Bahn-Allerlei im Erzgebirge

 
Kirche Eibenberg

Citybahn in Altchemnitz

Variobahnen in Stollberg

Stollberg Marktplatz

Variobahnen und Regioshuttle in Stollberg
 
Wir wandern zur Citybahn

Sonntag ist Wandertag. Aber vor dem Wandern gibt es Bahnfahren im Zwönitztal. Und um dieses zu erreichen fährt unser Desiro vom Lößnitzer unteren Bahnhof in einer Kurve über Dittersdorf zum oberen Bahnhof. Der Abschnitt ist eine ausgesprochene Panoramastrecke. Danach folgt eine noch engere Gegenkurve, in der weiter an Höhe gewonnen wird, bis kurz vor Zwönitz der Scheitelpunkt der Zwönitztalbahn erreicht ist. Der Bahnhof Zwönitz liegt noch oberhalb der Stadt, danach führt die Strecke ins Tal hinab. Das Zwönitztal ist im oberen Abschnitt allerdings recht weit und verengt sich erst im Unterlauf der Zwönitz. Bevor wir dorthin gelangen fällt uns aber auf, daß entlang der Strecke eine Menge Leute stehen – viele mit Fotoausrüstung. Und richtig: In Talheim steht ein Dampfzug, der unterwegs von Chemnitz nach Schlettau ist.

Wir fahren etwas moderner weiter bis Kemtau. Hier sind die Hänge des Zwönitztals schon etwas markanter und das Tal selber etwas gewundener. Unsere Wanderung führt zunächst noch ein Stück die Bahngleise entlang. Dann geht es nach links steil den Berg hinauf. Durch Wiesen folgen wir einem Pfad Richtung Eibenberg. Bereits bevor wir das Dorf sehen können schaut links von unserem Weg die denkmalgeschützte Kirche aus der hügeligen Landschaft hervor. Etwas bergab laufend durchqueren wir einen Ausläufer von Eibenberg und wandern weiter Richtung Berbisdorf. Den Ort erreichen wir nach einigem bergauf und bergab um festzustellen, daß uns ein quer über den Weg gespannter Elektrozaun zu einem kleinen Umweg zwingt.

Nächstes "Hindernis" ist eine Berbisdorfer Gaststätte, von der sich einige wenige Teilnehmer bereits sehr angezogen fühlen. Auch dieser Widerstand wird überwunden, und wir marschieren weiter. Leider hat sich das Wetter von sehr sonnig beim Aufstieg aus dem Zwönitztal inzwischen zu bedeckt und windig geändert. Und der hinter Berbisdorf folgende Wegabschnitt führt sehr offen über einen Hügelkamm. Nach dem nächsten Abzweig erreichen wir aber ein vor dem Wind schützendes Waldgebiet. Ohne Probleme finden wir auch den Weg, der uns bergab zum im Tal gelegenen "Waldhaus" führt. Wir befinden uns jetzt am Rand des Chemnitzer Ortsteils Harthau und es Zeit für die Mittagseinkehr. Angesichts des Wetterumschwungs genießen wir, im Warmen zu sitzen, gut zu essen und ein gutes Bier (oder etwas anderes) zu trinken.

Satt und zufrieden verlassen wir die Gaststätte, um festzustellen, daß leichter Regen eingesetzt hat. Was tun – auf dem kurzen Weg durch Harthau zur Citybahn laufen oder wie ursprünglich geplant wieder leicht bergan und weiter nach Altchemnitz? Da wir in Harthau länger auf die Bahn warten müßten, entscheiden wir uns für den längeren Weg. Der Regen bleibt konstant und ein weiteres ungeschütztes Wegstück überwinden wir auch ohne Schaden. Dann kommt wieder etwas Wald und schließlich geht es durch eine Siedlung bergab. Unten sind wir dann schon ziemlich in der Stadt: eine vierspurige Straße und gegenüber die Straßenbahnhaltestelle mit Wendeschleife. Seit Dezember 2002 wenden hier aber nicht mehr alle Bahnen. Einige wechseln nun auf die vorbeiführende Eisenbahnstrecke und fahren als Citybahn nach Stollberg. Zu diesem Zweck wurde die Bahnstrecke mit Gleichstrom elektrifiziert und für den Stadtbahnbetrieb hergerichtet.

Am Wochenende gibt es zwar nur Stundentakt aber nach einigen Minuten taucht eine knallrote Tram vom Typ Variobahn auf, mit der wir nach Stollberg fahren. Der Zug ist gut gefüllt, aber da an den nächsten Haltestelle mehr Leute aus- als einsteigen, gibt es auch für uns bald Sitzplätze. Jetzt, da wir im Trockenen sitzen, wird natürlich auch das Wetter wieder besser. Wir haben einen schöne Blick auf das an der Strecke liegende Wasserschloß Klaffenbach.

Stollberg erwartet uns im Sonnenschein. Nach kurzem Stadtrundgang und Blick auf Schloß Hoheneck kehrt der größere Teil der Gruppe in ein Café ein. Als wir uns später am Bahnhof treffen, steht dort außer einer abgestellten Variobahn bereits ein Regioshuttle, das ebenfalls zur Citybahn Chemnitz gehört. Hier können wir uns die Sitzplätze frei aussuchen und nach einiger Zeit startet die Fahrt Richtung Sankt Egidien. Die Strecke wirkt aufgrund der Landschaft und einiger Ortsdurchfahrten sogar interessanter als Chemnitz – Stollberg.

In Sankt Egidien steigen wir in einen Doppelstockzug der DB ein, der uns nach Chemnitz bringt. Dort haben wir wegen etwas Verspätung (und der Unlust einiger Teilnehmer bereits Chemnitz Mitte auszusteigen) nur wenig Zeit für einen Blick aus dem Bahnhof hinaus und auf die Chemnitzer Straßenbahn. Auf uns wartet schon der Desiro der Erzgebirgsbahn mit dem wir nun das Zwönitztal komplett befahren. Wie am Morgen soll uns in Thalheim der Dampfzug begegnen. Leider hat der am Abend recht viel Verspätung, und der Wille ihn in Aue wartenzulassen, war wohl bei der DB nicht vorhanden.

Mit fast 20 Minuten Verspätung kommen wir in Lößnitz an. Diesmal aber nicht am unteren Bahnhof, sondern wir steigen bereits am oberen Bahnhof aus. Schon vorher hat man aus dem Zug einen Blick ins Tal, bei dem man die Bahnstrecke noch zweimal sieht: einen Abschnitt beim oberen Bahnhof sowie am gegenüberliegenden Hang die Strecke zwischen Viadukt Dittersdorf und dem unteren Bahnhof. Vor dem Bahnhofsgebäude bleiben wir erstmal stehen und würdigen das Panorama. Nach einiger Zeit schiebt sich auf dem unteren Teil der Strecke der Desiro, aus dem wir gerade ausgestiegen sind, ins Blickfeld und setzt seine Fahrt zum unteren Bahnhof fort. Rote Erzgebirgsbahn vor gelben Rapsfeldern – immer ein nettes Fotomotiv.

Vom oberen Bahnhof gehen wir dann zu Fuß hinab in den Ort. Unterwegs begutachten wir ein weiteres Lokal, entschließen uns aber doch wieder zum Abendessen in unserem Hotel. Kurz vor Ankunft dort erwischt uns noch eine heftige Regenschauer, die die Gruppe in Schauerhalter und Regensprinter (das ist kein neuer Leichttriebwagen!) teilt.


 
Existierende und ehemalige Bahnstrecken im Raum Lößnitz
 
Blick vom oberen Bahnhof
Erstklassig heimwärts

Wie bereits im letzten Jahr haben wir uns für die Rückfahrt angesichts des üblichen Pfingstmontagsverkehrs für einen Gruppenfahrschein 1. Klasse entschieden. Bei Erwerb zwei Wochen vor Fahrtantritt erhält man 70 Prozent Rabatt und Kontingentierung spielt keine Rolle, da wir nur Züge des Nahverkehrs nutzen.

Leider hat an diesem Morgen die Erzgebirgsbahn Verspätung. Aber der Anschlußzug in Aue wartet auf uns. Das ist, da wir die Mehrheit des morgendlichen Fahrgastpotentials stellen, ja auch ziemlich gerechtfertigt. In Zwickau haben wir längeren Aufenthalt, den wir zum Proviantkauf nutzen. Zudem verabschieden wir uns hier von einem nach Dresden weiterreisenden Mitglied unserer Gruppe.

Die Erwartung, daß vor dem Bahnhof Straßenbahnen fahren, erfüllt sich an Sonn- und Feiertagen in Zwickau nicht. Wie schon im Chemnitz sind wir vom Wochenendangebot des Öffentlichen Nahverkehrs ziemlich enttäuscht – Herr Koch und Herr Steinbrück und vielleicht auch ein paar Investitionssünden der Nachwendezeit lassen grüßen.

Von Zwickau aus geht's mit einem nicht pendelnden Pendolino nach Hof. Sechs Leute auf einen Schlag in die erste Klasse einsteigend führt zwar zu ein paar irrtumvermutenden Blicken des Personals – aber wir haben nunmal den Fahrschein dafür. Und da die erste Klasse vorne ist, können wir auch noch dem Lokführer über die Schulter sehen. Auch aus dieser Perspektive sehen zwar Göltzschtal- und Elstertalbrücke nicht so imposant aus, als wenn man sie von der Seite sieht, man hat aber ein wenig das Gefühl über die Täler zu schweben.

Ab Hof fahren wir dann in einem normalen Nahverkehrswagen (ex-Silberling) weiter. Dieser bietet uns im Vergleich zu Desiro und VT612 den besseren First-Class-Komfort. Aufgrund des Besetzungsgrads der zweiten Klasse wird nun auch der beabsichtigte Vorteil unserer Fahrscheinvariante spürbar.

Das Umsteigen in Regensburg ist ein rechtes Chaos. Wir kommen mit leichter Verspätung auf dem Hausbahnsteig an. Seit dem Umbau des Bahnhofs ist die Bahnsteigunterführung versperrt. Man muß nun zunächst in die Bahnhofshalle, von dort über eine schmale und überfüllte Rolltreppe auf einen Fußgängersteg und dann wieder hinab zum Bahnsteig von Gleis 8, wo bereits der Doppelstockzug nach München wartet. Durch diese Umsteigebehinderung hätten wir in der zweiten Klasse wohl nur noch die Chance auf Steh- oder Treppenplätze gehabt. So können wir es uns aber auch auf dem Rest der Strecke leidlich bequem machen. Für mich ist der gemeinsame Reiseteil in Freising beendet, der Rest der Gruppe fährt weiter nach München und Weilheim. Das war's – bis zum nächsten Pfingstausflug.


 
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Zuletzt geändert am 22.8.2014 / © Edmund Lauterbach – Impressum / Kontakt