Mit der Bahn durch Sachsen


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Durch's Vogtland ...

Der Urlaub geht gar nicht wie ein Urlaub los: Am Donnerstagmorgen besteige ich, wie sonst eigentlich auch, die S-Bahn Richtung Freising. Etwas später als sonst und mit etwas anderem Gepäck. Und in Freising geht es dann nicht zum Stadtbus, sondern nach ein paar Minuten Wartezeit kommt am Gleis gegenüber der Zug Richtung Sachsen. Nicht die von der Deutschen Bahn noch im  Frühjahr erhoffte Dieselversion des Neigetechnik-ICE, auch kein Interregio oder ein Doppelstock-Regionalexpreß, sondern ein D-Zug.

Ein D-Zug! Freie Fahrt für meinen D-ZugWann bin ich das letzte Mal D-Zug gefahren? Von außen schön bunt: rote Lok, Wagen bei denen hellblau, grünblau oder rot dominieren. Innen entpuppen sie sich als altehrwürdige und etwas vergammelte Abteilwaggons mit orangefarbenen (Siebziger-Jahre-Look) und dunkelroten (noch älter) Polstersitzen. Für die erste Klasse gibt es einen ehemaligen Reichsbahn-Abteilwagen, der äußerlich auf Interregio gestylt ist, und hinten fährt ein halber Gepäckwagen für die Fahrradfreunde mit.

Ich sitze in einem Abteil, Version orange; die Sitze lassen sich bis zur Mitte ausziehen, die Fenster bis zur Hälfte öffnen. Ein Fahrgefühl – auch von der Geschwindigkeit her – wie ich es in einem Fernzug seit Jahren nicht mehr hatte. Aber für meinen Zweck ist die Geschwindigkeit genau richtig. Und wenn man eine Strecke befährt, die nicht zum Alltag gehört, bietet die Möglichkeit, die Fenster zu öffnen und zumindest an Bahnhöfen mal richtig hinauszuschauen, einen Komfort, den der ICE nicht mehr hat.

So geht es zunächst durch Niederbayern über Landshut und Neufahrn nach Regensburg. Lok- und Fahrtrichtung wechseln, die Mitreisenden auch. Mit Dieselantrieb (ehemalige Reichsbahnlok) fahren wir nun durch die bayerische Oberpfalz. Weiden, Marktredwitz, Schwandorf – alles Städte, denen die Deutsche Bahn mit Entzug des Schienenfernverkehrs droht. Hinter Hof kommt dann die Erinnerung an Zeiten, als die Züge nach Berlin noch in Gutenfürst hielten und man angesichts der durch den Zug streifenden "Amtspersonen" ein komisches Gefühl hatte.

Plauen – erste Station. Gepäck ins Schließfach und die Stadt angeschaut. Direkt vor dem Haupteingang des Bahnhofs gibt es eine neu gebaute Bus- und Tramstation. Bus bezieht sich in Plauen fast ausschließlich auf Regionalbusse. Annähernd der gesamte Stadtverkehr wird mit Straßenbahnen durchgeführt. Es gibt sechs Trambahnlinien (für eine Stadt von knapp 70000 Einwohnern) und lediglich eine einzige Stadtbuslinie.

Vom oberen Bahnhof geht es mit der Tram in die Stadt hinab. Unten im Tal liegt die zentrale Tramhaltestelle Postplatz oder "Tunnel". Auf einer Seite davon erstreckt sich den Hang hinauf eine Einkaufsmeile (hier fährt die Straßenbahn durch die Fußgängerzone), auf der anderen Seite liegt etwas erhöht die Altstadt. Die Zeit reicht für ein Eis im Freien, einen Rundgang durch die Altstadt und ein paar Fotos. Dann muß ich meine Kurzvisite beenden und zum oberen Bahnhof zurückkehren.

Jetzt steht ein Abstecher mit der Vogtlandbahn an. In einem grün-weißen Regiosprinter verlasse ich Plauen. Bis Herlasgrün geht es über die Hauptstrecke – und es wird wirklich gesprintet. Der Bahnhof Herlasgrün bildet ein komplettes Gleisdreieck mit Bahnsteigen an der Hauptstrecke und jeweils an den Flanken des Dreiecks. Es kommt hier dann auch zu einem Rendezvous dreier Regiosprinter der Vogtlandbahn: Von Zwickau über Plauen nach Adorf, von Adorf über Falkenstein nach Zwickau und mein Zug, der von Schleiz West kommend bis Falkenstein fährt. Auf den Zug aus Adorf müssen wir wegen der nun folgenden eingleisigen Strecke etwas warten, dann geht es weiter.
VB-Regiosprinter und DB-VT642
Auerbach passiere ich zunächst durch seinen oberen Bahnhof, steige dann in Falkenstein in den Regiosprinter Richtung Zwickau und fahre mit diesem durch Auerbachs unteren Bahnhof. Unterwegs noch einmal ein längerer Halt auf freier Strecke wegen Abwarten des Gegenzuges.

Zwickau erreichen wir mit kleiner Verspätung. Hier treffen sich unser Regiosprinter der Vogtlandbahn und sein Nachfolgemodell (Regiosprinter 2 / VT 642 / Desiro), dieses allerdings in der DB-Variante.

... nach Freiberg

Von Zwickau geht es dann nach kurzem Aufenthalt mit einem Regionalexpreß weiter über die "Sachsenmagistrale" bis Freiberg.

Bei der Ankunft ist der erste Eindruck positiv. Der Bahnhof ist in einem guten, renovierten Zustand. Reisezentrum, Gaststätte, Toiletten sowie Läden für Zeitschriften und Blumen sind vorhanden und scheinen auch vernünftige Öffnungszeiten zu haben. Am Ausgang sehe ich eine Werbung für die von mir gewählte Unterkunft.

Zweiter Eindruck: nicht ganz so positiv. Auf dem ebenfalls relativ neu aussehenden Bahnhofsvorplatz breitet sich ein großer Park+Ride-Platz aus. Die Bushaltestellen sind dagegen in einige Entfernung vom Bahnhofsgebäude abgedrängt worden. Der Bahnhofs(park)platz ist nach Beschilderung DB-Gelände. Ob die Deutsche Bahn oder die Stadt Freiberg für diese umsteigeunfreundliche Planung verantwortlich ist, läßt sich nicht sagen – wahrscheinlich ein Gemeinschaftswerk. Während im Vogtland noch nach der veröffentlichten Devise verfahren wird, Bus und Bahn möglichst dicht zusammenzubringen (siehe Zweckverband ÖPNV Vogtland), scheint man in Mittelsachsen mehr auf die Kooperation von Bahn und Auto zu setzen – die Städte werden es danken.

Silbermann-Orgel im Freiberger DomAber was soll's, ich brauche keinen Bus, die Pension Reichel liegt in bequemer Fußgängerreichweite.

Am Abend erkunde ich erst einmal Freiberg. Nach einem kleinen Rundgang durch die sehenswerte Altstadt besuche ich ein Konzert auf der berühmten Silbermannorgel im Freiberger Dom. Nach Konzertende müssen die Besucher feststellen, daß es draußen regnet – genauer gesagt, es schüttet. Ausgerüstet mit Schirm und Regenjacke mache ich mich trotzdem auf den Weg zu einem schon vorher erkundeten Lokal in Domnähe. Die Wahl ("Kreuzgasse 7") erweist sich als ausgezeichnet, so daß ich mir die Gaststätte auch für die nächsten Tage vormerke. Der Regen läßt dann später nach und ich kann ohne Probleme meine Unterkunft erreichen. Insgesamt beglückwünsche ich mich zu dem Entschluß, Freiberg als Ort für mein Urlaubsquartier gewählt zu haben.

Schloß und Schleichfahrt

Erster Programmpunkt für den Freitag ist Schloß Augustusburg (nicht das zwischen Köln und Bonn). Mit Stadtexpreß bis Flöha, weiter mit der Regionalbahn bis zum Bahnhof Erdmannsdorf-Augustusburg. Hier gibt es eine Standseilbahn (genannt "Drahtseilbahn"), mit der man den wesentlichen Teil des Höhenunterschieds überwinden kann.
Drahtseilbahn Erdmannsdorf – Augustusburg
Laut Fahrplan ist die Ankunftszeit der Regionalbahn und die Abfahrtszeit der Seilbahn identisch – und das im Stundentakt der Regionalbahn (na ja, der VMS ist noch kein "richtiger" Verkehrsverbund). Also hatte ich mich schon auf eine halbe Stunde Aufenthalt vorbereitet. In der gegenüber des Bahnhofs gelegenen Talstation steht aber ein Seilbahnwagen. Meine Frage, ob die Seilbahn jetzt gleich fährt wird positiv beantwortet; die Frage, ob das DB-Ferienticket gilt, leider negativ. Die Abfahrtsmeldung an die Bergstation erfolgt mit den Worten "ich hab' jetzt einen". Und so ist es auch: ich bin einziger Fahrgast und der Gegenzug ist vollständig leer. Den Nullminuten-Anschluß habe ich wohl eher dieser Tatsache zu verdanken, als einem regelmäßigen Abwarten des Zuges aus Flöha.

Oben ist zumindest ein Grund für die schlechte Auslastung der Seilbahn zu erkennen: Die Bergstation liegt nicht unmittelbar am Touristenziel Schloß Augustusburg sondern noch unterhalb der Ortsmitte. Wanderer werden die Seilbahn schmähen und ganz zu Fuß gehen, das übliche Touristenvolk wird mit Auto oder Reisebus dagegen unmittelbar am Schloß vorfahren (und dort den Parkscheinautomaten füttern). Bleibt die Standseilbahn als Attraktion an sich – für Wochentage wohl nicht anziehend genug.
Schloß Augustusburg
Auf dem Weg zum Schloß schaue ich mir den Ortskern und die Pfarrkirche von Augustusburg an. An der Schloßmauer wird man zunächst von ein paar Greifvögel der zur Anlage gehörenden Falknerei begrüßt. Das Bauwerk ist insgesamt beeindruckend, die Hügellage am Nordrand des Erzgebirge bringt gute Aussichtsmöglichkeiten (leider ist das Wetter etwas trüb). Im Schloß gibt es mehrere Museen; etwas unpassend auch ein Motorradmuseum.

Wegen der Vormittagsstunde spare ich mir den Aufenthalt im Biergarten des Schloßhofes und beginne den Abstieg. Der Ort Augustusburg liegt u-förmig am Hang unterhalb des Schlosses. Auf der dem Haupteingang gegenüberliegenden Seite der Schloßanlagen gibt es einen Fußweg, der mich in die Nähe einer Bushaltestelle führt. Ich habe noch ein wenig Zeit, decke mich beim örtlichen Einzelhandel mit Getränken und Gebäck ein, und mache erstmal Mittagspause.

Der Fahrplan des nun folgenden Abschnitts mit einem Linienbus ist der Grund, warum ein Werktag für diese Tour geeigneter ist als das Wochenende. Der Bus ist pünktlich. Der Busfahrer zweifelt an, daß mein DB-Ferienticket bei ihm gilt (die zahlreich sprießenden Schülerferientickets sorgen für Namensverwirrung), nimmt mich aber trotzdem ohne weitere Zahlung mit.

In Leubsdorf an der Flöhatalbahn ist der Bahnhof abgewickelt und hat seine Funktion an ein Wartehäuschen mit Automat abgegeben. Hier fallen mir zum ersten Mal die dunkelblauen Schilder der DB auf, die vor ein- und durchfahrenden Zügen warnen. Angesichts des etwas verloren wirkenden Rest-Gleises und der hier gefahrenen Geschwindigkeiten kann man nur vermuten, daß es entweder darum geht, zumindest ein Schild im aktuellen Farbkonzept vor Ort zu haben, oder daß man ansonsten unbeschäftigte DB-Mitarbeiter auslasten möchte (oder will man so den Buchwert der Strecke nach oben treiben?).
VT 628 bricht aus dem Unterholz
Und schon bricht ein VT 628 aus dem Unterholz. Die Geschwindigkeit ist so, daß der Bremsweg keine Rolle spielt. Und genau so geht es weiter: Ich erlebe meine erste Schleichfahrt auf der Bahn. 10 km/h, 20 km/h – Langsamfahrstellen kann man das nicht mehr nennen. Es handelt sich um eine Langsamfahrstrecke mit "Schnellfahrstellen". Schnell heißt 40 km/h (wenn es vorher eine halbe Stunde nur die Hälfte war, wirkt das wirklich schnell) und vereinzelt 60 km/h.

Der Zug ist entsprechend seiner Reisegeschwindigkeit sehr schwach besetzt. Ansonsten eine landschaftlich nette Strecke. Wir passieren den riesigen Bahnhof Pockau-Lengenfeld, der zeigt, welche Bedeutung Bahnverkehr hier einmal hatte. Inzwischen ist auch der Abzweig nach Marienberg auf "Schienenersatzverkehr" umgestellt.

In Olbernhau verlasse ich zunächst einmal die Bahn, um mir das Städtchen anzuschauen, mich schon einmal nach Souvenirs umzuschauen und meinen Reiseproviant zu ergänzen. Danach geht es dann aber noch weiter bis Neuhausen, dem Endpunkt der Bahnstrecke. Hier reicht die Zeit, um zu Schloß Purschenstein aufzusteigen und den zugehörigen Park anzuschauen, der ein wenig so wirkt, als ob in ihm die Zeit stehengeblieben ist.
Hetzdorfer Viadukt
Zurück geht es über die volle Distanz Neuhausen – Flöha. Kurz vor Falkenau unterquert die Flöhatalbahn das Hetzdorfer Viadukt. Dies ist ein Eisenbahnviadukt, über das bis 1992 die Strecke Chemnitz – Dresden führte. Im Zug einer Streckenbegradigung wurde eine neue Brücke, unter der wir ebenfalls durchfahren, etwas weiter nördlich gebaut. Auf dem letzten Abschnitt durch Falkenau verläuft die Flöhatalbahn nördlich der Hauptstrecke, die sie erst im Bahnhof Flöha erreicht. Von hier bringt mich ein Regionalexpreß zurück nach Freiberg, wo ich mir ohne Umweg über meine Pension direkt ein Lokal zu Abendessen suche. Da vor zwei Gaststätten, an denen ich vorbeilaufe, Reisebusse geparkt sind, lande ich wieder in der Kreuzgasse 7.

Sächsische Schweiz – zu Fuß und mit diversen Bähnchen

Auf das Wochenende habe ich Ausflüge gelegt, zu denen ich etwas früher starten will, da samstags und sonntags das Ferienticket bereits vor 9 Uhr gilt. Am Samstag steht die Sächsische Schweiz auf dem Programm. Obwohl es warm geworden ist, scheint mir der Vormittag für eine kleine Wanderung geeignet. Also geht es via Dresden erst einmal bis Wehlen. Aufgrund der Baustellensituation haben die S-Bahnen Verspätung und das ändert sich an diesem Tag auch nicht mehr. Obwohl am Wochenende der Fahrplan in die sächsische Schweiz auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet ist, ist die S-Bahn voll. Die Gründe: Das ausgezeichnete Wetter aber auch die Tatsache, daß sie fast 15 Minuten Verspätung hat.

Der Bahnhof Wehlen ist wie häufig in dieser Gegend von der zugehörigen Stadt durch die Elbe getrennt und mit ihr durch eine Fähre verbunden. Ich bleibe aber auf der linken Elbseite und steige vom Bahnhof direkt bergan zum Rauenstein. Diese Felsenkette kann man auf einem Kammweg überqueren und bekommt viel Panorama geboten. Direkt gegenüber liegt die Bastei, im Süden sieht man Lilienstein, Königstein und Pfaffenstein.
Blick vom Rauenstein auf die Bastei
Nach einigem schweißtreibenden Auf und Ab und Überquerung des höchsten Punktes erreiche ich ein Ausflugslokal und kann dort einen Teil des durch Schwitzen entstandenden Flüssigkeitsverlusts wieder ausgleichen. Vom Lokal führt der Weg über viele Stufen abwärts zum Bahnhof Rathen. Mit der S-Bahn geht es weiter nach Bad Schandau.

Mittels Fähre wird die Elbe überquert. Im Ort wende ich mich dann direkt Richtung Stadtpark, dem Abfahrtsort der Kirnitzschtalbahn, und besorge mir unterwegs etwas Verpflegung. An der Abfahrtsstation der Bahn bin ich angenehm überrascht von der Aussage des Fahrers, daß mein DB-Ferienticket hier anerkannt wird.

KirnitzschtalbahnDie Bahn ist nicht nur wegen der eingesetzten Fahrzeuge eine Straßenbahn. Sie verläuft eingleisig auf einer Straße (in Seitenlage), was für einige Autofahrer äußerst irritierend zu sein scheint. Nach einer guten halben Stunde und zwei Zugbegegnungen an Ausweichstellen erreichen wir den Endpunkt Lichtenhainer Wasserfall. Der "Wasserfall" erweist sich als etwas, das alle 30 Minuten, pünktlich nach Ankunft der Bahn, auf volle Kraft geschaltet wird, und ansonsten so vor sich hindümpelt.

Nachdem ich an diesem Tag schon genügend Felsbrocken erwandert habe, spare ich mir den Aufstieg zum "Kuhstall" und laufe etwas im Tal. Zuerst geht es entlang der Straße. Die erste Station wäre ich wohl besser mit der Bahn zurückgefahren. Diese zieht an mir vorbei, nachdem vorher der Triebwagen des Dreiwagenzuges an die Zugspitze Richtung Bad Schandau rangiert wurde.

An der (nicht sehr ansehnlichen) Station Beuthenfall wechselt mein Weg auf die andere Flußseite. Hier merkt man wieder, daß man in der sächsischen Schweiz ist: Hoch aufragende Felsen direkt am Wegrand und ein bißchen Kletterei. Nach einer halben Stunde erreiche ich am "Nassen Grund" wieder die Straße und die Bahnlinie. Fast verpasse ich die nächste Fahrt, da die Haltestelle nicht wie der Parkplatz direkt am Ausgang des Wanderweges ist, sondern 300 m entfernt. Die Kurve war für eine Haltestelle zu unsicher, nicht jedoch für ein- und ausparkende Autos. Typisch, denke ich mir und ärgere mich ein wenig.

Aufzug in Bad SchandauZurück in Bad Schandau visiere ich das nächste Ziel an: den Personenaufzug auf das Ostrauer Plateau oberhalb des Kurorts. Nicht ganz wie in Lissabon, aber auch ganz nett. Von oben hat man gute Sicht über das Elbtal und eine kleine Gaststätte gibt es dort auch. Hinunter geht es zu Fuß über einen Waldweg. In Bad Schandau habe ich dann genügend Zeit, um in einem Gartenrestaurant am Elbufer bei einem Glas Radler ein paar Ansichtskarten zu schreiben.

Mit der Fähre setze ich wieder über zum Bahnhof. Ich steige in den Zug nach Bautzen über Sebnitz und Neustadt. Pünktlich um 17:24 Uhr kommt die Bahnsteigdurchsage, daß man bitte einsteigen sollte und daß die Türen automatisch schließen. Das war dann auch das einzig pünktliche. Wir stehen 5 Minuten, 10 Minuten – nichts passiert. DB Personal ist nicht auffindbar. Allzuweit vom Zug möchte man sich nach besagter Durchsage natürlich auch nicht entfernen. Nach 15 Minuten fährt dann die S-Bahn ein, auf die wir gewartet haben. Von dort nähert sich unserem Zug eine Horde Fußballfans, die sich zum Glück in das Raucherabteil eines anderen Waggons verziehen. Erst nachdem dies alles passiert ist, taucht ein Zugführer auf, es ertönt nochmals die gleiche Ansage wie 20 Minuten vorher, Pfiff, und wir fahren tatsächlich los.
Elbedampfschiff
Von Bad Schandau aus führt die Fahrt über die Elbe und dann durch das sehenswerte Sebnitztal. Die Strecke wird wegen einiger Tunnels auch "sächsische Semmeringbahn" genannt. In Sebnitz gibt es ein längeres Viadukt, das einen schönen Blick über die Stadt und die angrenzenden tschechischen Gebiete erlaubt. Im Bahnhof holen wir dann einen Großteil der Verspätung auf, da der Gegenzug bereits wartet, anstatt daß wir auf ihn warten müssen. Hinter Sebnitz erkennt man noch die Stelle wo früher eine Strecke in die jetzige Tschechische Republik abzweigte.

Nachdem wir in Neustadt ankommen, will ich mir etwas zu Essen besorgen. Ich laufe also vom Bahnhof solange Richtung Innenstadt, bis ein Döner-Imbiss auftaucht. So versorgt kehre ich zurück. Ferkeltaxen in NeustadtAn Gleis 1 steht schon mein nächster Zug: eine Garnitur aus zwei "Ferkeltaxen" – die Schienenbusversion der ehemaligen Deutschen Reichsbahn.

Zusammen mit leider nur ein bis zwei anderen Fahrgästen erlebe ich eine sehr stimmungsvolle Fahrt in den Abend hinein. In Pirna erreichen wir wieder die Elbe und die Hauptstrecke nach Dresden.

Obwohl beide S-Bahn-Richtungen hier baustellenbedingt an der gleichen Bahnsteigkante abfahren, hält es niemand für nötig, eine Durchsage mit Fahrtziel zu machen. Anzeiger am Bahnsteig existieren nicht, und die Doppelstock-Wendezüge der Dresdner S-Bahn besitzen – wenn überhaupt – nur auf der Steuerwagenseite einen Fahrtzielanzeiger. Entweder man kennt sich aus, besitzt geographische Grundkenntnisse, oder man fährt ab und zu mal in falsche Richtung.

In Dresden haben wir dann soviel Verspätung, daß mein Anschlußzug weg ist. So komme ich zu einer Dreiviertelstunde Aufenthalt und einem Bier am Bahnhof.

Brücken und andere Monumente

Sonntags starte ich kurz vor neun mit einem D-Zug nach Chemnitz. Aufgrund der Erkenntnisse meines Freitagsausflugs halte ich etwas Ausschau und stelle fest, daß man von der Bahnstrecke sowohl Schloß Augustusburg als auch das Hetzdorfer Viadukt gut sehen kann. In Chemnitz gibt es eine Überraschung: Im Gegensatz zum Fahrplan den ich dabei habe, fährt laut Anzeige der Regionalexpreß nach Leipzig bereits eine Viertelstunde früher. Zum Glück bin ich rechtzeitig da und habe mir auch die aktuellen Abfahrtszeiten angeschaut. Eine Nachfrage ergibt, daß zwischen Burgstädt und Narsdorf Schienenersatzverkehr eingerichtet ist und man daher früher losfahre.

Mein Plan war eigentlich, das Göhrener Viadukt über die Zwickauer Mulde zunächst zu erwandern und dann mit dem Zug zu überqueren. Den zweiten Teil des Plans kann ich nun streichen. Und dabei hatte ich vor der Reise einigen Aufwand getrieben, herauszufinden, welche Strecken überhaupt mit Zügen befahren werden. Urlaub mit Göhrener Viaduktder Bahn wird halt von Jahr zu Jahr schwieriger. Für das Bahnmanagement gehöre ich wohl zum falschen Kundensegment. Was fällt mir auch ein, Nebenstrecken zu bereisen, anstatt mit dem ICE zur Expo zu fahren.

Wie dem auch sei, mit Bahn und ab Burgstädt mit Bus fahre ich nach Cossen. Ursprünglich sollte es eine Rundwanderung werden, die auch hier geendet hätte. Aber das hat jetzt keinen Sinn mehr. Mein Weg führt zunächst durch die Felder zum Hang des Muldetals und dann hinüber zum Viadukt. Den schönsten Blick auf das Viadukt hat man von der zwischen Cossen und Göhren gelegenen Straßenbrücke. Weiter folge ich dem Verlauf der Mulde, mit dem Ziel, in Lunzenau einen Bahnhof der Talstrecke zu erreichen.

"Haltepunkt Obergräfenhain" in der Gaststätte "Zum Prellbock"Da die Züge dort um etwa eine Stunde zur Abfahrt in Cossen versetzt fahren, habe ich nun etwas mehr Zeit als eingeplant. Außerdem entdecke ich am Wegesrand einen Hinweis auf eine Gaststätte "Zum Prellbock", in die ich dann auch einkehre. Wider Erwarten liegt das Lokal weder am Bahnhof noch an der Bahnstrecke. Trotzdem steht im Garten eine Rangierlok und die Gebäude eines Bahnhaltepunkts. Auch das Innenleben des stillgelegten Haltepunkts "Obergräfenhain" ist als Museum dort wiedererstanden.

Nach der Mittagspause gehe ich zum "richtigen" Bahnhof Lunzenau. Dieser ist vom Typ "total verkommen". Mit VT 628 geht es eine Station weiter nach Wechselburg. Auch hier ist das Bahnhofsgebäude wegen Baufälligkeit gesperrt. Die DB hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, Hinweisschilder aufzustellen. Den direkt hinter dem Gebäude beginnenden Bahnsteigtunnel finden nur Einheimische oder Fahrgäste, die dort auch angekommen sind. Man schämt sich fast, Kunde dieses Unternehmens zu sein.

In Wechselburg besichtige ich die Klosterbasilika, deren Innenraum recht eigenwillig ausgestaltet ist. Da der Ort – außer einem Eis – sonst nicht viel herzugeben scheint (die Pfarrkirche ist abgeschlossen – wir sind im Evangelenland) reise ich nach einer Stunde wieder ab.

Durch das schöne Muldental geht es südwärts. In Penig warten wir eine Weile auf den Gegenzug. Das ist vielleicht auf einem betriebswirtschaftlich optimierten Netz mit abgebauten Begegnungsmöglichkeiten (andere Formen der Optimierung sind bei DB Netz gerade nicht "in") schon das betriebliche Optimum, aber eine attraktive Reisegeschwindigkeit ergibt sich so nicht. In Glauchau steige ich Richtung Chemnitz um.
Chemnitz war zwischenzeitlich mal nach diesem Herrn benannt
Da ich früher als geplant auf dem Rückweg bin (der Fußweg Narsdorf – Wechselburg fiel ja dank der DB aus), lege ich noch einen Aufenthalt im ehemaligen Karl-Marx-Stadt ein. Ich verlasse den Stadtexpreß an der Station Chemnitz Mitte. In der Nähe gibt es eine Straßenbahnhaltestelle, wo mir zum ersten Mal eine Variobahn über den Weg fährt.

Chemnitz entspricht ungefähr meinen Erwartungen. Ein sehenswertes Rathaus, ein großer Marx-Kopf, viele Baustellen. Das ist natürlich die Einschätzung aus touristischer Sicht und muß nicht heißen, daß man dort nicht gut leben kann. Für mich geht es jedenfalls zum Abendessen wieder nach Freiberg.

 

weiter zu Teil 2 des Reiseberichts

 


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Pfingstausflug 2002 ins Vogtland

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