Dieser Text basiert auf einem Artikel
für die PRO BAHN Post Februar 2024.
Bearbeitungsstand: 27.1.2024

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In zweieinhalb Stunden nach Wien

In zweieinhalb Stunden von München nach Wien – das gehört zur Vision eines Bahnsystems für Österreich, die Klimaschutzministerin Gewessler und ÖBB-Chef Matthä Ende Januar vorgestellt haben. Informationen dazu sind auf www.pro‑bahn.de/aktuell/2024/25.html verlinkt.

Ein spektakulärer Vorschlag aus diesem "Zielnetz 2040" ist eine Neubaustrecke (NBS) quer durch das Innviertel von Wels bis zur deutschen Grenze. Nach dem, was bisher bekannt ist, soll diese Strecke südlich von Ried im Innkreis verlaufen. Damit ist ein Anschluss ans deutsche Bahnnetz eher nördlich von Tittmoning als bei Simbach oder bei Burghausen wahrscheinlich. Zur Aussage, dass das Projekt "aktuell auch in Deutschland geprüft" werde, ist bisher weder auf den Projektseiten zur Ausbaustrecke München – Mühldorf – Freilassing (ABS 38) noch sonst irgendwo etwas zu finden.

Grafik Zielnetz 2040 Österreich

Folie Neue Inkreisbahn der BMK-Präsentation

Grafik Neue Inkreisbahn

Letzter Status zu einer Fernverkehrsverbindung über Mühldorf und Linz war deren Aufnahme in den Zielfahrplan des Deutschlandtakts, sowie die Einstufung der Elektrifizierung Mühldorf – Simbach als zusätzliches Projekt des vordringlichen Bedarfs im Bundesverkehrswegeplan. Allerdings ist von deutscher Seite dort nur eine zweistündliche Verbindung mit Fernzügen vorgesehen. Auch mit den bisher über Salzburg eingeplanten Güterzügen ergeben sich nur schwerlich Zugzahlen, die eine Neubaustrecke rechtfertigen.

Es ist daher zu vermuten, dass Österreich von mehr Zügen ausgeht als bisher dem Deutschlandtakt zugrunde liegen. Das wiederum führt zur Frage, ob der deutsche Streckenausbau genug Kapazität für die österreichischen Vorstellungen hat, da ja auch der Regionalverkehr inklusive eines gewissen Wachstumspotenzials berücksichtigt werden muss, wenn man das Wort Verkehrswende auch nur halbwegs ernst nimmt.

Die Kapazität ist natürlich mit ein Grund, warum ein direkter Anschluss an die ABS 38 sinnvoller ist, als die Strecken nach Simbach oder Burghausen zu nutzen. Mehr Züge über Mühldorf bedeutet aber auch eine höhere Last im Zulauf nach München. Wobei die Österreicher nicht nur den Hauptbahnhof als Ziel im Fokus haben, sondern auch eine schnelle Verbindung zum Münchner Flughafen von mehreren Seiten als attraktiv angesehen wird. Hierbei würde sich der Vorschlag einer NBS München – Ingolstadt mit Abzweig zum Flughafen positiv auswirken, da er unter anderen aus Richtung Mühldorf eine zweite Zulaufstrecke nach München schafft. Dieses Projekt wurde kürzlich in den potenziellen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen (siehe www.pro‑bahn.de/aktuell/2023/301).

In die Planungen Mühldorf – Flughafen hat man allerdings einen schwer zu beseitigenden Flaschenhals eingebaut. Der neue, unterirdische Bahnhof in Erding erhält für Züge aus und nach Mühldorf nur ein Gleis. PRO BAHN hatte vor einer solchen Lösung frühzeitig gewarnt. Je länger ein Projekt in der Schublade liegt, umso eher entsteht eine Infrastrukturplanung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bedarfsgerecht erscheint, die aber schon vor ihrer Realisierung wie aus der Zeit gefallen wirkt. Darüber muss man auch bei den Planungen für den Deutschlandtakt immer wieder nachdenken.

Zurzeit ist das österreichische "Zielnetz 2040" Zukunftsmusik. Was passiert, und ob es bis 2040 passiert, ist unsicher. Beim Bahnausbau in Deutschland wohl deutlich unsicherer als in Österreich.

Edmund Lauterbach

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