Erster Klasse ins "Land am Meer"

Usedom, Stettin, Swinemünde und eine erstklassige Deutschland-Rundfahrt      ––   Teil 2   ––

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[zum ersten Teil]
Seebrücken und Haffschifffahrt
Anklamer Spaziergang
Mit dem Fahrrad auf dem Bahndamm
Der Kreis wird geschlossen
[Seitenende]
[Fahrplanseite]
 

Seebrücken und Haffschifffahrt

Von Karnin führt die Entdecker-Linie auf einer anderen Route wieder zurück zu den Badeorten auf der Ostsee-Seite der Insel. Ich verlasse den Bus an der ersten Haltestelle in Ahlbeck und wende mich Richtung Strand. Nach einer kleine Pause in der Nähe der Seebrücke mache ich mich auf den Weg in den Nachbarort Heringsdorf. Auch hier ist die Seebrücke eine unübersehbare Landmarke.

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In Heringsdorf geht es dann wieder landeinwärts – zum Bahnhof. Aber auch hier besteige ich nicht die Bahn, sondern warte auf den Bus nach Kamminke. Kamminke liegt wie Karnin am Oderhaff, allerdings etwa 25 Kilometer weiter östlich, unmittelbar an der polnischen Grenze. Außerdem ist das Festland nicht wie in Karnin nur 500 Meter entfernt, sondern mehr als 15 Kilometer. Der deutsche Teil des Haffs hat hier seine größte Ausdehnung.

Im Hafen von Kamminke liegt die "Priwall V" der Reederei Peters aus Ueckermünde. Und nach Ueckermünde soll mich das Bötchen auch bringen – genauer gesagt mich und vier weitere Fahrgäste, die an diesem Tag die Nachmittagsüberfahrt nutzen wollen. So finden wir bei bestem Wetter alle auf dem kleinen Freideck am Heck Platz und genießen die eine Stunde und zwanzig Minuten dauernde Schifffahrt. An Bord gibt es einen Imbiss- und Getränkeverkauf und so genehmige ich mir das erste Bier des Tages.

Ueckermünde liegt nicht unmittelbar an der Haffküste, sondern zwei Kilometer landeinwärts. Es besitzt aber einen Stadthafen, den auch etwas größere Schiffe als die Priwall über die Uecker erreichen können. Und direkt am Stadthafen befindet sich seit 2009 der Endbahnhof der Bahnstrecke nach Ueckermünde. Wir machen pünktlich am Anleger fest, und ich muss ich nur ein kurzes Stück um das Hafenbecken herum gehen und kann dann in den eingefahrenen Triebwagen der Ostseeland Verkehr (OLA) einsteigen.

Nach Umsteigen in Jatznick bringt mich ein Regionalexpress zurück nach Anklam. Am Abend geht es in die gegenüber von meinem Hotel gelegene Gaststätte "Am Steintor". Mit Essen und Service bin ich hier ebenso zufrieden wie im "Vis a Vis". In Anschluss mache ich noch einen kleinen Stadtrundgang, der auch den Zweck erfüllt, einen passenden Geldautomaten zu finden.

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Anklamer Spaziergang

Am Freitag möchte ich etwas in die Pedale treten. Erfreulicherweise stellt das Hotel ein kostenloses Leihfahrrad. Mit der Erfahrung der Vortage habe ich den Beginn der Radtour aber nicht direkt nach dem Frühstück sondern im Laufe des Vormittags geplant.

Auch heute sind die Frühtemperaturen recht niedrig und es ist etwas dunstig. Ich nutze den Morgen für einen kleinen Fotospaziergang durch Anklam: Peene, Marienkirche, ehemalige Nikolaikirche, Pulverturm. Den Turm des unmittelbar neben dem Hotel gelegenen Steintors kann ich sogar von meinem Zimmerfenster aus fotografieren.

In der Marienkirche fallen zuallererst die farbig bemalten Säulen ins Auge, dann aber auch der leider nicht überall gute Bauzustand. Die ehemalige Nikolaikirche dient heute als sogenanntes Ikareum. Hier sind zu Ehren von Otto Lilienthal, der in Anklam direkt neben der Nikolaikirche geboren wurde, verschiedene Hängegleiter und andere Exponate ausgestellt (siehe auch Otto-Lilienthal-Museum).

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Die Nikolaikirche und das Ikareum sind sicher eines der interessantesten Projekte in Anklam. Die Kirche war bis 2008 ohne den Schutz eines Daches (Aufbauhistorie), und erhielt nach einer Notlösung erst 2011 eine Bedachung in der ursprünglichen Form. Die fehlende Kirchturmspitze soll allerdings nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden sondern man möchte den ursprünglichen Turm in seinen Abmessungen durch eine begehbare, teilweise unverkleidete Stahlkonstruktion wieder herstellen und so die Idee des Ikareums um einen zusätzlichen Erlebnisfaktor ergänzen. Die Nikolaikirche wäre damit wieder das mit Abstand höchste Gebäude Anklams und eine weithin sichtbare Landmarke. Zum Projekt existieren ein Faltblatt sowie eine Studie als Kurzfassung und Langfassung.

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Mit dem Fahrrad auf dem Bahndamm

Wie erhofft kommt zwischen 10 und 11 Uhr die Sonne heraus, so dass die Radtour starten kann. In der Nähe des Bahnhofs quere ich zunächst die Bahnstrecke. Ein Stück später geht es links ab auf einen Feldweg entlang der Peeneniederung. Vorbei an Feldern, Moorgebieten und Wasserläufen steuere ich die auf einer Halbinsel liegende Siedlung Anklamer Fähre an. Ich muss feststellen, dass die Wege dorthin nicht mehr ganz dem entsprechen, was meine Karte (Kompass FK 3023: Usedom, Stettiner Haff, Greifswald) oder das Fahrrad-Routing von Google anzeigen. Auch die Verteilung der Wasserflächen sieht in Realität etwas anders aus. Wie auch immer: es gibt genau einen befahrbar aussehenden Weg auf die Halbinsel, so dass ich eben eine kleine Stichfahrt mache.

Anklamer Fähre hat reetgedeckte Häuser, einen kleinen Hafen, und dem Namen entsprechend gibt es die Möglichkeit, mit einem Ruderboot nach Usedom überzusetzen. Eine insbesondere bei Radfahrern etwas populärere Übersetzgelegenheit gibt es im nächsten Ort: die Fähre zwischen Kamp und Karnin. Da ich aber bereits am Vortag in Karnin war, und da die Preisgestaltung der Fähre ab September dann doch recht abschreckend ist (was bei der Planung der Reise zur Entscheidung für den Bus nach Karnin und die Haff-Überfahrt Kamminke – Ueckermünde führte), verzichte ich auch hier auf die Überfahrt.

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Kamp ist ansonsten ein nettes Plätzchen. Es gibt zwar statt Gaststätte nur einen Imbiss, der hat aber Tische und Stühle direkt am Hafenbecken aufgestellt. Das Hafengelände macht einen sehr gepflegten Eindruck. Auch hier ist wieder der Blick auf die Karniner Hubbrücke ein Anlass für den Besuch des Ortes. Direkt am Ufer entlang führt ein Weg zum festlandseitigen Brückenkopf der ehemaligen Anlage. Hier mache ich noch ein paar Fotos vom noch existierenden Mittelteil der Brücke.

Anschließend folgt ein fahrradtechnisches Experiment, indem ich mich für die Weiterfahrt auf dem ehemaligen Bahndamm entscheide. Der Weg ist steinig, aber mit angepasster Geschwindigkeit ist die Fahrt kein Problem. Rechts und links liegen Wasserflächen, die sich zum Teil erst nach einem Deichbruch 1995 gebildet haben. Leider hat es der Kompass-Verlag nur sehr unvollkommen geschafft, die aktuelle Situation in seiner Karte abzubilden; Google Maps ist etwas näher an der Realität.

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Die Fahrmöglichkeit auf dem Bahndamm endet am Radwanderweg zwischen Anklam und Ueckermünde. Ich fahre weiter Richtung Süden nach Bugewitz; auf der linken Seite begleiten immer noch große Wasserflächen mit Kormoranen und Reihern den Weg. Bugewitz ist ein langgezogenes Straßendorf; reetgedeckte Häuser und die Dorfkapelle machen den Reiz des Ortes aus.

Am Gasthaus zum Mühlengraben (das u.a. durch ein Kulturprogramm belebt wird), biege ich Richtung Kosenow ab. Noch einmal quere ich den Bahndamm zur Karniner Brücke und danach die Bahnstrecke zwischen Anklam und Pasewalk. Hinter Kosenow geht es ein ganz kurzes Stück entlang der Bundesstraße 109. Ich bin froh, als ich wieder abbiegen kann – in Mecklenburg-Vorpommern scheinen immer weniger Einwohner immer mehr Autoverkehr zu erzeugen. Vorbei an Kagendorf und Dargibell erreiche ich Gellendin, wo wiederum eine Dorfkapelle zu einem kurzem Stopp einlädt (ebenso wie in Bugewitz nur von außen anzuschauen).

Zum Abschluss verfranze ich mich ein bisschen in Anklam; eine Fahrradkarte ist halt kein Stadtplan. Ins Auge fällt mir noch ein Straßenschild "Kleinbahnweg". Gemeint ist hier die ehemalige Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (Fotoseiten). Wie dicht das Netz der Kleinbahnen in Vorpommern einst war, zeigt eine Karte (ohne Hervorhebung: Pommern 1905, Kreis Anklam 1905 – die eingezeichneten Doppellinien sind Bahnen, keine Straßen). Zu den Bahnen rund um Anklam sei auch auf ein Buch verwiesen (Zeitungsartikel).

Die Radtour ist dann bald zu Ende: Nach einem Abstecher zum Marktplatz erreiche ich das Hotel. Geduscht und umgezogen geht es dann noch einmal zu Fuß in die Altstadt und an die Peene, und abends zum Essen noch einmal ins Restaurant des Hotels Vis a Vis.

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Der Kreis wird geschlossen

Zum Glück bin ich am Samstagmorgen mit etwas Zeit am Anklamer Bahnhof. So kann ich auf die Durchsage, dass der Intercity heute am anderen Bahnsteig abfährt, problemlos reagieren. Merkwürdigerweise sind die Bahnsteigabschnitte in Anklam nicht parallel sondern gegenläufig angeordnet, so dass die Zuordnung des Wagenstandanzeigers durch den Bahnsteigwechsel nicht mehr stimmt.

Der Intercity kommt bereits von Binz auf Rügen und selbst in der ersten Klasse muss man etwas schauen, um einen Platz zu bekommen. Ich finde aber ohne Probleme Platz in einem Abteil, in dem zunächst nur die beiden Fensterplätze belegt sind. Eine Durchsage im Zug klärt darüber auf, dass der Gleiswechsel in Anklam und die Verspätung durch ein Problem bei der Klappbrücke über die Peene verursacht wurden.

Bis Berlin wird der Zug immer voller, am Hauptbahnhof steigen dann aber mehr Fahrgäste aus als ein. In Bitterfeld sind für den IC 2356 acht Minuten Aufenthalt vorgesehen. Auch wenn der Grund dafür unklar bleibt, führt es dazu, die schon aus Anklam mitgebrachte Verspätung abzubauen. In Halle gibt es noch einmal einen fahrplanmäßigen Aufenthalt wegen eines Korrespondenzhalts der IC-Linie Norddeich – Dresden. Leider hat deren Zug so viel Verspätung, dass wir in Halle fast zehn Minuten zu spät abfahren.

In Naumburg erreiche ich aber problemlos den Anschluss an ICE 209, da dieser ebenfalls zehn Minuten zu spät dran ist. Bis München gibt es nur noch zwei Zwischenhalte: Jena und Nürnberg. Dazu kommen allerdings noch ein unplanmäßiger Stopp in Saalfeld und ein Halt vor einem baustellenbedingt eingleisigen Abschnitt im Frankenwald. Inzwischen hat sich das sonnige Wetter nördlich von Berlin in Regen verwandelt. Bei Ankunft in München regnet es zwar nicht mehr, aber wir haben immer noch zehn Minuten Verspätung. So ist es eine S-Bahn später als geplant, die mich nach Hause transportiert.

Den Kreis der erstklassigen Deutschland-Rundfahrt habe ich auf der Höhe von München-Laim geschlossen – über 2200 Kilometer (siehe Fahrplanseite). Beim Aufenthalt in Vorpommern hat sich wieder gezeigt, dass gute Planung hilft, wenn man in relativ kurzer Zeit relativ viel machen möchte. Die Planung hätte sogar noch etwas besser sein können, aber hinterher ist man immer schlauer. Beim Wetter (und bei Streiks der GDL) hilft dagegen nur Glück – auch das hat soweit geklappt. Ob es wieder 17 Jahre dauert, bis ich das nächste Mal in die Gegend von Usedom komme, wird die Zukunft zeigen.


 

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Zuletzt geändert am 14.10.2013 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt