Zwischen Rhein und Eifel

Ein Reisebericht in zwei Teilen. Den Text veröffentlichte ich im September 2001 in de.etc.bahn.misc und rhein.misc.

Zur geographischen Orientierung existiert ein Streckenplan des Gebiets zwischen Bonn und Andernach.


Zwischen Rhein und Eifel 1. Tag

Aus familiären Gründen ins Rheinland gereist, hatte ich beschlossen, dort ein paar Tage für Ausflüge in die Umgebung zu nutzen. Nachdem ich ja das rechtsrheinische "Drachenland" schon Ostern erkundet hatte (siehe http://www.myway.de/e.lauterbach/draco/), geht es nun zu den linksrheinischen Zweigstrecken zwischen Bonn und Koblenz. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um die kümmerlichen Reste eines einstmals deutlich ausgedehnteren Netzes zwischen der linken Rheinstrecke und der Eifelbahn (KBS474).

Am Montag steht das Ahrtal auf dem Programm. Hier gab es einmal Strecken nach Adenau sowie Richtung Jünkerath und Blankenheim. Heute geht es nur noch bis Ahrbrück, wobei Kreuzberg Ahrbrück bereits eine Reaktivierung ist.

Ich hatte mich entschieden, die Anreise nicht mit der Ahrtalbahn durchzuführen, sondern teilweise mit dem Bus.

Auch zu den Buslinien etwas Historie: Die Stadtwerke Bonn betrieben bis in die 80er Jahren einige Fernbuslinien von Bonn ins Ahrtal und in die Voreifel. Nachdem man sich bei der Kostenaufteilung mit den Landkreisen nicht einig wurde, gaben die Bonner die Konzession für die Linien zurück und diese fielen an die Regionalverkehr Köln (RVK = ex-Bahn- und Postbus). Da dies vor der Gründung des VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) war, führte es auch zu getrennten Tarifen. Das Ahrtal ist heute immer noch nicht in den VRS integriert, da es in Rheinland-Pfalz liegt. Es gibt aber einen sogenannten Übergangstarif zu einem Teilgebiet des VRS.

Die RVK, die inzwischen in kommunalen Besitz übergegangen war, gliederte später die Buslinien zwischen dem Ahrtal und dem VRS in ihre Tochtergesellschaft Regio-Bus Rheinland (RBR) aus. Im Zuge der Verbesserungen auf der Bahnlinie Bonn Euskirchen wurden die Buslinien ins Ahrtal überdies in Meckenheim gebrochen.

Letztes Jahr erhielt der Landkreis Ahrweiler als Verkehrsträger der Buslinien ein Angebot eines Privatunternehmens, die Buslinien im nördlichen Landkreis eigenwirtschaftlich zu fahren. Nach dem üblichen ÖV-Motto "Kosteneinsparung ist alles Angebotsqualität ist nichts" konnte sich der Landkreis diesem Angebot nicht entziehen und seitdem werden die Busse von der Verkehrsgesellschaft Rhein-Eifel-Ahr (VREA) betrieben.

Mein Weg führt mich jedenfalls über Meckenheim und durch das VREA-Abenteuerland. Startend in Sankt Augustin nutze ich bis Meckenheim eine VRS-Streifenkarte. Da Meckenheim im Bereich des Übergangstarif VRS/Ahr liegt, hatte ich mich entsprechend informiert und erwartete einen Busfahrpreis von 6,70 DM für die Strecke nach Ahrweiler. Nachdem ich im Bahnhof Meckenheim den VT644 der Voreifelbahn verlassen habe, gehe ich erst einmal zum DB/VRS-Automaten. Ahrweiler wird auch zweimal angeboten: DB-Tarif und VRS-Ahr-Übergangstarif jedoch beidesmal mit Umweg über Bonn.

Da ich noch etwas Zeit habe, mache ich zunächst noch einen kleinen Abstecher in die Stadt (nichts Bemerkenswertes) um dann wieder am Bahnhof in den Bus nach Ahrweiler einzusteigen. Überraschenderweise muß ich jedoch 7,50 DM bezahlen (Auflösung später).

Mein Verkehrsmittel besteht aus einem älteren Gelenkbus, die reguläre Fahrtzielanzeige außer Betrieb und durch ein Schild hinter der Frontscheibe ersetzt, vorderer Entwerter außer Betrieb, von einem zweiten nur ein Kabelbündel übrig. Auf der ersten Hälfte der Strecke bin ich der einzige Fahrgast (ok, werktags gegen 10 Uhr ist nicht unbedingt HVZ). Unterwegs gibt es dann noch irgendwo eine Stichfahrt sowie verschiedene Umwegfahrten auf denen kurzfristig bis zu drei weitere Fahrgäste befördert werden. In Ahrweiler verlasse ich den nach Bad Neuenahr weiterfahrenden Bus.

Ahrweiler hat einen schönen Stadtkern und eine wohl ziemlich geschlossene Stadtmauer. Aufgrund des stattfindenden Winzerfests sind viele Häuser beflaggt, was die Gäßchen der Altstadt noch etwas fotogener macht. Einen Rundgang durch den Stadtkern beende ich am zum Haltepunkt Ahrweiler Markt führenden Stadttor. Die Ahrtalstrecke ist hier zweigleisig, liegt aber etwas unschön zwischen Stadtmauer und Umgehungsstraße. In den Weinbergen oberhalb des Ortes erkennt man die Brückenpfeiler der ehemals projektierten Verbindungsbahn zwischen dem Ahrtal und der Strecke Bonn Euskirchen. Es waren Bauwerke dieser nie fertiggestellten Strecke, die zum ehemaligen Regierungsbunker zweckentfremdet wurden.

Der Haltepunkt Ahrweiler Markt hat Minimalausstattung: Seitenbahnsteige mit Unterständen, die wohl häufiger als Toilette benutzt werden, Fahrscheinautomat an einem der beiden Bahnsteigzugänge, Beschallung des Bahnsteigs Richtung Ahrbrück mittels eines Lautsprechers auf der anderen Seite der Gleise. Am Fahrscheinautomat kaufe ich eine Fahrkarte nach Altenahr und gebe testweise einmal Meckenheim als Zielort ein. Erstaunlicherweise wird mir neben dem Umweg über Bonn auch der VRS-Ahr-Übergangstarif zu 6,70 DM angeboten!

Von hier fahre ich mit einem einteiligen VT643 bis Dernau. Der VT643 hat einige Unterschiede zum VT644. So ist die Wagenbodenhöhe etwas niedriger (59cm statt 80cm) und man verzichtet auf die ausfahrbaren Trittstufen des VT644. Innen fällt mir angenehm auf, daß der VT643 Sitze mit Armlehnen hat, für deren "Einsparung" ich auch bei S-Bahn-ähnlichen Reiseweiten kein Verständnis habe.

Talent in DernauTalent im AhrtalTalent in Altenahr
Der Fahrplan der Ahrtalbahn besteht (zumindest werktags) aus einem Stundentakt bis Ahrbrück und Zwischenfahrten bis Dernau. Einige Züge kommen als RE ab Bonn Hbf, die anderen beginnen in Remagen. Die Zwischenfahrten bis Dernau finden nicht im 30-Minuten-Abstand zu den anderen Fahrten statt, wohl aufgrund ungünstiger liegender Begegnungshalte im eingleisigen Teil ab Walporzheim. Die Strecke ist bis unmittelbar vor dem Bahnhof Walporzheim zweigleisig, im Bahnhofsbereich aber schon eingleisig. In Dernau gibt es zwei Bahnhofsgleise, im Regelverkehr findet dort aber keine Begegnung statt. Den Aufenthalt dort nutze ich für einige "talentierte" Fotos.

Mit zweiteiligem VT643 geht es weiter nach Altenahr. Die Landschaft wird immer interessanter, das Tal gewundener, mit immer enger an die Strecke rückenden Hängen. Kurz vor Altenahr geht es durch einen Tunnel, zu dem eine zweite Röhre mit einem nicht mehr vorhandenen Gleis gehört. Beiderseits des Tunnels wird die sich hier sehr windende Ahr überquert. Auch hier sind jeweils noch die parallelen Brücken für das ehemalige zweite Gleis zu sehen.

In Altenahr steige ich aus. Im ehemaligen Bahnhofsgebäude sind ein Restaurant und das Fremdenverkehrsamt untergebracht. Den Platz zwischen dem jetzigen Gleis und dem Gebäude nahmen früher wohl noch zwei weitere Gleise ein.

