Ideenreicher »Hoffmann«

als Äkschn-Tragödie in Magdeburg


www.theater-magdeburg.de

Besuchte Vorstellung 31.März 2012 (Premiere)






Regie


Christian von Götz

Dirigent


Kimbi Ishii-Eto

Chorleitung


Martin Wagner

Bühnenbild


Ulrich Schulz

Kostüme


Carolin Roider

Version


Oeser

Sprache


Deutsch




Hoffmann


Kor-Jan Dusseljee

Muse


Lucia Cervoni

Olympia


Hale Soner

Antonia


Noa Danon

Giulietta


Undine Dreißig

Widersacher


Martin-Jan Nijhof










Es kommt nicht allzu oft vor, dass ein Regisseur innerhalb weniger Jahre die gleiche Oper an einem anderen Theater von Grund auf völlig neu inszeniert. Nachdem ich im Frühsommer 2008 in Lissabon im Theater São Carlos einen unkonventionellen Hoffmann von Christian von Götz gesehen hatte, überraschte mich das Theater Magdeburg nun mit einer Neuinszenierung durch den selben Regisseur, ohne dass er Anleihen bei sich selbst gemacht hatte. Und ich muss sagen, der noch junge Kölner hat in den letzten vier Jahren mächtig dazugelernt. Die Irrungen Hoffmanns wurden plakativ, zuweilen drastisch dargetellt, die Geschichte wurde gut verstanden und richtig interpretiert, nur der Schluss war etwas hektisch und nicht ganz verständlich. Musikalisch wurde ein wahrer Ohrenschmaus geboten. Alle Rollen waren hervorragend mit Sängern besetzt, die sich voll verausgabten. Und das Orchester ein wahrer Traum! Einfühlsam zum Bühnengeschehen geleitet spielte es mit einem Klang, der einem wonnige Schauer empfinden ließ. Das Theater Magdeburg hat wieder einmal gezeigt, dass man das beste Musiktheater abseits der Metropolen erlebt.




Magdeburg ist die Hauptstadt des eher unspektakulären neuen Bundeslandes Sachsen-Anhalt und hat in seiner Geschichte einige Tragödien erlebt. Die schlimmste fand wohl im Dreißigjährigen Krieg statt, als unter dem Feldherrn Graf Tilly der Katholischen Liga im Jahr 1631 die protestantische Stadt Magdeburg erobert und in Brand gesteckt wurde, wobei 20.000 bis 30.000 Einwohner ums Leben kamen. Dieses Kriegsverbrechen erregte damals europaweit Entsetzen. Mir ist völlig unverständlich, dass der reaktionäre bayerische König Ludwig I. (Großvater Ludwigs II.) diesem Kriegsverbrecher ein Denkmal in der Münchner Feldherrnhalle errichtete. Jedesmal, wenn ich auf den Odeonsplatz komme, wundere ich mich, dass dieses Verbrechen nicht in irgendeiner Weise erwähnt wird. Im Januar 1945, also kurz vor Kriegsende, wurde die Altstadt Magdeburgs von der britischen Luftwaffe zu 90 Prozent zerstört, darunter auch das Theater. Der 1951 eröffnete Neubau wurde 1990 durch eine nie aufgeklärte Brandstiftung teilweise zerstört und 1997 als Opernhaus in seiner heutigen Gestalt wieder eröffnet. Es ist ein schönes und elegantes modernes Theater mit ungefähr 700 Sitzplätzen und hervorragender Akustik. Bis auf die Fußböden herrscht im Zuschauerraum die Farbe Schwarz vor.



Das Publikum war altersmäßig gut durchmischt, also nicht nur Leute in meinem Alter, sondern auch viele Junge und Besucher mittleren Alters.


Im Orchester zählte ich vier Kontrabässe und fünf Celli. Der Dirigent war der gleiche, den ich drei Tage vorher in Berlin an der Komischen Oper im wieder aufgenommenen »Hoffmann« gehört hatte und der sich durch einfühlsame Begleitung des Bühnengeschehens empfohlen hatte. Die Komische Oper hatte sich den Magdeburger GMD ausgeliehen. Er hatte mir einen bemerkenswerten »Hoffmann« in Magdeburg angekündigt, aber keine Details verraten.


Hoffmann und Stella


Und überraschend ging es los an der Elbe. Nach den Schlussakkorden aus dem Don Giovanni kam Stella aus der Oper – und wurde ermordet. Blutüberströmt lag sie nach dem Messerangriff auf dem Boden. Auf den Gazevorhang wurde eine Todesanzeige projiziert: Stella da Silva, gestorben am 31.3.2012, aus dem blühenden Leben gerissen. Ihr Tod fiel auf den Tag der Premiere. Das Geburtsdatum konnte ich nicht entziffern. Später erfuhr ich, dass sie gerade zwanzig Jahre alt geworden war. Stella ist ja auch Antonia, und Antonia wurde zwanzig Jahre alt. Dann kamen die Auftaktakkorde – deutlich mehr maestoso als in Berlin. Dann erklang das Gluck-Gluck. Ihr Mord wurde dann als Äkschn-Replay-Video gezeigt. Das war schon mal ein überraschender Beginn. Obwohl man auf Deutsch sang, wurden deutsche Übertitel gezeigt. Das ist lobenswert, denn wenn gesungen wird, versteht man ohnehin wenig, egal in welcher Sprache gesungen wird.


Hoffmann trat auf, sah die tote Stella und brach verzweifelt zusammen. Dann erschien die Muse und versuchte, den schlafenden Hoffmann mit einem fröhlichen Guten Morgen zu wecken. Dann legte sie ihre Beziehung zu Hoffmann dar und verwandelte sich in den Dramaturgen Niklaus. Das tat sie mit einem wunderschön warm und voll klingendem Mezzo.



Dann trat der Geschäftsführer Lindorf auf. Also, einmal Niklaus als Dramaturgin, dann Lindorf als Geschäftsführer, das war neu, aber durchaus werkskonform. Ein Geschäftsführer macht heute mehr her als ein Stadtrat, der ja auch von den Grünen sein könnte.


Der Briefbote brachte zwei Trauerkränze für Stella herein und ließ sich dann von Lindorf nach einigem Widerstand den Brief abkaufen. Lindorf war ein schlanker, hochgewachsener Kerl mit jugendlichem Auftreten und agierte lebhaft und sang dazu ganz ausgezeichnet.


Hoffmann kam zu sich: „Stella, verlass mich nicht“, waren seine ersten gestammelten Worte, als er aus seinen Träumen erwachte. Bier und Trauerblumen wurden von Hoffmanns Kumpanen hereingebracht, ebenso ein überlebensgroßes und mit einem Trauerflor geschmücktes Portrait der Stella. In merkwürdigem Kontrast dazu erklangen die fröhlichen Trinklieder, in denen auch die Diva gewürdigt wurde.


Hoffmann beim Klein-Zach


Dann hob Hoffmann zum Klein-Zach an, zu dem er auch gut zum Text passend mimte. Als Hoffmann zu Stella überging, änderte sich auch die Beleuchtung, und Hoffmann stellte sich vor das Bild Stellas. Dazu wandelte eine stumme Stella als gespenstische Erscheinung über die Bühne. Sie spielte ihren Tod noch einmal, und auf ihrem Kleid erschien ein großer Blutfleck.


Der Klang des Orchesters änderte sich entsprechend. Von musikantisch-akzentuiertem Klang leitete der Dirigent zu einem melancholischen Ton über. So viel Mitdenken erlebt man auch nicht in jedem Orchestergraben. Dann gab es den ersten Szenenapplaus für Hoffmann, dessen lyrisch-warmer Tenor mir gut gefiel.


Als Hoffmann von den drei Frauen in einer sang, schritt die gespenstische Stella wieder über die Bühne. Hier wurde nicht nur gut musiziert und schön gesungen, sondern auch bildlich umgesetzt, was der Text verlangte. Dann verteilte Niklaus Notenblätter mit dem Titel Olympia für den folgenden Akt. Das Vorspiel in Lutters Taverne hatte gerade mal 30 Minuten gedauert. Da hatte man vernünftig gekürzt.


Olympia


Der Olympia-Akt begann wieder mit einer Überraschung. Quer über die Bühne war ein Vorhang gespannt, auf dem ein dem gelben Logo der Deutschen Grammophon nachempfundenes Label prangte: France Classique OLYMPIA in cooperation avec Spalanzani.

Also, an originellen Einfällen war hier bisher kein Mangel. Und alles durchaus werkskonform.


Coppelius trat in einem Dandy-Anzug auf und begrüßte Hoffmann mit einem so kräftigen Händedruck, dass dem die Hand schmerzte. (Das hatte schon Lindorf mit ihm getan.)


Hoffmann begann von Olympia zu schwärmen, doch Niklaus blickte nur skeptisch drein. Dann nahm Niklaus dem Hoffmann die Zauberbrille weg, und Hoffmann musste handgreiflich werden, um sie wieder zu bekommen.


Affektierte und bizarre Figuren wie aus einem Panoptikum bildeten Spalanzanis Gäste. Sie bewegten sich automatenhaft. Olympia stand in einer großen Vitrine, und Cochenille lief immer wieder mit einem Rauchaugust herum, vermutlich um Spalanzanis Theaterschwindel zu vernebeln.


Volles Risiko ging der Chor ein. Die schnelle Passage, in der Olympias Augen und ihre Schönheit gepriesen werden, wurde allegro gesungen und es klappte hervorragend. Chor und Orchester waren präzise im Takt. Hier hatte man offensichtlich fleißig geübt. Zur Erinnerung: an der hochwohllöblichen Münchner Staatsoper hatte man an dieser Stelle das Tempo auf moderato oder gar andantino gedrosselt.



Und während der ganzen Zeit versuchte Niklaus den hingerissenen Hoffmann auf den Boden der Tatsachen zu zerren und tat das auch ganz handgreiflich, doch vergeblich. Dann wurden von Spalanzani die Besitzrechte an Olympia versteigert.



Eine puppenhafte Olympia trat auf und begeisterte mit einer strahlenden Koloratur. Immer wenn sie schwächelte, wurde sie aufgezogen, wobei das Geräusch dazu von Lautsprechern kam. Mit wiederholtem Jubel und langanhaltendem Beifall wurde sie belohnt. Dann tänzelte Olympia zum Takt der Musik.


Hoffmann und Antonia




Mutter, Mirakel und Antonia


Hoffmann wurde immer ungeduldiger, weil Niklaus ihn dauernd von Olympia fernhalten wollte. Schließlich schmiss er ihn raus. Der Regisseur erinnerte uns immer wieder an die Dreieinigkeit Olympia-Antonia-Giulietta mit Stella indem er hier vorübergehend Stella in Olympias Glaskasten stellte. Diese Inszenierung war voll von intelligenten und vor allem werkimmanenten Details.


Als Coppelius die Olympia getötet hatte, lag plötzlich Stella tot da. Kräftiger, langanhaltender Applaus für diesen Akt, und dann Pause.


Zu Beginn des Antonia-Aktes wurde Stellas Todesanzeige wieder auf den Gazevorhang projiziert. Hoffmann kam vor den Vorhang und blätterte in Papieren, vermutlich in den von ihm selbst geschriebenen Erzählungen.. Hinter ihm lag die tote Stella auf einem Tisch, und er erschrak heftig, als er sie erblickte. Dann verschwand Stella hinter dem Tisch, und vorne kroch Antonia heraus. So eindringlich hatte in den mir bekannten Inszenierungen kein Regisseur die Identität der drei Frauen Hoffmanns dargestellt.


Antonia sang ihr Lied von der entschwundenen Taube auf Französisch, wenn ich richtig gehört habe. Ihr Gesang war ergreifend schön und voller Dramatik. Als sich die beiden begegneten, bekam Hoffmann eine Ohrfeige, gefolgt von einer innigen Umarmung.


Antonia öffnete eine Schatulle, in der sich eine tote Taube, eine Papiertaube und ein Art Wasserpistole befanden. Wunderschöne Duette Antonia – Hoffmann folgten. In der Hand hielt sie fast immer ein Urne – vermutlich mit der Asche ihrer Mutter.


Zu Mirakels Pseudodiagnose wurden Vater Krespels Augen zugebunden, und Mirakel pendelte mit einem an einer Schnur hängenden toten Vogel die wieder erschienene Stella ab. Ein echter Scharlatan also, oder muss man heute politisch-korrekt sagen, ein Alternativheiler?


Die Auseinandersetzung Krespel – Mirakel wurde ausführlich und darmatisch gut dargestellt. Dann übergoss dieser Heilkünstler den zweifelnden Krespel zur Strafe mit dem Inhalt seiner homöopathischen Flaschen, bis Antonias Vater platschnass war. Endlich wagte ein Regisseur wieder einmal, den Auftritt des Franz zu streichen, und ich vermisste ihn überhaupt nicht. Leider hatte man auch wieder einmal die Geigenarie gestrichen. Diese Muse hätte sie sicherlich großartig interpretiert.


Antonias Mutter erschien in einem schwarzen Kleid, und ein traumhaft schönes und gefühlvoll begleitetes Terzett Antonia – Mutter – Mirakel erklang. Danach erschoss sich Antonia mit der Wasserpistole, ein großer Blutfleck ergoss sich über ihre Brust, auch das große Bild der Mutter wurde von Blut überströmt.


Krespel beschuldigte Hoffmann, für Antonias Tod verantwortlich zu sein und wollte sich an ihm rächen. Dann hob Mirakel den Tisch, und unter ihm lag die tote Stella. Kräftiger Applaus für diesen Akt, und kurze Umbaupause.


Pitichinaccio (HG), Giulietta und Dapertutto


Flirrende Geigen erklangen zum Auftakt der Barkarole, und wie in Berlin drei Tage zuvor hatte man die Piccoloflöte weggelassen. Die Bühne war gefüllt mit weißgekleideten Tänzern in Fantasieuniformen. Ein riesiger Spiegel bildete den Hintergund, davor standen diverse Ballettstangen, an denen sich die Tänzer langsam im Takt der Barkarole bewegten. Wie der Dirigent auf die Piccoloflöte im Orchester verzichtete, kam die Bühne ohne eine Gondel aus. Die sind ohnehin schon lange out.


Und wie hatte man die Giulietta ausstaffiert? Wie eine Punkerin mit feuerrotem Haarbüschel auf dem Kopf. Dapertutto war eine mystische Figur in der Art eines Spiderman. Giuliettas Liebling Pitichinaccio war ein androgyner Tänzer, der gelegentlich über die Bühne turnte. Panta rhei. Auf die Spiegelarie hatte man erfreulicherweise verzichtet, nur die Melodie wurde kurz auf einem Klavier angespielt. Giulietta bewunderte dazu einen Diamanten. Viele Männer mit Revolvern erschossen sich gegenseitig, als sie mit den Schießgeräten Russisches Roulette spielten.


Für die schön gesungene Ode an die Freude von Hoffmann und Giulietta gab es verdienten Applaus. Den Verlust des Spiegelbildes hatte man einfach dargestellt: Über die Mitte der großen Spiegelwand hängte man ein graues Tuch, und Hoffmann sah sich natürlich nicht mehr.


Und dann gab es wieder einmal das selten gewordene Sextett. Wenn es schon sein musste, so wurde es doch zu einem akustischen Genuss, denn der Chor stand auf beiden Seiten des Parketts, und viel Musik erfüllte den Raum von allen Seiten. Dazu erschien Stella wieder auf der Bühne. Und Giulietta schrieb in großen roten Buchstaben auf den Spiegel: L E B E


Schlemihl und Hoffmann beim Duell



Auch das Duell Hoffmann – Schlemihl wurde als Russisches Roulett ausgetragen, beide hielten sich gegenseitig Revolver an die Köpfe. Da war wieder viel Blut auf der Bühne, besonders als Hoffmann auch noch Giulietta erschoss., die dann von Pitichinaccio heftig beweint wurde.


Im fünften Akt oder Nachspiel stand das große Bild Stellas mit dem Trauerflor wieder auf der Bühne. Hoffmanns Freunde saßen wieder auf den Bierkästen, und alle wirkten ziemlich mitgenommen. Hoffmann sang für Lindorf den Rest des Klein-Zach, und dieser floh. Und seine Stella bekam er auch nicht, denn die war schon tot.


Dann waren Hoffmann und die Muse alleine auf der breiten Bühne. Wunderschön durchsichtig spielten die Streicher des Orchesters die drei ansteigenden Töne zur Einleitung des Abgesangs der Muse: Ich liebe dich, Hoffmann, du bist nie alleine. Doch der fiel trunken um und klagt die Muse an: Du hast mein Leben zerstört.


Dann erschien auch Stella. Sie sagte zu Hoffmann: Was du suchst, findest du nur in der Kunst. Und dann wurde Hoffmann von Stella durch den Gazevorhang getrennt.


Der Abgesang der Muse auf Hoffmann geschah ohne Übertitel, so dass ich nur wenig vom abgewandelten Text verstand. Es folgte ein Rededuell zwischen Stella und der Muse, das ich auch nur teilweise verstand, weil verhallte Stimmen vom Lautsprecher dazu kamen. Die Übertitel blieben weg. Es ging vermutlich darum, dass Hoffmann zwischen Wirklichkeit und Fantasie hin und her gerissen war.

»Was du suchst, findest du nur in der Kunst«


Das war nun ein ziemlich chaotisches Ende, das man zeitlich etwas dehnen sollte, vor allem sollten die Stimmen klarer zu hören sein. Hoffmann lag dann besinnungslos am Boden, und die Muse legte sich zu ihm. Der Vorhang fiel.


Der Applaus war herzlich und ging in Jubel über, als Olympia, Antonia, Giulietta, der Widersacher und Hoffmann auf die Bühne kamen. Auch der Dirigent und das Orchester wurden verdientermaßen bejubelt. Acht Minuten dauerte der Applaus. Doch dann, während wir Zuschauer noch begeistert klatschten, fiel pötzlich der schwarze Vorhang und ging nicht mehr auf. Wir schauten uns verduzt an, ob da ein technisches Versagen oder ein Saboteur am Werk war. Denn da wären noch locker fünf Minuten mehr Beifall drin gewesen. Oder wollte gar ein Gewerkschaftsfunktionär die gesetzliche Arbeitszeit einhalten?


Das war nun wieder mal ein »Hoffmann« nach meinem Geschmack. Bestes Regietheater und kein steifes Rampensingen. Nun gut, der Regisseur und wohl auch die Dramaturgie hatten etwas am Libretto rumgebastelt und einige Eigenmächtigkeiten eingefügt. Doch die empfand ich nicht als störend, da sie die Botschaft dieser Oper nicht verbogen sondern verständlich machten. Auch das Publikum schien dieser Meinung zu sein, denn kein einziger Buh-Ruf wurde hörbar, als das Regieteam die Bühne betrat. Erfreulich war die weitgehende Abwesenheit von unverständlichen und bizarren Einfällen sowie von werksfremden und unsinnigen Ausschmückungen. Dafür viele intelligente Details.


Das Bühnenbild war leicht trashig, wie man das von Christian von Götz kennt, war aber nicht störend. Schließlich ist ja auch Hoffmanns Welt keine geordnete. In seinem Lissabonner »Hoffmann« ging es wesentlich trashiger zu. In Magdeburg bröckelte nur der Putz von den Wänden, ansonsten war alles eingermaßen gesittet.

Vom Orchester und dessen Dirigenten kann man nur in den höchsten Tönen schwärmen. Ein perfekter und dynamischer Klang aus einem Guss, immer zur jeweiligen Stimmung auf der Bühne passend.


Die Qualität der Schauspielkunst lag auf einem selten zu sehenden hohen Niveau. Auf der Bühne war immer etwas los, und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand einschlummerte, wie man das nicht selten in Opern beobachten kann. Trotz nur sechswöchiger Probenzeit hatte man ein selten zu sehendes Niveau der szenischen Darstellung erreicht.


Die Charaktere waren kantig, aber nicht extrem gezeichnet und mit eigenen Charakterzügen versehen, wie man sie an anderen Bühnen noch nicht gesehen hat. So war zum Beispiel der Widersacher gar nicht so böse und mystisch. Auch das machte Sinn, denn schließlich lehren uns die heutige Psychologie und die Anthopologie, dass das Böse immer und überall ist und in jedem von uns steckt.

Alle Rechte an den obigen Szenenfotos liegen beim Theater Magdeburg. Der Fotograf ist Andreas Lander. Wir danken für die freundliche Zusammenarbeit.


Insgesamt also eine Inszenierung mit ganz eigenständigen Merkmalen, die ich in mein persönliches Pantheon der besten »Hoffmänner« aufnehme. Die muss ich jedenfalls nochmals sehen. Wenn ich unser Fernsehen kenne, wird kein Sender den Magdeburger »Hoffmann« übertragen, sondern wieder irgendeine 08/15-Inszenierung von einem Festspiel- oder Metropolen-Theater mit dem einen oder anderen Weltstar. Also einfach hingehen und selbst ansehen.




Café Rossini




Nach der Premiere fand eine öffentlich zugängliche Premierenfeier im hauseigenen Café Rossini statt, auf der die folgenden Bilder entstanden.




Regisseur und Stella





Hoffmann und Muse


Olympia II (Julie Martin du Theil), Muse und Antonia




Olympia, Giulietta, Hoffmann, Antonia und Muse









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