Komprimierter Mini-»Hoffmann« ohne Männer

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Besuchte Vorstellung 6. Februar 2019 (Troisième)




Von links: Mezzo, Piano und Soprano

Piano


Elisabeth Thöni

Version


Eigene Version



Französischer Gesang,

deutsche Dialoge


Hoffmann


Elisabeth Thöni

Muse


Kathrin Walder

Stella


Nina Laubenthal









Fazit Oper to Go: Eine erfrischende konzertante Bearbeitung der Contes mit einer Reduktion auf das Wesentliche, vorgetragen von zwei Sängerinnen, begleitet von einer Pianistin. Die tragenden Arien bildeten den Kern der Aufführung und wurden auf Französisch gesungen. Gesang und Begleitung bewegten sich auf professionellem Niveau. Die Handlung der Oper wurde in deutschen Texten erläutert. Sie wurde korrekt interpretiert und nachvollziehbar dargestellt. Diese zwanglose Präsentation einer Oper könnte jungen Menschen helfen, die Schwelle zum Einstieg in die große Welt des Musiktheaters leichter überwinden zu helfen. Sie eignet sich auch hervorragend zu Gastspielen an Schulen.



Normalerweise besuche ich konzertante Aufführungen nicht. Da ich zufällig von einer Nachbarin von Hoffmanns Gefährtinnen erfahren hatte und die Aufführung quasi vor meiner Haustüre stattfand, lwollte ich mir diesen musikalischen Genuss nicht entgehen lassen. Zudem muss ich gerade eine längere Durststrecke durchleiden. Der letzte »Hoffmann« fand am 1. Dezember an der Deutschen Oper in Berlin statt, der nächste ist für den 8. Juni in Karlsruhe geplant. Solche langen Pausen sind selten Und das im 200. Geburtsjahr Jacques Offenbachs.

Ber











Das bisher kleinste Ensemble hatte ich 2012 im Wiener L.E.O. erlebt, wo drei Sänger eine semi-szenische Aufführung bestritten. Diesmal waren es nur zwei, wobei die Pianistin als Hoffmann einsprang. An die hundert Besucher waren in den Arthur-Rubistein-Saal der Klavierbauer Steinway gekommen. Auf dem Podest stand ein perfekt gestimmter Steinway-Flügel.



Zwei in Schwarz gekleidete Damen mit Schleiern über den Häuptern betraten den Saal. Die Pianistin gab eine kurze Einführung in die Handlung. In den Mittelpunkt dieser Bearbeitung wurden die Bemühungen der Muse gestellt, Hopffmann von seiner geliebten Stella und deren Verkörperungen Olympia, Antonia und Giulietta abzubringen. Die Muse übernahm damit auch die Rollen der Widersacher Hoffmanns, Lindorf, Coppelius, Mirakle und Dapertutto, die das gleiche Ziel, wenn auch mit anderen Motiven verfolgen. Deise Idee der Identität der Interessen der Muse und der Widersacher hatte ich zuerst in der Moskauer Inszenierung Dmitri Bertmans gesehen, die ich in Tartu erlebte. Sie wurde in dieser Deutlichkeit erst jetzt wieder aufgegriffen.



Wie in der Stockholmer Volksoper wurden die wichtigsten Arien dieser Oper zu den tragenden Säulen der Inszenierung.



Die Auftaktakkorde kamen etwas schnell und wenig maestoso. Die beiden Damen übernahmen die Trinklieder von Hoffmanns Freunden, auf Französisch. Für die gab es schon den ersten aufmunternden Applaus. Dann wechselte ein der Damen an den Flügeln, denn die Pianistin brachte Hoffmanns Klein-Zach als Sprechgesang, auf Deutsch.


Zur Überleitung auf den Olympia-Akt hörte man ein längeres Medley aus allerlei Filmmusiken. Als Nicht-Kinogänger erkannte ich nur die Fanfaren der Hollywood-Seifenoper Star Wars des Remmidemmi-im-Weltaum-Regisseurs George Lucas. Wären da nicht andere bekannte Melodien Jacques Offenbachs angemessener gewesen, an denen bekanntlich kein Mangel herrscht? Dem Publikum gefiel s offensichtlich, denn es applaudierte diesem gewaltigen Aufmarsch an Tönen.


Weiter ging es mit Jacques Offenbach und der Vogelarie des Niklaus, in der dieser Hoffmann vor der automatischen Puppe Olympia warnt. Olympia gebärdete sich dann als Püppchen und präsentierte ihre Arie in gekonnter Koloratur sowohl in staccato wie auch in legato. Immer wenn sie schwächelte, wurde sie von Niklaus mit einem Quietsche-Hündchen wieder zum Leben erweckt. Kräftiger Applaus für diese gekonne Darbietung.



Wieder gab es als Überleitung zum Antonia-Akt ein Medley mit mir unbekannten Melodien.



Die Sopranistin stellte sich als seelenvolle Antonia mit lyrischem Charakter vor. Die Liebesduette zwischen Hoffmann und Antonia wurden diesmal von zwei Frauenstimmen wiedergegeben. Diese Interpretation war neu für mich und nicht ohne Reiz. Applaus dafür.


Und dann erklang zu meiner Überraschung meine persönliche Lieblingsarie, die in den meisten Inszenierungen gestrichen wird: die Geigenarie des Niklaus, mit der mich die Mezzosopranistin erfreute. Die wurde beklatscht. Das Terzett Antonia-Mirakel-Mutter wurde zum Duett Antonia - Mutter. Auch nicht uniinteressant und höchst hörenswert. Verdienter Applaus für diese wohl musikalisch anspruchsvollste Komposition Jacques Offenbachs.

Zum Giulietta-Akt wurde mit einem weiteren Medley übergeleitet.

Der Giulietta-Akt begann nicht mit der üblichen Barkarole sondern mit dem melancholischen Klagelied der Giulietta, bei dem ich immer an Honoré de Balzacs Romantitel Glanz und Elend der Kurtisanen denken muss.

Nachdem Giulietta und Niklaus (im Original Hoffmann) die Freuden der Liebe beschworen hatten, schickte die trügerische Kurtisane den Dichter schnöde weg. Das hätte sie nicht tun sollen, denn das bedeutete ihr gewaltsames Ende.

Dann erst wurde die Barkarole gesungen, quasi als zynische Satire auf die ewigen Probleme mit der erotischen Liebe.

Zum Finale wurde die bewegende Apotheose auf Hoffmann gesungen: Les cendres de ton coeur. Eine elegante Stella kam, um Hoffmann zu suchen, doch der wollte sie nicht mehr. Die Muse höhnte: Sie kommen zu spät, Madame.

Nachdem die Pianistin den Rest des Klein-Zach gesprochen hatte, war die Oper aus. Das begeisterte Publikum spendete fast fünf Minuten lang kräftigen Applaus.







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