Es ist Mittag. So kehre ich im Ort zunächst in ein Lokal ein und bestelle der Region und der Jahreszeit angemessen ein Stück Zwiebelkuchen und ein Glas Federweißer. Durch diesen Imbiß gestärkt, beschließe ich zur Burgruine Are aufzusteigen. Die Ruine befindet auf dem Bergrücken, durch den der erwähnte Tunnel führt. Es ergeben sich interessante Blicke und Fotomotive. Auf der einen Seite sieht man den Ort und die ihn umgebenden Hügel, auf der anderen Seite schaut man ins enge, gewundene Ahrtal sowie zu einem weiteren Eisenbahntunnel. Natürlich warte ich auf eine schöne rote Talent-Einheit, um diese auf der Ahrbrücke zu fotografieren.

Nach dem Abstieg von der Burgruine gehe ich zum Bahnhof, um dort den aus Ahrbrück zurückkommenden VT643 zu besteigen. Ich fahre bis Bad Neuenahr. Neuenahr hat weder eine malerische Altstadt wie Ahrweiler noch die Landschaft um Altenahr zu bieten, sondern ist Geschäfts- sowie Kurstadt und schmückt sich mit Kurpark und einem Spielkasino.

Vor dem Bahnhof gibt es ein Pavillon der VREA, wo ich die oben aufgeworfene Tariffrage klären kann allerdings nicht unbedingt zu meiner Zufriedenheit: Außer der VRS- dem VRS-Ahr-Übergangstarif und dem DB-Tarif gibt es auch noch einen VREA-Binnentarif. Und wenn man nur VREA-Verkehrsmittel nutzt, zahlt man halt von Meckenheim nach Ahrweiler 7,50 DM. Das man im Übergangstarif für 6,70 DM durchaus weitere Strecken zurücklegen kann (z.B. Meckenheim-Industriepark Ahrweiler mit Umsteigen DB/VREA am Meckenheimer Bahnhof oder Ahrweiler-Markt Meckenheim mit Umsteigen DB/VREA am Bahnhof Ahrweiler) stört dabei offensichtlich nicht besonders. (Das letzte Beispiel ist wohl eher inoffiziell, da ja kein VRS-Binnenverkehrsmittel berührt wird, aber der DB-Automat verkauft eben diesen Fahrschein.)

Nach einem Rundgang durch die Fußgängerzone zur Ahrpromenade und zum Kasino steige ich wieder in den schon bekannten VT643. Dies ist nun einer der wenigen Züge, die seit 10.6. als Rhein-Ahr-Express bis Bonn Hbf verkehren. Auffallend ist noch, daß der Zug, um Gleis 4 des Bonner Hbfs zu erreichen, bereits ein ganzes Stück südlich des Bahnhofs auf dem linken Streckengleis fahren muß. Bei der Belegung der Rheinstrecke sicher eine nicht ganz einfache Betriebssituation, aber die räumlichen Verhältnisse sind sehr beengt. Dementsprechend habe ich es auch schon erlebt, daß der Ahr-Talent auf Gleis 1 einfuhr und im Norden den ehemaligen Bonner Güterbahnhof zum Wenden benutzte. Nachteilig wirkt sich auch aus, daß ein früheres Stumpfgleis südlich des Bahnhofsgebäudes vor einigen Jahren in eine Fahrradabstellanlage umgewandelt wurde. Damals konnte sich die DB wohl nicht vorstellen, mal Züge von der Ahr nach Bonn durchfahren zu lassen. Heute kann sie sich so Manches auch nicht vorstellen. :-(

Von Bonn geht es weiter nach Sankt Augustin und das war schon der erste Tag. Vielleicht noch zu den Fahrtkosten: 1 VRS-Streifenkarte zu 13,20 DM (St.Augustin Meckenheim 5 Str., Bonn St.Augustin 3 Str.), Meckenheim Ahrweiler mit VREA zu 7,50 DM, Bahncard-Fahrscheine zu 2,40 DM (Ahrweiler Altenahr) und 6,30 DM (Altenahr Bonn). Mit knappen 30 DM also ganz erträglich für einen ganzen Tag Rumreiserei. Der zweite Tag sollte teurer werden!


Die Bergische Runde

Durch's Drachenland

Zwischen Rhein und Eifel 2. Tag

Streckenplan


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Zuletzt geändert am 11.12.2001 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt