Erster Klasse ins "Land am Meer"

Usedom, Stettin, Swinemünde und eine erstklassige Deutschland-Rundfahrt

polish flag by google

Pommern ist eine historische Landschaft beiderseits der Oder, die sich von der Halbinsel Darß bis fast vor die Tore von Danzig erstreckt. Der Name Pommern (po more) ist slawischer Herkunft und bedeutet so viel wie "Land am Meer". Das Gebiet setzt sich aus dem westlich der Oder gelegenen Vorpommern und dem östlich der Oder gelegenen Hinterpommern (heute im Wesentlichen die Wojewodschaft Westpommern) zusammen. Das wirtschaftliche Zentrum der Region ist nach wie vor Stettin/Szczecin. Heute ist Pommern die Heimat von zwei Nationen. Pommern gehört sowohl in Deutschland als auch in Polen zu den beliebtesten Urlaubsregionen.

 

Eine holprige ICE-Fahrt
Vom Rheinland an die Ostsee
Mit der Bahn rund um das Haff
Von der Swine zum Peenestrom
Mit dem Bus zur Hubbrücke
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[Fahrplanseite]
 

Zugleich mit der Vorbereitung meiner Tour zum "Südböhmischen Meer" kam im Juli die Idee auf, noch einmal Richtung Usedom und polnischer Grenze zu fahren. Auf Usedom war ich bereits 1994 sowie mit einer Gruppenfahrt 1996. Da dieses Mal ein Besuch von Stettin mit auf dem Programm stehen sollte, erschien eine Unterkunft auf dem Festland die bessere Wahl zu sein. So kam die Stadt Anklam in die engere Wahl.

Da ich Anfang September beabsichtigte, aus familiären Gründen ins Rheinland zu reisen, bot es sich an, dies mit einer Reise an die Ostsee zu verbinden. Damit stand der Termin in etwa fest, und die Buchung im Hotel Vis a Vis in Anklam war auf Anhieb erfolgreich. Zudem hatte mir die Deutsche Bahn AG eine bis September gültige "Schnupper-Bahncard 1. Klasse" zugeschickt. Zusammen mit einer relativ frühen Buchung und der Nutzung des Angebots "Europa-Spezial" ergaben sich so recht günstige Preise für eine erstklassige Deutschland-Rundfahrt. Mehr zu den Fahrplan und Kosten findet sich auf der Fahrplanseite (siehe auch Nachtrag mit wichtigen Informationen zur Kombination Europa-Spezial/Schnupper-Bahncard).

Eine holprige ICE-Fahrt

Eigentlich ganz einfach: In München in den ICE einsteigen, in Mannheim umsteigen, und am Bahnhof Siegburg/Bonn vier Stunden und neunzehn Minuten nach der Abfahrt in München ankommen. Leider kommt mein erster ICE an diesem Tag nur bis Augsburg. Dort stehen wir eine Weile herum; dann heißt es Aussteigen wegen Fahrzeugdefekts und auf den nächsten planmäßen ICE warten.

Vorteil des ersatzweise benutzten späteren ICEs ist, dass das Umsteigen in Mannheim entfällt. Leider kommt es just dort zu einem zweiten Fahrzeugdefekt, der irgendwie den vorderen Führerstand zu betreffen scheint. Lösung des Problems ist, Mannheim wieder in östlicher Richtung zu verlassen. Dadurch, dass der Lokführer ans andere Zugende wechseln muss, entsteht naturgemäß eine kleine Verspätung, die wir auch bis zum meinem Zielbahnhof nicht mehr aufholen.

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Vom Rheinland an die Ostsee

Einige Tage später beginnt dann die eigentlich Ostsee-Reise. Nachdem ich den Kölner Hauptbahnhof per Regionalexpress erreicht habe, steht mir nun die längste umsteigefreie Zugfahrt der Reise bevor: mit dem Intercity von Köln bis Greifswald – 762 Kilometer in sieben Stunden und zweiundzwanzig Minuten.

In Hamburg müssen die Züge in der Relation Bremen/Hannover – Schwerin kopfmachen. Dies geht aufgrund der baulichen Verhältnisse des Hauptbahnhofs nur auf Gleis 8 mit Ausfahrt über die normale Strecke am S-Bahnhof Berliner Tor vorbei. Für den Intercity 2216 wird an diesem Tag die andere Variante gewählt: wir wenden im westlichen Bahnhofsteil, fahren wieder Richtung Süden bis fast an die Elbbrücken zurück und erreichen beim S-Bahnhof Tiefstack die Strecke nach Bergedorf und Schwerin. Die ursprüngliche Strecke vom bis 1903 genutzten Berliner Bahnhof lag (Karte 1890, Karte 1910) übrigens in der Mitte zwischen den beiden heute möglichen Streckenvarianten vom Hauptbahnhof Richtung Bergedorf.

In Rostock erfolgt ein weiteres Kopfmachen. Mein Wagen steht so günstig, dass ich in einem Bäckerladen auf dem Bahnsteig meinen Reiseproviant ergänzen kann. Eine knappe Stunde später sind wir in Stralsund, und kurz danach erreichen wir Greifswald, wo der Intercity endet. Das seltsame Layout des Bahnhofs (der Mittelbahnsteig ist abschnittsweise nur einseitig nutzbar) führt zu einer speziellen Art des bahnsteiggleichen Umsteigens: der Halt des Regionalexpress auf Gleis 3 liegt ganz vorne am Bahnsteig, weitab vom Bahnhofsgebäude. Vom hinteren Bahnsteigteil aus muss man erst einmal erkennen, dass der Bahnsteig vorne noch eine zweite nutzbare Seite hat.

Nach kurzer Fahrt mit dem Regionalexpress komme ich mit kleiner Verspätung in Anklam an. Leider regnet es und der Weg zum Hotel ist wohl dank Solidarzuschlag rollkofferunfreundlich gepflastert. Da das zum Hotel gehörende Restaurant einen guten Eindruck macht (der später auch bestätigt wird), kehre ich dort zum Abendessen ein. Ein kleiner Verdauungsspazierung führt mich zur Peene, wo ich feststellen muss, dass Teile des Ufers und der Fußgängersteg wegen irgendeines "Events" allabendlich gesperrt sind. Egal – ich bin ja nicht wegen Spektakels hier, sondern nur einfacher Tourist.


Streckenskizze 515x396 Ausschnitt aus der Google-Maps-Darstellung zum Reisebericht (Google-Earth-Version). Die Karte zeigt in Rot die genutzten Bahnstrecken, in Magenta Buslinien, in Grün die Radtour und in Blau ist die Schifffahrt angedeutet.

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Mit der Bahn rund um das Haff

Oderhaff, Stettiner Haff, Pommersches Haff – gemeint ist jedes Mal dasselbe Gewässer, das durch die Inseln Usedom und Wollin von der offenen Ostsee getrennt ist, und durch das die deutsch-polnische Grenze verläuft.

Diese Grenze gilt es am Mittwochmorgen zu überqueren. Auf der Schiene heißt das von Anklam aus: Umsteigen in Pasewalk. Dort gibt es im Bahnhof im Gegensatz zu Anklam einen Laden, in dem ich eine Tageszeitung erwerbe und mich mit dieser auf eine sonnenbeschienene Bank setze. Der von Lübeck kommende, internationale Regionalexpress nach Stettin besteht aus einer Garnitur der Baureihe 628. Mit meiner bis Stettin reichenden Fahrkarte erster Klasse mache ich es mir in ebenjener bequem, so dass sich die 40 Minuten Fahrzeit gut ertragen lassen.

Das war's dann auch schon mit bequem: in Stettin steht zu Fuß laufen auf dem Programm. Interessanterweise ist hier der Pfad zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf den Boden markiert. Passend dazu gibt es einen Altstadtplan im deutschsprachigen Stadtführer (interaktiver Stadtplan). Von dem vorgezeichneten Pfad weiche ich an einigen Stellen etwas ab, teils um gute Standorte zum Fotografieren zu finden, teils einfach um abzukürzen, und irgendwo ist auch eine Baustelle im Weg. Anzuschauen gibt es einige Kirchen, die sogenannte Hakenterrasse mit tollem Blick über Oder und Hafenanlagen, und natürlich das wieder aufgebaute Stettiner Schloss.

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Bereits kurz nach der Ankunft hatte ich an einem Automaten den Fahrschein für die Weiterfahrt erworben. Für das Ziel Swinemünde ist bei der Deutschen Bahn kein Europa-Spezial-Fahrschein im Angebot (diese Aussage stellte sich im Nachhinein als nicht korrekt heraus – siehe Nachtrag unten auf der Fahrplanseite), und eine normale Fahrkarte nach internationalem Tarif wäre um ein mehrfaches teurer gewesen, als die 22 Złoty, die das von der Staatsbahn PKP abgespaltene Bahnunternehmen Przewozy Regionalne für die Strecke Stettin – Swinemünde verlangt.

Die über 100 Kilometer lange Strecke wird mit einem S-Bahn-ähnlichen elektrischen Triebwagenzug befahren. Insbesondere am zweitwichtigsten Stettiner Bahnhof Szczecin Dąbie werden die Wagen recht voll. Bei der Stadt Wolin/Wollin erreichen wir die gleichnamige, östlich an Usedom anschließende Insel mittels einer Brücke über die Dziwna/Dievenow. Die Dziwna ist neben Peenestrom und Swine der dritte Mündungsarm der Oder.

Auf der Insel führt die Bahnstrecke dann nach Westen, bis wir den unmittelbar an der Swine gelegenen Bahnhof Świnoujście erreichen. Ursprünglich wurde Swinemünde von der Eisenbahn aus Richtung Südwesten erreicht. Züge vom Festland fuhren über die Karniner Brücke (siehe unten) durch den Süden der Insel Usedom zum ehemaligen Swinemünder Hauptbahnhof.

Von der Swine zum Peenestrom

Heute teilen sich die Bahnanbindung von Swinemünde der Bahnhof östlich der Swine (Ostswine/Warszów) in Richtung Polen und der neue Bahnhof Świnoujście Centrum (nahe des ehemaligen Haltepunktes Swinemünde Bad) in Richtung des deutschen Teils der Insel Usedom. Aktuelle Planungen sehen vor, dass die in Świnoujście Centrum endende Strecke der Usedomer Bäderbahn westlich um Swinemünde herum geführt wird, und an eine wieder aufzubauende Bahnstrecke in Richtung der Stadt Usedom und nach Karnin anschließt. Die alte Trasse durch das Stadtgebiet zum ehemaligen Hauptbahnhof ist heute verbaut (historische Karte mit Bahnstrecken).

Wie auch immer sich die Bahnanbindung der Stadt entwickelt – der heute in Swinemünde mit der Bahn aus Richtung Polen ankommende Reisende muss auf seinem Weg ins Stadtzentrum zuerst einmal die Swine überqueren. Ein immer wieder geplanter Swinetunnel wurde bis heute nicht realisiert. Stattdessen gibt es direkt am Bahnhof eine Fährverbindung. Alle 15 bis 20 Minuten verkehrt eine der großen Autofähren. Auch am Mittwochnachmittag herrscht ziemlicher Andrang – die Autos warten vierspurig vor der Rampe. Für Fußgänger ist die Überfahrt entspannter – und kostenlos.

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Die Innenstadt von Swinemünde ist nett aber unspektakulär. Mein Weg führt mich vom Fähranleger zunächst zum Plac Wolności (Freiheitsplatz, ehem. Kleiner Markt). Vorbei am Turm der ehemaligen Lutherkirche und ein Stück am Kurpark entlang geht es weiter zum Stadtteil "Seebad". Hier ähnelt Swinemünde den Seebädern im deutschen Teil der Insel. Es schließt sich ein kleiner Strandspaziergang an, von dem ich dann in Richtung des UBB-Bahnhofs Swinemünde Zentrum abbiege.

Pünktlich fährt die Bäderbahn ab. Die Strecke verläuft via Heringsdorf und Zinnowitz zum Peenestrom bei Wolgast. Hier befindet sich eine Klappbrücke über die heute die einzige Bahnverbindung zwischen Usedom und dem Festland führt. Zwischen 1945 und 2000 konnten Eisenbahnfahrzeuge nur mittels Fährtransport zwischen den Bahnhöfen Wolgast Hafen und Wolgast Fähre auf die Insel gebracht werden. Auch die heute bei der UBB eingesetzten modernen Fahrzeuge erreichten 1993 auf diese Weise erstmals ihr Einsatzgebiet (siehe Seite der UBB).

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Auf dem Festland befördert mich die Bäderbahn weiter bis Züssow. Nachdem die letzte Fahrkarte des Tages am Automaten erworben ist, steige ich in den Regionalexpress nach Anklam. Im Hotel angekommen ist mein Aktivitätspotenzial für heute bis auf Duschen und Abendessen im hoteleigenen Restaurant erschöpft.

Mit dem Bus zur Hubbrücke

Eigentlich gibt es eine Bushaltestelle direkt am Hotel. Wegen einer Baustelle wird sie allerdings nicht angefahren, und mir war auch unklar, ob dort nicht nur der Stadtbus hält. Da letzteres auch für eine Ersatzbushaltestelle gilt, gehe ich auf Nummer sicher und steige am Bahnhof ein. Die Linie 201 befördert mich über die Zecheriner Klappbrücke nach Usedom. Nicht nur auf die Insel, sondern wir fahren auch durch die Stadt Usedom.

Die dortige Bushaltestelle liegt zwischen dem ehemaligen Bahnhof und der Altstadt. Hier werde ich an diesem Tag noch zweimal vorbei kommen, was mich im Nachhinein auf die Idee bringt, ob ich nicht etwas Busfahren durch einen Stadtrundgang hätte ersetzen sollen (siehe Fahrplanseite). Stattdessen fahre ich aber bis nach Heringsdorf, wo ich in die "Usedom-Entdecker-Linie" umsteige. Diese Buslinie erschließt in einigen Schleifen den Süden der Insel.

Nach einer Fahrt mit ein paar Umwegen auf teils sehr schmalen Straßen erreichen wir Karnin. Hier gibt es zwanzig Minuten Aufenthalt, um die Überreste der Karniner Hubbrücke anzuschauen. Wie bereits erwähnt, befand sich hier bis 1945 der Eisenbahnübergang zwischen Festland und Insel. Die Strecke führte über die Stadt Usedom nach Swinemünde und weiter nach Heringsdorf. Später kam der Abschnitt zwischen Heringsdorf und Wolgast Fähre hinzu.

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Außer dem Blick auf das Brückenfragment gibt in Karnin noch den ehemaligen Bahnhof (heute Privatbesitz), einen kleinen Hafen sowie einen Imbiss, an dem ich eine Broschüre zur Karniner Brücke erwerbe. Etwas aktueller ist ein Buch, das sich mehr mit dem Wiederaufbau der Bahnstrecke beschäftigt.


 

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Zuletzt geändert am 16.10.2013 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt