dort die Zeit überbrücken.

Dann kommt die Ilztalbahn in Form von drei Triebwagen des Typs Regioshuttle. Der Zug ist eine Waldbahn-Garnitur der Regentalbahn, die für den Wochenendbetrieb der Ilztalbahn die Fahrzeuge stellt, während der Personaleinsatz komplett ehrenamtlich organisiert ist.

Trotz Verspätung ist die Stimmung gut, und der Zug ist gut gefüllt. Los geht es zunächst entlang der Hauptstrecke und dann über die Kachletbrücke. Nach rechts schaut man auf Passau, unmittelbar links liegt das Donaukraftwerk Kachlet.

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Danach erklimmt der Zug die Höhen nördlich der Donau, um nach dem Haltepunkt Tiefenbach hinab ins Ilztal zu fahren. Die Ilz liegt zunächst rechts von der Bahnstrecke und bis zum Haltepunkt Fischhaus hat man ein ungestörtes Naturerlebnis. Zwischen Fischhaus und Kalteneck wird der Fluss überquert, so dass nun die linke Fensterseite den Blick auf die Ilz ermöglicht. In Kalteneck zweigte früher die Bahnstrecke über Eging nach Deggendorf ab. Die Brücke, auf der diese Strecke die Ilz überquerte, steht noch.

Nördlich von Kalteneck geht es wieder einige Kilometer durch das naturbelassene Ilztal. Dann aber verlassen wir die Ilz und erreichen nach zwei Tunneldurchfahrten den Haltepunkt Fürsteneck. Die Bahnstrecke folgt nun dem Tal des Osterbaches über den idyllischen Haltepunkt Neuhausmühle und den Bahnhof Röhrnbach bis kurz vor Waldkirchen.

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Dann kommt auch schon Waldkirchen mit seinem Bayerwalddom in Sicht. Der Ort liegt auf einer Kuppe und der markante Kirchturm ist weithin sichtbar. Am Bahnhof steigen wir in den Trubel des Eröffnungsfests aus. Hier besteht die Möglichkeit in eine Schienenbusgarnitur umzusteigen, die Weitereisende nach Freyung bringt. Unsere Gruppe macht sich aber nach kurzem Aufenthalt auf den Fußweg zum Marktplatz. Dass es auch einen Pendelbus gibt, erfahren wir erst später.

Der Gasthof Lamperstorfer begrüßt uns mit dem Ambiente eines ländlichen Gasthauses und geräumigen Zimmern. Nach Frischmachen und Umziehen treffen wir uns auf dem Marktplatz. Wir wollen das sehr gute Wetter für eine erste kleine Wanderung nutzen. So geht es durch den Ort zur Saußbachklamm. Der Nachmittag ist inzwischen heiß geworden und die Kühle des schattigen Bachlaufs kommt uns so gerade recht. Die Klamm ist ein idyllisches Naturerlebnis, entspricht aber trotz vieler Felsbrocken vielleicht nicht ganz dem, was man in den Alpen unter einer Klamm versteht. Dafür gibt es auf halbem Weg wie in den Alpen eine Alm – die Haller-Alm.

Eine kurze Einkehr mit einer kleinen Brotzeit stärkt uns für den Rest des Weges. Bald ist das obere Ende der Klamm erreicht. Hier verlassen wir den Saußbach und laufen zunächst Richtung Stadtmitte zurück. Am historischen Stadtkern entlang folgen wir den Resten der Stadtmauer, bis wir auf den uns schon bekannten Weg zum Bahnhof stoßen. Am Bahnhof besteigen wir die nun nur noch zweiteilige Schienenbusgarnitur, um eine kleine Abendfahrt nach Freyung machen.

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Die Fahrt mit Abendstimmung im nun eher schwach besetzten Schienenbus ist ein schönes Erlebnis. Auf der Rückfahrt nach Waldkirchen hat man früh Blick auf die Stadt mit der nun schon bekannten Landmarke ihrer Pfarrkirche. Vom Bahnhof Waldkirchen geht es noch einmal den Berg hinauf in die Altstadt. Kurz vor 21 Uhr erreichen wir unseren Gasthof. Das sommerliche Wetter gestattet, den Abend im Freien ausklingen zu lassen, und für das leibliche Wohl ist natürlich gut gesorgt.


Karte
Die Karte zeigt in Orange die Ilztalbahn, in Rot weitere genutzte Bahnstrecken, und in Magenta Buslinien. Mehr Informationen enthalten Darstellungen für Google Maps und Google Earth.

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Zum Donau-Moldau-Verbund der Ilztalbahn gehören auch Buslinien. Die Betreiber haben Anschlüsse zu den Zügen konzipiert, die es erlauben, Wandergebiete des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes zu erreichen. Von Waldkirchen aus bestand früher eine Bahnverbindung ins heutige Tschechien. Diese Strecke wurde abgebaut und auf der Trasse ein Radweg errichtet. Durch diese Kurzsichtigkeit fehlt heute ein wichtiges Bindeglied im grenzüberschreitenden Tourismus. Dieses Bindeglied wird nun an Wochenenden durch eine Buslinie wieder hergestellt. Das ist natürlich weniger attraktiv und erlaubt auch keine durchgehenden Züge von Passau nach Tschechien.

Die Buslinie verkehrt am Eröffnungswochenende ebenso wie die Züge nach einem Sonderfahrplan. Und außer am Bahnhof hält sie auch am Waldkirchener Busbahnhof, der nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt liegt. Wir frühstücken in aller Ruhe und finden uns gegen halb elf an der Bushaltestelle ein. Mit dem Bus geht es zuerst hinab zum Bahnhof, um Anschluss von einem Zug aus Passau herzustellen, dann via Jandelsbrunn und Neureichenau nach Haidmühle. Von dort erreichen wir auf einer recht schmalen Fahrstraße den nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassenen Grenzübergang.

Direkt an der Grenze liegt auf tschechischer Seite der Bahnhof Nové Údolí. Die Station wird gerade umgestaltet; es entsteht auch eine Wendeschleife für die Busse. Wir müssen uns etwas beeilen, denn wenige Minuten nach der Busankunft fährt ein Zug der tschechischen Staatsbahn ab. Mit dem Zug fahren wir nur eine Station, denn unser Plan ist, die vier Kilometer zurück zu wandern.

Bei strahlendem Sonnenschein ist dies ein netter Spaziergang am späten Sonntagvormittag. Unterwegs machen wir zweimal Fotohalt an der Bahnstrecke. Die Züge fahren hier im Stundentakt und zwischen den lokbespannten Zügen nach Budweis verkehrt eine weitere Linie mit durch Umbau entstandenen Regionova-Triebwagen.

Vorbei am oberhalb des Bahnhofs liegenden Gasthof erreichen wir wieder Nové Údolí. Früher mal ein Ort, gibt es hier außer der Bahnstation nur noch einen Laden, und einen rührigen Verein (deutsch via Google). Der Verein betreibt in Eisenbahnwagen ein kleines Museum und sowie eine Art Kiosk mit Getränken und Brotzeiten. Außerdem kann man auf einem über die Grenze führenden Gleisstück mit einer Dampfdraisine fahren. Es gibt jedenfalls genug anzuschauen, um die Zeit bis zur nächsten Busabfahrt zu füllen.

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Zurück in Waldkirchen bereitet sich der größere Teil unsere Gruppe auf die Heimfahrt vor. Nach dem späten Mittagessen beim Waldkirchener Bahnhofsfest fahren wir gemeinsam noch mit der Ilztalbahn bis Fürsteneck. Hier verlasse ich den Zug, um noch ein Stück zu wandern. Zuerst geht es bergauf zum Schloss Fürsteneck. In dem Gemäuer befindet sich ein Restaurant und nebenan eine Festspielbühne – anscheinend gibt es am Abend eine Vorstellung. Außerdem beherbergt das Schloss eine Informationsstelle in der man sich eine kleine Ausstellung zum Ilztal und zum Naturpark Bayerischer Wald anschauen kann.

Vom Schloss führt ein schmaler Fußweg nach unten zum Fluss. Der Fluss ist hier noch nicht die Ilz sondern die Wolfsteiner Ohe, die sich um den Schlossberg windet. Mittels eines Stegs überquere ich das Flüsschen und ein Stück weiter geht es ebenso über einen parallel führenden Mühlkanal. Der beschilderte Weg führt über die Halbinsel zwischen Wolfsteiner Ohe und Ilz in ein Waldstück hinein. Jetzt kann man rechterhand durch die Bäume auch wirklich die Ilz erkennen. Im weiteren Verlauf kommt von links die Bahnstrecke heran. Gleise und der Fußweg liegen jetzt auf zwischen der Ilz und den begleitenden Hügeln.

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Der naturnahe Flussverlauf, der schon aus dem Zug erkennbar war, erschließt sich dem Wanderer noch besser. Immer wieder sind auch Felsen im Flussbett erkennbar – auf einem dieser Felsbrocken ist eine Heiligenfigur aufgestellt. Vor Kalteneck überquert die Brücke der ehemaligen Bahnstrecke nach Deggendorf die Ilz. Im Ort finde ich ein italienisches Restaurant, und nutze Gelegenheit den durch Schwitzen entstandenen Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Der ganze Tag war heiß, am Nachmittag sogar drückend. Jetzt, am frühen Abend, kommt heftiger Wind auf und ein Gewitter kündigt sich an. Nun, der Weg zum Bahnhof ist kurz, und irgendwann soll auch ein Zug kommen. Während der Wanderung war mir die Ilztalbahn mit zwanzig Minuten Verspätung entgegen gekommen, so dass ich auf etwas Wartezeit eingestellt bin. Wenige Minuten nach der planmäßigen Abfahrtszeit kommt auch ein Zug – aber nicht wie erwartet nach Waldkirchen, sondern Richtung Passau. Die Hitze am Nachmittag hat nicht nur den Menschen zugesetzt, sondern auch zu einem Problem an den Lüftern der Triebwagen gesorgt.

Wegen des schlechter werdenden Wetters besteige ich den nun mit über einer Stunde Verspätung verkehrenden Zug und fahre zunächst nach Passau. Die dortige Bahnhofsgaststätte ist jetzt die einzige Chance zu einem Abendessen zu kommen, da sich abzeichnet, dass ich erst recht spät in Waldkirchen sein werde. Wegen Verspätung der nach Passau fahrenden Schienenbusgarnitur kann auch unser Zug nicht pünktlich nach Waldkirchen fahren. Ankunft dort ist erst kurz vor 21 Uhr, womit der Tag dann so ziemlich zu Ende geht – und zwar inzwischen sehr regnerisch.


 

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