Pfingstausflug 2004
Wo sich Dampfzug und Straßenbahn begegnen

Teil 2: Wandern im Harz

 

 
Mit Dampf in den Harz
 

 
Mit Dampf in den Harz
 

Samstag ist Wandertag. Ein Dampfzug soll uns weiter in den Harz hinein bringen. Die Fahrscheine erwerben wir in der schon vom Vortag bekannten Bahnhofsgastätte "Zum Quirl". Nach dem Zusteigen in einen der hinteren Wagen teilt uns der Schaffner mit, daß Aussteigen am Haltepunkt Sophienhof nur aus den vorderen beiden Wagen möglich ist. Beim Wasserfassen am Bahnhof Eisfelder Talmühle ist ausreichend Zeit zum Umsteigen, so daß wir uns nicht durch von Wagen zu Wagen vorarbeiten müssen.

Leider verläuft am Zielbahnhof die HSB-Strecke im Tal, so daß uns der Wanderweg zuerst einmal einen steilen Hang hinauf führt. Danach wird das Gelände etwas flacher, es geht aber noch mehrmals kleinere Wegstücke auf und ab. Nur eine Minderheit unsere Gruppe kann sich dann noch zum Besteigen des Aussichtsturms Carlshaus entschließen. Die Mehrheit entscheidet sich für die weniger anstrengende Wegvariante.

Nachdem wir die Kartenlage und die Realität des Wegenetzes nicht ganz in Übereinstimmung bringen können, erreichen wir zu einem verspäteten Mittagessen die Gaststätte Rebentisch in Rotacker bei Hasselfelde. Von dort laufen wir in Sichtweite von Hasselfelde weiter Richtung Stiege. Zwischen den beiden Orten stoßen wir auf die HSB-Strecke Stiege – Hasselfelde. Da die HSB mit Ausnahme der Brockenstrecke nur wenige Male am Tag verkehrt, bekommen wir hier aber keinen Zug zu sehen.

In Stiege schauen wir uns etwas im Ort um, laufen an Schulteich und Oberteich vorbei und gönnen uns dann eine Pause im Eiscafé Weidling. Dann wird es Zeit, zum nahegelegenen HSB-Bahnhof zu gehen. Dort erwartet uns die Besonderheit einer Wendeschleife für Eisenbahnzüge. Diese Schleife wurde 1984 angelegt, um lokbespannten durchgehenden Zügen zwischen Nordhausen und der Selketalbahn das Umspannen zu ersparen.


Am Bahnhof Stiege wollen wir uns nochmals über die genaue Abfahrtzeit unseres Zuges informieren sowie die Frage klären, ob der Triebwagen in einer Relation verkehrt, die ein Durchfahren der Wendeschleife wahrscheinlich macht. Für die Selketalbahn Gernrode – Eisfelder Talmühle finden wir gleich zwei Fahrplanaushänge. Obwohl diese sich auf dieselbe Fahrplanperiode beziehen und sogar ein identisches Ausgabedatum haben, weichen sie in den Abfahrtszeiten voneinander ab. Das kommt uns dann doch etwas komisch vor.

Bedenklich erscheint uns auch, daß die Abweichungen zwischen den beiden Fahrplänen am größten in Stiege und auf dem vor uns liegenden Streckenabschnitt sind. Hier scheint sich eine Art Kulminationspunkt der Unschärferelation zu befinden. Ob Heisenberg das wußte? Oder gibt es in der Nähe gar ein Schwarzes Loch, und es kommt zu temporalen Verzerrungen? Wir harren der Dinge, die da auf uns zukommen.

Diese Dinge materialisieren sich in Form eines Dampfzuges, der von Alexisbad kommend nach Hasselfelde weiterfährt, sowie eines Triebwagens, der von Nordhausen kommt und uns auf der Rückfahrt bis Ilfeld mitnehmen soll. Diese Konstellation bedeutet allerdings auch, daß keiner der Züge durch die Schleife fährt. Welcher der beiden zur Auswahl stehenden Fahrplanaushänge näher an der Realität liegt, bleibt aufgrund einer (nicht nur) HSB-typischen Unschärfe bei der Umsetzung von Fahrplänen unklar. Auswirkungen eines Schwarzen Lochs können wir ansonsten nicht feststellen (obwohl HSB-Dampfzüge schonmal den Himmel verdunkeln), so daß wir Ilfeld wohlbehalten erreichen.

Zum Abendessen sitzen wir zunächst in einem Lokal mit Streckenblick. Da uns dort Service und Qualität des Essens nicht so ganz zusagen, wechseln wir zu ein paar Bieren und sonstigen Getränken in die Gaststätte Poppenbergs Ruh, wo wir uns deutlich besser aufgehoben fühlen. Dort beschließen wir auch das Programm für Sonntag. Anstatt des ursprünglich angedachten Besuchs des Mansfelder Landes und der Wipperliese will ein Teil der Gruppe noch etwas zu Fuß gehen, ein anderer Teil möchte das Schaubergwerk Rabensteiner Stollen besichtigen. Außerdem wollen wir uns auch etwas in Nordhausen umschauen.

Fahrplan Stiege - Variante 1 Fahrplan Stiege - Variante 2 mw

 
Ilfelder Viadukt
Ilfelder Viadukt

 
Grubenbahn Rabensteiner Stollen
 

 
Grubenbahn Rabensteiner Stollen
 

 
 
 
 
Duo-Combino am Nordhäuser Rathaus
 
 
Am nächsten Tag setzen wir dann unsere Pläne in die Praxis um. Während der größere Teil der Gruppe von Ilfeld Richtung Rabensteiner Stollen wandert, nimmt der kleinere Teil wie am Vortag den Dampfzug. Die Zugfahrer hoffen, auf diese Weise früher am Bergwerk zu sein und die gewonnene Zeit für die Besichtigung nutzen zu können. Die Wanderer haben allerdings den Vorteil, nicht an einen Fahrplan gebunden zu sein, und brechen in Ilfeld deutlich früher auf. Daher stellt sich letztlich heraus, daß die Wanderer nur unwesentlich später als die Bahnfahrer am Rabensteiner Stollen eintreffen. Und dies, obwohl die Wanderung durch eine längere Pause unterbrochen ist, um die Fahrt des Dampfzuges über das Viadukt beim Ilfelder Schwimmbad zu beobachten.

Die Wanderer nutzen ihre recht frühe Ankunft am Rabensteiner Stollen für eine Fahrt mit der Grubenbahn über das Freigelände und ein Mittagessen in der Gaststätte "Zur Harzbahn" am daneben liegenden HSB-Haltepunkt Netzkater. Da danach immer noch viel Zeit ist, bis der Triebwagen Richtung Nordhausen fährt, wird die Wanderung etwas verlängert, um bereits am Bahnhof Eisfelder Talmühle zuzusteigen. Dort trifft kurz vor 14 Uhr auch ein Dampfzug aus Wernigerode ein, der wieder dorthin zurückkehrt. So ist auf dem ansonsten ereignislosen Bahnhofsgelände wenigstens etwas anzuschauen.

Mit dem Triebwagen geht es zurück nach Netzkater, wo die Teilnehmer der Bergwerksbesichtigung zusteigen. Wieder vollzählig, fahren wir weiter bis Nordhausen. Sowohl von Eisfelder Talmühle als auch von Netzkater kann man den Fahrpreis dadurch optimieren, daß man den HSB-Fahrschein nicht bis Nordhausen, sondern nur bis Ilfeld löst und für den Rest der Strecke die Mehrfahrtenkarte des Nordhäuser Stadtverkehrs nutzt. Diese Mehrfahrtenkarte erlaubt zudem, ohne Aufpreis in Nordhausen mit der Straßenbahn weiterzufahren. Und da es vom Bahnhof zur Altstadt ein Stück den Berg hoch geht, können wir das Angenehme der Straßenbahnfahrt mit dem Nützlichen verbinden.

Nach Besichtigung von Rathaus und Roland laufen wir ein Stück an der Stadtmauer entlang und kehren dann ins Café Felix ein, wo wir auf der Terrasse bei Eis, Waffeln, Kaffee oder anderen Getränken ausruhen können. Ein kurzer Gang durch die Altstadt bringt uns zur Straßenbahnhaltestelle am Rathaus zurück. Um noch etwas mehr Straßenbahn für unser Geld zu erhalten, fällt der Beschluß, mit der Linie 2 bis "Am Alten Tor" zu fahren. Von dort ist es nicht weit zur HSB-Station Altentor, wobei zwei Gruppenmitglieder einen kleinen Umweg machen, um eine Abstellanlage mit einigen Straßenbahnfahrzeugen zu besichtigen.

Der Haltepunkt Altentor hat zwar ein ansehnliches Gebäude, das aber nicht zugänglich ist. Auch ansonsten gibt es weder Sitzbänke noch andere fahrgast-nützliche Infrastruktur. Nur der wieder einmal vorbeikommende Dampfzug lockert die Wartezeit auf. Etwas erschöpft von zwei erwanderten Tagen sind dann alle froh, endlich im Triebwagen nach Ilfeld zu sitzen.

Nach den Erfahrungen des Vorabends fällt die Entscheidung für Abendessen in der Poppenbergs Ruh. Die kleine Pause auf den Hotelzimmern erfrischt die meisten Teilnehmer so, daß wir auf dem Weg zu der im Ortsteil Wiegersdorf liegenden Gaststätte noch einen Umweg über den Eichberg einlegen können. Nach gutem Essen sowie Wein, Bier oder sonstigen Getränken geht es dann am späteren Abend aber auf direkterem Weg zurück zum Hotel.

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Zuletzt geändert am 25.6.2004 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt
mw: © an den Fahrplan-Fotos Matthias Wiegner